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Solingen
Lidl-Märkte: Baustart verzögert sich weiter

Solingen: Lidl-Märkte: Baustart verzögert sich weiter
Unfreiwillige Idylle: Auf dem alten Gelände der Firma Credo in Gräfrath zeigt sich der Herbst von seiner schönen Seite. Doch ursprünglich war vorgesehen, dass dort längst ein neuer Discounter stehen sollte. Lidl plante die Eröffnung für Sommer 2016. Inzwischen nennt das Unternehmen keine Zeitpläne mehr. FOTO: Köhlen
Solingen. Zwei alte Industrieflächen in Gräfrath und Mitte, wo der Discounter Geschäfte bauen wollte, stehen bis heute leer. In der Politik wächst der Unmut - zumal die Ansiedlung von Handel auf wertvollen Brachen schon immer umstritten war. Von Uwe Vetter und Martin Oberpriller

Das alte Geländer rund um die Firma Credo Stahlwaren an der Ecke Schlagbaumer / Scheidter Straße ist abmontiert. Ein Bauzaun sichert das einstige Grundstück des führenden Anbieters im Pedikür- und Manikürbereich. Vom früheren Glanz des Gebäudes ist nicht mehr viel übrig. Es steht leer, Scheiben wurden eingeworfen. Und Holzbretter sind dort angebracht, wo früher Fenster waren.

Im Frühjahr 2015 hatte Credo das Feld im Stadtbezirk Gräfrath geräumt und war nach Haan abgewandert. "Das Gelände ist verkauft, das Geld dafür wurde bezahlt", sagte Firmen-Chefin Gabriele Kracht im April 2016 mit Blick auf den Discounter Lidl, der das Areal erworben hatte. Lidl wollte das alte Credo-Gebäude abreißen und einen neuen Lebensmittelmarkt errichten. Die Baugenehmigung liegt seit August 2015 vor, im Herbst vergangenen Jahres wurde noch die Genehmigung für eine ergänzende Zufahrt erteilt.

Neben dem Aldi-Neubau an der Beethovenstraße soll ebenfalls eine Lidl-Filiale entstehen. FOTO: Kem pner

Doch Lidl lässt weiter auf sich warten. Und das nicht nur an der Schlagbaumer /Scheidter Straße. Auch auf dem Gelände an der Beethovenstraße in Mitte, wo früher das Unternehmen Esab ansässig war, tut sich nichts. Mit Aldi ist dort inzwischen zwar, wie geplant, ein Discounter entstanden - aber der für Lidl vorgesehene Platz steht bis heute leer.

Ein Umstand, der von der Politik im Stadtbezirk Mitte zunehmend mit Argwohn betrachtet wird. "Es ist unverständlich, dass mit dem Bau immer noch nicht begonnen wurde", sagte jetzt beispielsweise Richard Schmidt (SPD) als Bezirksbürgermeister von Mitte. Wobei der Sozialdemokrat die Ansiedlung eines zweiten Discounters an der Beethovenstraße ohnehin eher skeptisch sieht.

"Irgendwann könnte das Angebot zu groß für die vorhandene Nachfrage sein", begründete Richard Schmidt im Gespräch mit unserer Redaktion seine Haltung. Zumal der SPD-Mann schon seit längerem für eine dezentrale Versorgung mit Lebensmittelgeschäften plädiert. "So hätten alle Bürger die Möglichkeit, ihre Besorgungen zu Fuß zu erledigen", sagte der Bezirksbürgermeister.

Bei Lidl selbst teilt man Bedenken wegen eines Überangebots an Discountern offensichtlich nicht, hält sich ansonsten aber, was die Planungen angeht, ausgesprochen bedeckt. "Lidl ist weiter an den Standorten Beethovenstraße sowie Scheidter Straße interessiert. Derzeit befinden wir uns in konstruktiven Gesprächen mit Vertretern der Stadt", teilte die Lidl-Zentrale jetzt etwas lapidar auf die Frage mit, wann mit dem Baubeginn zu rechnen sei.

Dabei hatte es schon im April dieses Jahres geheißen, man sei mit beiden Standorten in der Planungsphase, könne jedoch zum Baustart keine näheren Angaben machen. Was wiederum im vergangenen Jahr noch anders geklungen hatte. So war das Unternehmen aus Neckarsulm ursprünglich davon ausgegangen, im Herbst 2015 mit den Bauten zu starten, um die Märkte Mitte 2016 zu eröffnen.

Stadtdirektor Hartmut Hoferichter bestätigte in dieser Woche die Gespräche mit dem Discounter. Die vorläufig letzten Kontakte habe es bei der Gewerbe-Immobilienmesse Expo Real in München im Oktober gegeben, sagte der Stadtdirektor. Seitens der Stadt gebe es jedenfalls keine Hürden mehr. "Von daher könnte Lidl starten", versicherte Hoferichter.

Die Verzögerung, so vermutete der Stadtdirektor, sei eventuell mit einem neuen Angebotskonzept und einem damit verbundenen neuen Filialtypus verbunden. Auf der Messe in München habe er indes den Eindruck gewonnen, dass dieses Konzept nun kurz vor dem Abschluss stehe, betonte Hartmut Hoferichter.

Dass an der Beethovenstraße und der Schlagbaumer / Scheidter Straße Einzelhandelsunternehmen bauen, war dabei von Beginn an nicht unbedingt auf Gegenliebe bei Stadt und Politik gestoßen. Denn angesichts knapper Gewerbeflächen sollten einstige Industrieareale nicht mit Handel belegt werden. Das sieht Richard Schmidt im Prinzip auch heute noch so. "Wir müssen genau überlegen, was wir mit vergleichbaren Grundstücken in der Zukunft machen", forderte der Bezirksbürgermeister. Allerdings sind Discounter bis 800 Quadratmeter in Gewerbe- und gemischten Gebieten grundsätzlich zulässig.

Quelle: RP
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