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Solingen
Lieblingsbücher von Lesekindern

Solingen. Die Frage, wie Eltern in dem Dschungel von jährlich 4500 neuen Kinderbüchern das Richtige finden sollen, beantwortet Stefanie Leo sich und mittlerweile auch den Kunden ihrer Versandbuchhandlung selbst. Von Bettina Vollmer

„Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“, ist so ein Bilderbuch, wo mancher Beschenkte vielleicht denkt. „Gab es nichts schöneres?“ Erst beim gemeinsamen Lesen mit Kindern, fällt auf, dass es eines von den Büchern ist, die Kinder immer wieder hervorholen: Weil es witzig illustriert ist, und weil sie die haarsträubend komische Geschichte vom verliebten Löwen klasse finden, der alle Tiere seiner Umgebung bittet, der Löwin seines Herzens einen Liebesbrief zu schreiben. Diese erfüllen seinen Wunsch allerdings so schlecht, dass er vor Wut löwenmäßig laut brüllt und so, wen wundert’s, das Gehör der Angebeteten findet. Die Empfehlung von Stefanie Leos lautet denn auch ganz eindeutig: „Kaufen!“; und zwar für Kinder von zwei bis sieben. Spaß verspricht sie auch dem Vorlesenden.

Es begann vor drei Jahren

Die Mutter von drei Jungen zwischen vier und acht Jahren hat vor drei Jahren begonnen, ihre eigenen Vorleseerfahrungen auf einer Homepage weiter zu geben. Mittlerweile erscheint ihre Internetseite an zweiter Stelle, wenn man Kinderbücher bei „google“ eingibt. Zunächst hatte sie ihre wachsende Leidenschaft für Kinderbücher lediglich zum Anlass genommen, ihre Kenntnisse in der Gestaltung von Homepages aufzufrischen, die sie vor ihrer Elternzeit als Schriftsetzerin bei einem Solinger Verlag erworben hatte. „Das gibt schon ein gewisses Hochgefühl zu sehen, was mit HTML alles möglich ist,“ erinnert sich die 36-jährige. „Ich habe gemerkt, du bist zwar Mutter, aber du kannst auch noch was anderes.“

Und ihre Kinder waren für die langsam zur Geschäftsidee wachsenden Aktivitäten sogar ausgesprochen hilfreich. Wenn neue Bücher von Verlagen eintreffen, schaut sie sich ganz genau an, wie ihre Jungs darauf reagieren, was ihnen gefällt und was sie nicht interessiert und welches Buch sie partout nicht wieder rausrücken wollen. Mittlerweile ist der Bestand der Bücher in ihrer Datenbank auf 1300 angewachsen. „Aber die habe ich nicht alle gelesen“, gibt die nebenberuflich tätige Buchhändlerin zu. Dazu hat sie mittlerweile eine „Kinder-Redaktion“. Rund 40 Kinder, viele aus Solingen aber auch aus ganz Deutschland lesen für sie Neuerscheinungen.

Die Kommentare und Bewertungen fließen in die Verkaufstexte ihrer Online-Versandbuchhandlung ein. Und das kam so: Nachdem sie zu Beginn lediglich die Besprechungen der selbst gekauften Bücher ins weltweite Datennetz gestellt hatte, bat sie die Verlage, ihr Leseexemplare zu schicken. Und die schickten nicht zu knapp.

„Wie soll ich das denn alles lesen?“, dachte sie verzweifelt und startete darauf einen Aufruf auf ihrer mittlerweile professionellen, datenbankbasierten Website. Seitdem schickt sie Probelesern zwischen acht und 15 Jahren die Leseexemplare und erhält dafür nach einem Monat das Buch samt Bewertung und Empfehlung zurück. Für letztere interessieren sich nicht nur ihre wachsende Kundschaft, sondern auch die Verlage wie sie von ihren Besuchen bei der Frankfurter Buchmesse weiß.

Quelle: RP
 
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