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Solingen
Markus Karstieß' Kunst blickt 4000 Jahre zurück

Solingen: Markus Karstieß' Kunst blickt 4000 Jahre zurück
Markus Karstieß in seinem Atelier. Im Vordergrund auf dem Tisch liegen einige Arbeiten aus der Serie "Scholar's Rocks" FOTO: mit
Solingen. Der Solinger Künstler stellt seine Keramiken aktuell bei Bruce Haines in London und im Glaskasten in Marl aus.

Noch bis zum 18. Dezember zeigt die Galerie Bruce Haines in London eine neue Werkgruppe des Solingers Markus Karstieß. Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen, der zwei vergangene Ausstellungen des Künstlers - in Newcastle und Middlesbrough (beide 2014) - dokumentiert: "Futuristic Mist &", erschienen im Verlag des Middlesbrough Institute of Modern Art. Beide Präsentationen realisierte Karstieß in seiner Zeit als Stipendiat des Norma Lipman Trusts an der Universität von Newcastle, wo der Solinger 2013 und 2014 viele Monate verbrachte.

Bei seinem Aufenthalt in England entdeckte Karstieß auf Spaziergängen in Northumberland die hier auf Felsen zu findenden "Cup-and-Ring"-Markierungen. Diese Felsenzeichnungen, die auch in Skandinavien, im Alpenraum oder auch in Portugal zu finden sind, bestehen aus einer konkaven Vertiefung, wobei der "Cup" (Schälchen) von "Rings" (konzentrischen Kreisen) umgeben ist. Die "Cup-and-Ring"-Markierungen sind über 4000 Jahre alt. Die Forschung datiert die Markierungen in das Neolithikum und der älteren Bronzezeit (3800 bis 1500 v. Chr.). "Für mich sind sie wie Orakel, die in die Zukunft weisen", erzählt Karstieß im Hinblick auf die Vorlagen für seine neue Keramik-Serie "Stoner". Mit Erde fertigte der Künstler vor Ort Abdrücke der Felsenzeichnungen an. Aus den Abdrücken wurden mittels der alten arabischen Lüstertechnik geheimnisvolle, mit Menschheitsgeschichte geradezu magisch aufgeladene Keramikobjekte.

Noch mit einer weiteren Werkgruppe betreibt Karstieß Geschichtsforschung - mit seinen "Scholar's Rocks". Während eines Aufenthaltes in Italien hat der Künstler Überreste einer Land-Art-Aktion von Robert Smithson aus dem Jahr 1969 ausgegraben. Smithson hatte in der Nähe von Rom von einem Lkw flüssigen Asphalt einen Hügel herabfließen lassen. Spuren der heute größtenteils zerstörten und überwachsenen Asphalt-Fläche, wie etwa einem noch vorhandenen Reifenabdruck oder größere Stücke, hat Karstieß abgegossen und anschließend im Atelier aus diesen Abdrücken keramische Formen mit metallischen Glasuren geschaffen, in denen er jeweils auch ein kleines Originalstück des Asphalts der Land-Art-Aktion eingearbeitet hat. Diese Arbeit hat Karstieß auch in einem Film dokumentiert: "Digging for Robert Smithsons Asphalt Runddown".

Einige seiner "Scholar's Rocks" zeigt der Solinger derzeit im Rahmen der Ausstellung "Skulptur 2015" im Glaskasten Marl - zusammen mit alten chinesische Gelehrtensteine aus der Sammlung des Museums DKM in Duisburg (bis 7. Februar).

(mit)
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