| 00.00 Uhr

Solingen
Lutze zitierte die Bibel - und meinte die Nazi-Regierung

Solingen. Es war der 22.11.1933 - für Staat und Kirche ein Feiertag, der Buß- und Bettag. Die Reichspogromnacht der Nazis gegen jüdische Einrichtungen lag noch keine zwei Wochen zurück. Da trat Pfarrer Johannes Lutze in der Dorper Kirche auf die Kanzel und sprach in seiner Predigt die aufrüttelnden Worte: "Gott richtet ernste Flammenzeichen auf." Er zitierte damit die Bibel und meinte doch nichts anderes als die Nazi-Regierung und die vorausgegangene Zerstörung der Synagogen in Deutschland.

Unter diesem Motto war aus Anlass des 25. Todestages in den letzten Wochen eine Ausstellung über Johannes Lutze in der Dorper Kirche zu sehen, die mit interessanten Dokumenten den Besuchern diese Zeit nahebrachte. Neben Abendmahlskelch, Bibel und Gesangbuch des Pfarrers konnte man in Protokollen aus seiner GESTAPO-Akte lesen und nachvollziehen, wie er dieses System unmissverständlich anprangerte und es ihm doch gelang, ohne Anklage oder Verhaftung davon zu kommen.

Höhepunkt der Finissage war das Verlesen dieser historischen Predigt durch einen Enkel, Kristian Lutze. Ein beeindruckendes Dokument war zudem ein kurzer Film, in dem Johannes Lutze wenige Jahre vor seinem Tod in der Lutherkirche über sich und sein Leben in der Nazi-Zeit als Pfarrer der Bekennenden Kirche berichtete. Protokolle aus Presbyteriumssitzungen zeigten, wie damals der Riss durch jede Gemeinde ging in der Frage, wie sie sich zur Nazi-Herrschaft verhielt. Die Dorper Kantorei sang Lieder, die in jener Zeit entstanden oder Johannes Lutze besonders wichtig waren. Offiziell müssen die Kopien der Dokumente nun wieder zurück ins Archiv. Ist das aber der richtige Umgang mit unserer Vergangenheit?

(hpa)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Solingen: Lutze zitierte die Bibel - und meinte die Nazi-Regierung


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.