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Solingen
Margie Kinsky zog das Publikum in ihren Bann

Solingen. Die Komödiantin ist hyperaktiv. Während andere Künstler am Ende ihrer Vorstellung im Foyer Hof halten, steht Margie schon weit vor der Vorstellung mitten in den ankommenden Besuchern, lässt sich fotografieren und betätigt sich sogar als Platzanweiserin, bevor sie endgültig über die Bühne wirbelt, den liebevollen Ulk mit dem Publikum fortsetzt und die ersten Knalleffekte unter die Leute bringt. Ihr letztes Gastspiel in Solingen absolvierte sie im kleinen Konzertsaal, am Dienstagabend spielte sie nun vor einem fast ausverkauften Pina-Bausch-Saal. "Ich bin so wild nach Deinem Erdbeerpudding" heißt ihr aktuelles Programm, die Anspielung auf eine Rezitation des egozentrischen Schauspielers Klaus Kinski muss sie erklären, die Namensgleichheit bringt die in Rom aufgewachsene Kabarettistin oft in Verlegenheit. Von Wolfgang Günther

Dieses Dilemma spielt aber im Programm keine Rolle mehr, dafür hat sie mit ihrer eigenen Familie genug zu tun. Nach der Heirat mit dem Schauspieler Bill Mockridge brachte sie pünktlich alle zwei Jahre einen Sohn auf die Welt, es sind inzwischen sechs und dazu der kanadische Ehemann mit dem Rufnamen "Holzfäller", das bringt jede Menge Material für eine hinreißende und kurzweilige Ein-Frau-Comedy-Show. Ihre lustigen Familiengeschichten lösen einen hohen Wiedererkennungsimpuls beim Publikum aus, man lacht eben am meisten über jene Dinge, die einem selbst zugestoßen sind.

Zu dem Männerensemble gesellt sich auch die aktive 90-jährige Oma, die Familiengeschichten lösen im Publikum Lachtränen aus. Margie Kinsky gibt an ihrem Abend mehr als 100 Prozent, darunter macht sie es nicht. Ihre offenherzigen Bekenntnisse, mit naivem Charme erzählt, sind aus dem wahren Leben gegriffen, und daher so echt und überaus unterhaltsam. Dann treten auch ihre imaginären Busenfreundinnen Maritta aus Bonn-Endenich und die Italienerin Maria auf, und hielten mit der Schilderung ihrer Erlebnisse im Wellness-Hotel das weitgehend weibliche Publikum im Saal durchgehend im Lach-Modus.

30 Jahre lang war Margie Kinsky Mitglied des Improvisations-Theaters "Springmaus". Die dort erworbenen Fähigkeiten nützen ihr auch in ihrem Solo-Programm sehr. Blitzschnelles Extemporieren auf Einwürfe aus dem Publikum begeistern immer wieder. Margie Kinsky spielt humorvoll mit ihren Versatzstücken, dem einerseits bürgerlichen Leben mit IKEA-Möbeln und Müllabholkalender, anderseits mit der medialen Bekanntheit ihrer Theater- und Fernsehfamilie. Ihr Witz darf auch schon mal ein wenig derb sein, bleibt aber in der Schilderung auch der tollkühnsten Eskapaden ihrer Familie immer menschlich und vor allem - weiblich.

Dazu ist sie auch erfinderisch, die O-TA, also die Oma-Tagesstätte könnte eine Lösung vieler Probleme sein. Margie Kinsky zieht mit ihrem Humor das Publikum in ihren Bann, ihr kurzweiliges, authentisches Programm wurde von Anfang bis Ende bejubelt, der Besuch hatte sich gelohnt.

Quelle: RP
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