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Solingen
Luthermahl im Zeichen der Reformatorinnen

Solingen. Der Erlös des traditionellen Festessens fließt in den Erhalt der Lutherkirche an der Kölner Straße. Von Benjamin Dresen

In der Reformation traten auch Frauen für ihren Glauben ein. Das hat Nachwirkungen bis heute, wie Michaela Röhr betont: Dass sie als Frau die Pfarrerin der Lutherkirche sein kann oder der Kirchenkreis mit Dr. Ilka Werner eine Frau als Superintendentin hat, sei " vielen mutigen Frauen zu verdanken, die gegen Wertvorstellungen und Rollenbilder angekämpft haben".

Das zwölfte Luthermahl des Lutherkirchen-Bauvereins stand im Zeichen der Reformatorinnen. Für die musikalische Gestaltung des Abends in der Lutherkirche sorgte das Klarinettentrio der Musikschule unter Leitung von Benedikt Frackiewicz.

Der Vorsitzende des Lutherkirchen-Bauvereins, Hansjörg Schweikhart, skizzierte die jüngere Vergangenheit des Bauwerks. Ende 2011 wollte die Gemeinde die Kirche wegen der Unterhaltskosten aufgeben. Eine Rettungsaktion des Bauvereins sorgte dafür, dass dieser Beschluss zurückgenommen werden konnte. 75.000 Euro trägt der Verein jährlich zum Unterhalt des Bauwerks bei. 2014 begann die Außensanierung der Kirche, deren Kosten sich in drei Bauabschnitten auf fast 1,5 Millionen Euro summieren.

Superintendentin Ilka Werner lenkte in ihrem Vortrag "...wie ich das Evangelium hab helfen bauen" den Blick auf die Frauen der Reformation. Ihre Namen sind heute vergessen, da sie im Schatten der Männer standen. Wibrandis Rosenblatt etwa war mit drei Reformatoren verheiratet und unterstützte diese nach Kräften. Argula von Grumbach argumentierte in Flugblättern selbstbewusst mit Bibelversen. Elisabeth Cruciger dichtete geistliche Lieder, von ihr ist das Lied Nr. 67 im evangelischen Gesangbuch erhalten geblieben. Zwar verschwanden solch eigenständige Frauen mit der Etablierung der evangelischen Kirche wieder. Aber sie hinterließen Spuren: Denn dass es heute Pfarrerinnen gibt, sei ein Alleinstellungsmerkmal der evangelischen Kirche, so Werner.

Nach der Nahrung für Geist und Seele kam der Magen auf seine Kosten. Vielleicht nicht ganz so derb wie zu Luthers Zeiten, aber trotzdem schön deftig war das Drei-Gänge-Menü: die Luthersuppe aus Kartoffeln und Speck, wahlweise Kassler mit Kraut und Klößen oder Rinderbraten mit Rotkohl und Schupfnudeln sowie zum Nachtisch eine Milchsuppe mit Schokolade und Kirschen. Das Essen wurde gesponsert und zubereitet vom Restaurant Steinhaus am Bahnhof.

Wie in den vergangenen Jahren hatten sich rund 55 Teilnehmer zum Preis von 60 Euro angemeldet. Nach Abzug aller Kosten bleiben für die Lutherkirche etwa 1500 Euro, wie Hansjörg Schweikhart sagt. Dies sei nicht viel angesichts der 75.000 Euro, die der Verein zum Unterhalt der Kirche aufbringen muss. "Aber so bleiben wir im Gespräch." Ein Höhepunkt des Abendprogramms war die Versteigerung des Gemäldes "Wie ich die Lutherkirche sehe" des Solinger Künstlers Regis Noël. Die hierbei erzielten 690 Euro kommen ebenfalls der Lutherkirche zugute.

Quelle: RP
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