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Solingen
Mehr als 300 Menschen ziehen an Weihnachten ins Flüchtlingsdorf

Solingen: Mehr als 300 Menschen ziehen an Weihnachten ins Flüchtlingsdorf
In den Wohnzelten des Henry-Dunant-Dorfes des DRK in Ohligs sind am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag zusammen über 300 Flüchtlinge eingezogen. FOTO: Kempner, Martin
Solingen. Die größte Flüchtlingsunterkunft Solingens hat sich an Weihnachten endlich mit Leben gefüllt. 346 Flüchtlinge sind nun im Henry-Dunat-Dorf eingezogen. Das Land NRW hatte bereits zuvor die Unterbringung der Flüchtlinge angekündigt. Von Günter Tewes

"Es war schon etwas Besonderes, Weihnachten so vielen Menschen eine Unterkunft zu gewähren", sagte Simone Hoch, Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes, unserer Redaktion. Am Freitagabend trafen im Henry-Dunant-Dorf des DRK an der Monhofer Straße mit seinen Wohnzelten 246 Flüchtlinge ein, darunter 31 Kinder unter drei Jahren sowie 25 Mädchen und Jungen zwischen drei und sechs Jahren. "Als sie aus dem Bus stiegen, waren alle müde, aber auch froh – und sie haben uns mit Merry Christmas begrüßt", schilderte Hoch.

DRK-Mitarbeiter empfingen die Neuankömmlinge und verpflegten sie. Auch eine ärztliche Untersuchung fand direkt statt, teilte die Stadt mit. Das DRK hatte drei Ärzteteams für die Erstuntersuchung im Dorf, wo sich auch die Registrierungsstelle befand, im Einsatz. Oberbürgermeister Tim Kurzbach war vor Ort, um die Flüchtlinge willkommen zu heißen und auch dem Team des DRK für den reibungslosen Ablauf und die professionelle Arbeit zu danken: Mal eben rund 300 Menschen in Empfang zu nehmen, zu registrieren, einzuweisen, zu verpflegen und auch für eine erste ärztliche Untersuchung zu sorgen, dies sei kein Klacks.

346 Flüchtlinge werden vorübergehend in der Erstaufnahme-Einrichtung des Landes an der Monhofer Straße in Ohligs verbleiben. FOTO: Kempner, Martin (mak)

Gegen 18.30 Uhr sind die ersten Flüchtlinge im Dorf eingetroffen. Um 23.30 Uhr am Freitag fuhr schließlich der letzte Bus an der zusätzlichen Unterkunft Beethovenstraße vor, die wegen des Hochbetriebs kurzfristig noch hinzugenommen wurde, berichtete DRK-Sprecherin Hoch. Sie selbst war bis 5 Uhr in der Nacht zu Samstag in die Arbeit eingebunden. "Wir haben sieben Nationalitäten. Die größte Gruppe sind die Syrer, die zweitgrößte Afghanen."

Zusätzlich zum Henry-Dunant-Dorf in Ohligs sind in der Nacht vom ersten auf den zweiten Weihnachtsfeiertag noch 100 weitere Flüchtlinge erst einmal im alten Aldi an der Beethovenstraße untergebracht worden, unter ihnen viele Familien aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Diese zogen, so Simone Hoch, Samstagmorgen dann ebenfalls im Henry-Dunant-Dorf ein.

Stimmen: NRW-Bürgermeister zur Lage in ihrer Stadt FOTO: dpa, fg nic

Alle 346 Flüchtlinge werden vorübergehend in der Erstaufnahme-Einrichtung des Landes an der Monhofer Straße in Ohligs verbleiben, bis sie endgültig anderen Kommunen oder Kreisen in Nordrhein-Westfalen zugewiesen werden.

Zahlreiche DRK-Helfer sind nach den Worten von Hoch im Einsatz gewesen, so mancher rund um die Uhr. Auch medizinische Versorgung wurde gebraucht. "Viele Kinder sind erkältet", sagte sie. Zudem fehlt Kleidung. Es herrscht ein großer Bedarf an Socken. Das DRK bittet insbesondere um Kleiderspenden in kleinen Männergrößen, abzugeben beim Kreisverband an der Burgstraße 105.

In diesem Jahr erwartet das DRK keine weiteren Flüchtlinge im Ohligser Henry-Dunant-Dorf, die das Land NRW der Klingenstadt in der Erstaufnahme zuweist. Dafür war Solingen am ersten Weihnachtsfeiertag von Null bis 24 Uhr vorgesehen gewesen. Am 2. Januar wird das wahrscheinlich erneut der Fall. 250 weitere Flüchtlinge könnten dann eintreffen. Damit wäre das Ohligser Dorf an der Monhofer Straße mit seiner Kapazität von 600 Plätzen quasi voll belegt.

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Quelle: RP
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