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Solingen
Liebe und Respekt als Botschaft der jungen Generation

Solingen: Liebe und Respekt als Botschaft der jungen Generation
Filmemacher (v.l.): Nick Wolff, Mirza Odabasi und Abdullah Koc. FOTO: Kempner
Solingen. In seinem Film "93/13 – Meine Reise durch Deutschland, 20 Jahre nach Solingen" beleuchtet der junge Filmemacher Mirza Odabasi die Folgen des Brandanschlags und von Alltagsrassismus. Von Pia Bergmeister

Als am 29. Mai fünf Menschen beim Solinger Brandanschlag Opfer rassistischer Gewalt wurden, war Mirza Odabasi gerade fünf Jahre alt. Alt genug jedoch, um das Grauen dieser Tat mitzubekommen. "Obgleich meine Eltern mich vor diesen negativen Gefühlen schützen wollten, erinnere ich mich noch heute genau an die furchtbare Angst, die ich damals hatte", erzählt der 25-Jährige.

"Obwohl wir im fünften Stock lebten, hatte auch ich Angst, als Deutsch-Türke zum Opfer von Rassismus zu werden und hängte kindlich-naiv sogar eine Fußballfahne ab, die auf meine Herkunft hätte hinweisen können. Meine Eltern nutzen wie viele türkische Familien damals außerdem Funkgeräte, um sich mit anderen ausländischen Familien zu vernetzen und einander im Ernstfall zu warnen."

So tief haben sich die Erinnerungen an das Unfassbare bei Mirza Odabasi in sein Gedächtnis eingegraben, dass der Student des Kommunikationsdesigns sich entschloss, sie in einem Film zu verarbeiten. Er erzählt in seinem 38-minütigen Dokumentarfilm "93/13 Meine Reise durch Deutschland, 20 Jahre nach dem Brandanschlag in Solingen" aus der Perspektive seiner Gesprächspartner von den Folgen des 29. Mai 1993 und der Belastung des Alltagsrassismus. "Es ist ein Film gegen das Vergessen", verdeutlicht der Filmemacher. Die Idee des Films sei nach der Selbstenttarnung des nationalsozialistischen Untergrunds entstanden. "Mir ist es wichtig, nun aus der Perspektive derjenigen zu erzählen, die betroffen sind und ihnen so eine Stimme zu geben", erklärt Mirza Odabasi.

Für sein Filmprojekt reiste Odabasi quer durch Deutschland. Er interviewte unter anderem Politiker, Musiker und Künstler, darunter auch Cem Özdemir und Michel Friedmann. "Solingen ist der Grund, warum ich in die Politik gegangen bin", äußert Özdemir und macht damit die prägende Dimension des Brandanschlags deutlich.

Mevlüde Genç, die bei dem Brandanschlag zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte verlor, kommt zu Wort und berichtet bewegend von ihrem Schicksal. "Das Erlebte tut noch immer weh – auch mir", sagt Mirza Odabasi. Diese Verletzbarkeit der Deutsch-Türken könnten viele nicht nachempfinden. So auch Nick Wolff nicht, der die Kamera übernahm. "Den Opfern und ihren Angehörigen gilt mein tiefstes Mitgefühl und ich verabscheue jede Form von Rassismus und Gewalt, aber ich stehe nicht so zwischen den Kulturen wie Mirza", hat Wolff während der Dreharbeiten festgestellt. Doch Odabasi möchte nicht passiv in diesem Zwiespalt verharren, sondern seine deutsch-türkische Identität und seine Zugehörigkeit zur jungen Generation nutzen, um aufzuklären und einen Dialog anzustoßen. Sein Film setzt sich wie eine Zeitreise mit der Frage auseinander, was sich zwischen 1993 und 2013 verändert hat. "Meine Botschaft, die hinter "93/13" steht, transportiert nicht Angst, Hass und Gewalt, sondern Liebe und Respekt, denn wir sind die Generation, die alles verändern kann."

Quelle: RP
 
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