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Solingen
Männerchöre müssen weg vom Bierzelt-Image

Solingen. Seit drei Wochen hat der Männergesangverein Wupperhof mit Heinz-Walter Florin einen neuen musikalischen Leiter. Von Jan Crummenerl

"Hier gibt es richtige Möglichkeiten." Heinz Walter Florin sprüht regelrecht vor Tatendrang. "Ich bin jetzt 50, die Kinder sind aus dem Haus. Das ist eine Zeit, um noch mal richtig durchzustarten." Dabei kann man dem Dirigenten, Komponisten, Arrangeur und Pianisten nicht gerade vorwerfen, dass er sich in den vergangenen Jahren ein ruhiges Leben gemacht hätte. Konzerte in der Carnegie Hall, Zusammenarbeit mit José Carreras oder Ute Lemper, Uraufführung einer eigenen Oper in Dänemark, Organisation verschiedener Musikfestivals: "Ich versuche, in der Musik viele Stränge zusammenzuführen." Ein neuer Strang dabei sind jetzt die Wupperhofer. Seit rund drei Wochen ist Florin der neue musikalische Leiter des traditionsreichen Männergesangvereins.

"Wir tasten uns so langsam aneinander heran." Aber die Chemie zwischen den Sängern und ihren neuen, quirligen Chef scheint schon einmal zu stimmen. Zudem ist der Musiker kein Unbekannter bei den Wupperhofern. "Der Kontakt zwischen uns ist schon sehr alt", sagt Vorsitzender Michael Schmitz. Denn schon als Student hat Florin den Chor am Klavier begleitet, etwa auch bei der Südamerikareise in den 90er Jahren. Männerchorleitung hat bei Florin Tradition. "Schon mein Vater hat solche Chöre geleitet." Und im Männergesang sieht der Musiker viel Potenzial. "Es gibt eine reiche Literatur für Männerchöre, die um 1900 zur Hochkultur zählten und Kulturträger der damaligen Zeit waren." Nicht umsonst komponierte etwa Richard Strauss Werke für den Kölner Männergesangverein.

"Man muss nur von dem Bierzelt-Image und den Trinklieder-Geschichten wegkommen." So sieht Florin neben der Pflege der Tradition ein wichtiges Ziel darin, auch junge Leute gewinnen zu können. Da setzt er dann auch schon mal die Filmmusik zu "Kevin allein Zuhause" aufs Programm oder arbeitet mit den Bläck Fööss nebst Männerchor zusammen. "Ein Chor lebt von einer gesunden Schnittmenge." Mit Köln verbindet den bei Bonn lebenden Dirigenten auch die Leitung des Männerchores Deutz. "Wir haben es geschafft, mit Gustav Mahlers 8. Symphonie zweimal für eine ausverkaufte Kölner Philharmonie zu sorgen - keiner hat geglaubt, dass sowas möglich wäre", erläutert Florin, der auch schon am Pult der Nürnberger Symphoniker oder der Brandenburgischen Philharmonie stand. "Visionen können wahr werden, wenn man es richtig will - und es auch richtig verkaufen kann."

Michael Schmitz und die rund 70 aktiven Sänger der Wupperhofer sehen das gerne. "Wir haben immer schon große Konzerte gegeben", so Schmitz. Und so soll es auch weitergehen. Sicherlich auch mit neuen Konzepten. "In Köln habe ich beispielsweise zwei Konzerte zum Thema Oper gemacht", erläutert Heinz Walter Florin. Konzertante Aufführungen der Opern "Martha" von Flotow und "Die lustigen Weiber von Windsor" von Nicolai standen da auf dem Programm. "Das sind sehr schöne Spielopern, die man heute auf der Bühne kaum noch findet." Da müssen neue Lösungen gefunden werden.

Man darf gespannt sein, wo die gemeinsame Reise der Wupperhofer und Florins hingehen wird. Da man noch in der Beschnupperungsphase ist, lässt man es zunächst ruhiger mit Werken von Schubert und Bizet angehen. Die stehen auf dem Programm des traditionellen Weihnachtskonzertes, auf das sich der Männerchor langsam vorbereitet.

Quelle: RP
 
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