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Solingen
Mann hetzt Schäferhund auf Neunjährige

Solingen: Mann hetzt Schäferhund auf Neunjährige
Die neunjährige Virginia am Dienstag mit ihrem Vater am Tatort an der Friedenstraße. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Ein Mann hetzte mitten im Solinger Stadtteil Aufderhöhe einen Hund auf eine Schülerin. Das Tier biss die Kleine in Arm und Gesicht. Körperlich geht es dem Kind wieder besser, aber es hat mit den seelischen Folgen zu kämpfen. Suche nach Täter läuft. Von Martin Oberpriller

Am Tag nach dem Angriff des großen, dunklen Schäferhundes erinnerten "nur" noch ein Pflaster in Virginias Gesicht sowie ein blauer Verband am linken Arm der Neunjährigen an die schrecklichen Momente rund 24 Stunden zuvor. Doch während die äußerlichen Verletzungen des Mädchens nicht so schlimm zu sein scheinen wie zunächst befürchtet, dürfte die Schülerin mit den seelischen Folgen der Bisse viel länger zu kämpfen haben. "Unsere Tochter steht weiter unter Schock", berichteten die Eltern des Mädchens am Dienstag.

Mann forderte Kinder auf zu verschwinden

Dabei hatte Virginia sprichwörtliches Glück im Unglück. Denn am Montagnachmittag hetzte ein bislang unbekannter Mann mitten in Aufderhöhe seinen Schäferhund auf das Kind. Das Mädchen war mit einer gleichaltrigen Freundin auf der Friedenstraße unterwegs gewesen, als die beiden Schülerinnen in Höhe der Bushaltestelle An den Eichen gegen 16.15 Uhr auf den Hundehalter und dessen Vierbeiner trafen.

Zunächst sah alles noch nach einer vollkommen harmlosen Begegnung aus. Doch dann eskalierte die Situation innerhalb von lediglich wenigen Sekunden. Zunächst forderte der Mann die zwei Kinder in barschem Ton auf, sie sollten verschwinden. Als sich die Mädchen daraufhin kurz zu dem Unbekannten umdrehten, gab dieser seinem Hund plötzlich das Kommando "Fass" - worauf das Tier auf Virginia zustürzte und sich in den Arm sowie in das Gesicht der Neunjährigen verbiss.

Mann ließ blutendes Mädchen einfach zurück

Eine Beißattacke mit Folgen: Denn das Mädchen blutete stark, was den Hundebesitzer aber nicht störte. Im Gegenteil - als der Hund endlich nach quälend langer Zeit von der Schülerin abließ, stieg der Mann samt Tier einfach in einen Bus der Linie 693 und verschwand, ohne sich noch in irgendeiner Weise um das verletzte Kind sowie seine ebenfalls schockierte Freundin zu kümmern.

Das Mädchen lief sofort weinend zu seiner Mutter, die ganz in der Nähe des Tatorts ihren Arbeitsplatz hat - und die gestern immer noch fassungslos war. "Im ersten Moment war ich total unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen", sagte die Solingerin, die angesichts der Attacke auf ihre Tochter "einfach nur sprachlos und wütend ist". Umgehend brachte sie die Kleine zum Arzt, wo sich zum Glück herausstellte, dass die Bissverletzungen wohl bald wieder verheilen werden. Und auch den Schreck soll die Neunjährige, die selbst einen Hund hat und Vierbeiner eigentlich liebt, so schnell wie irgendmöglich überwinden.

Wer kann Hinweise auf den Täter geben?

"Wir hoffen nur, dass der Mann gefunden wird", sagten die Eltern am Dienstag, derweil die Polizei erste Fahndungsmaßnahmen einleitete. So kontaktierten die Beamten des zuständigen Kriminalkommissariats zunächst die Solinger Stadtwerke, um gegebenenfalls Videoaufnahmen aus dem Bus sicherzustellen, mit dem der Hundehalter geflohen war.

Allerdings endete dieser Versuch bald mit einer Ernüchterung. "Das entsprechende Fahrzeug verfügt über keine Kamera", sagte ein Polizeisprecher später auf Anfrage unserer Redaktion. Bei dem Bus handele es sich um ein älteres Modell, in dem diese Technik noch nicht eingebaut sei. Dennoch sind die Beamten einstweilen guter Hoffnung, den Unbekannten zu fassen. "Wir suchen Zeugen, die den Mann und seinen Hund gesehen haben", hieß es bei der Polizei.

Die Chancen, den Hundehalter zu ermitteln und wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht zu stellen, stehen nicht schlecht. Denn Virginia und ihrer Freundin gelang es trotz des Schocks, eine gute Beschreibung von Mann und Hund zu geben. So ist der Unbekannte nach Einschätzung der Mädchen über 30 Jahre alt und mit 1,60 bis 1,65 Meter relativ klein. Am Tattag trug er eine grüne Hose, eine blaue Jeansjacke sowie eine Sonnenbrille. Er hatte einen Oberlippenbart. Der Hund ist eine Art Schäferhund mit dunklem bis schwarzem Fell. Hinweise nimmt die Polizei unter Telefon 0202/284-0 entgegen.

Quelle: RP
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