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Solingen
Löhrmann verlässt den Landtag

Solingen: Löhrmann verlässt den Landtag
„Ich bin mit mir selbst im Reinen“, betonte Sylvia Löhrmann im Gespräch mit unserer Redaktion. FOTO: Ina Fassbender
Solingen. Die Solingerin zieht aus der Wahlniederlage die Konsequenzen und gibt ihr Mandat zurück. Von Martin Oberpriller

Die vergangenen paar Tage waren irgendwie anders, aber dann auch wieder wie immer gewesen. Am Sonntag haben die Wähler in Nordrhein-Westfalen die rot-grüne Landesregierung abgewählt. Nach sieben Jahren wird die Macht in Düsseldorf demnächst voraussichtlich an CDU sowie FDP übergehen. Doch noch ist die alte Regierung aus SPD und Grünen im Amt - und das bedeutet wiederum, dass das Politikgeschäft zunächst einmal weiterläuft.

Zwar nicht dergestalt, als sei nichts geschehen. Denn vor und hinter den Kulissen in der Landeshauptstadt haben längst die Vorbereitungen für die neue Zeit begonnen. Es ist die Phase der Strippenzieher und der Spindoctors in der Politik, die nun versuchen, die Weichen zu stellen. Doch abseits dieses gleichsam machtpolitischen Niemandslandes, in dem sich naturgemäß kaum jemand gerne in die Karten schauen lässt, fordert das Alltagsgeschäft nach wie vor seinen Tribut.

Auch und gerade von jemandem wie Sylvia Löhrmann, die als stellvertretende Ministerpräsidentin und Schulministerin der rot-grünen Ära in Düsseldorf fast ein Jahrzehnt lang eines der prominentesten Gesichter verliehen hat. Gestern Morgen stand beispielsweise die konstituierende Sitzung der neuen grünen Landtagsfraktion auf dem Programm. Und darüber hinaus wird Löhrmann, wie es die Landesverfassung von NRW vorsieht, noch bis mindestens Ende Mai in ihren Regierungsämtern bleiben.

Aber danach ist erst mal Schluss. Denn gestern hat die gebürtige Essenerin, die bereits seit vielen Jahren in Solingen lebt, im Rahmen der Fraktionssitzung angekündigt, ihr Landtagsmandat zurückgeben zu wollen.

"Es ist jetzt an der Zeit, einen Generationenwechsel bei Bündnis 90/Die Grünen einzuleiten", begründete Löhrmann nach dem Treffen mit den Parteifreunden ihre "persönliche Entscheidung", die schon in den zurückliegenden Tagen gereift war. Allerdings hatte sie diesen einschneidenden Schritt nicht ohne ein vorheriges Gespräch mit ihrem Ehemann Reiner Daams gehen wollen. So wurde der endgültige Entschluss schließlich am Montagabend getroffen.

Wobei sich für Außenstehende fast zwangsläufig die Frage aufdrängt, mit wie viel Wehmut Sylvia Löhrmann von der politischen Bühne abtritt. Immerhin saß die Solingerin seit 1995 im Landtag, war lange Zeit Fraktionsvorsitzende der Grünen und zuletzt eben stellvertretende Regierungschefin sowie Ministerin.

Gleichwohl ist der Entschluss nach reiflicher Überlegung gefallen. Und Wehmut ohnehin nicht die Kategorie, mit der sich in den Augen Löhrmanns ein solcher Verzicht fassen ließe. "Die Entscheidung fühlt sich für mich richtig an", sagte die Solingerin gestern Nachmittag im Gespräch mit unserer Redaktion - wohlwissend, dass ein Politiker niemals allein die Deutungshoheit über die eigene politische Bilanz besitzt.

Tatsächlich waren aus den Reihen des Noch-Koalitionspartners SPD nach der Niederlage vom Sonntag vereinzelt Vorwürfe laut geworden, die Grünen und damit Löhrmann sowie deren Schulpolitik seien für die Abwahl verantwortlich gewesen. Doch das sind Angriffe, die Sylvia Löhrmann nach über 20 Jahren in der Landespolitik kaum mehr aus der Ruhe bringen. "Ich bin mit mir selbst im Reinen", betonte die 60-Jährige dementsprechend, die in diesem Zusammenhang ein Vorbild für einen würdevollen Abschied aus der aktiven Politik nannte: Joschka Fischer.

Der ehemalige Außenminister hatte 2005 nach dem Ende von Rot-Grün im Bund - im Gegensatz zu Kanzler Gerhard Schröder - in aller Ruhe den Stuhl geräumt. Heute ist Fischer längst ein gefragter Ratgeber - wobei auch Sylvia Löhrmann nicht ausschließen will, dass sie später mal eine ähnliche Rolle einnehmen wird: "Wir werden sehen".

Quelle: RP
 
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