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Solingen
Lyrikpreis geht an Safiye Can

Solingen. Der Lyrikpreis 2016 der Wuppertaler Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft geht an Safiye Can. Er ist mit 3000 Euro dotiert und war bislang nur zweimal vergeben worden - 1994 an Thomas Kling und 1996 an Friederike Mayröcker. Seitdem fehlten der Lyrikgesellschaft trotz ihrer 1400 Mitglieder die notwendigen Mittel für den Preis. Wie die Else- Lasker-Schüler-Gesellschaft mitteilte, habe man sich bewusst für eine junge Poetin entschieden, die bereits zwei Lyrikbände veröffentlicht hat, die von Publikum und Kritik begeistert aufgenommen wurden.

Safiye Can wurde 1977 als Kind tscherkessischer "Gastarbeiter" der zweiten Generation aus der Türkei in Offenbach geboren. Die "Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik" attestiert ihr einen "impressionistischen Grundgestus der Gedichte, der sich in rhythmisch-melodischen Sequenzen umsetzt." In ihrem jüngsten Lyrikband finden sich Gedichte, die auf den Spuren der Konkreten Poesie des Wiener Kreises, eines Ernst Jandl oder Eugen Gomringer wandeln. Die Gedichte nutzen die phonetischen, visuellen und akustischen Dimensionen der Sprache und bleiben dennoch immer und jederzeit als ein Safiye-Can-Gedicht erkennbar. Dabei sind die Quellen, aus denen sich ihre Lyrik speist, nicht zu übersehen - die Überlieferungen der orientalischen Literatur und ihrer Symbolik, etwa das "Rose und Nachtigall"-Motiv in der tausendjährigen arabischen, persischen und türkischen Tradition, das ihrem ersten Gedichtband auch den Titel gab.

"So wie Anfang des 20. Jahrhunderts mit Else Lasker-Schülers Poesie, so ist mit Safiye Cans Gedichtbänden ein neuer Ton in die Lyrik gekommen und zugleich ein transkultureller Zungenschlag, der erfrischend, belebend wirkt", erklärt Hajo Jahn von der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft.

(red)
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