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Solingen
Mehr Querdenken bei der Schulgestaltung

Solingen: Mehr Querdenken bei der Schulgestaltung
Selbstständige Schule ist für die Rektoren im Sprecherat der Solinger Schulleiter Programm: (h.v.l.): Alexandra Ohler, Rainer Eckel, Rainer Semmler, Peter Wirtz, Klaus Blasberg, Birgit Weise und Andreas Tempel (h.v.l.) sowie Gabriele Stobbe-Dibbert und Joachim Blümer (v.v.l.) FOTO: Martin Kempner
Solingen. Der Sprecherrat der Rektoren will mit dem ersten Schuljahresempfang der Solinger Schulen die Bildungsakteure in der Stadt stärker vernetzen. Appell: Mit mehr Freiheiten und Selbstständigkeit der Schulen lässt sich mehr erreichen. Von Günter Tewes

Die Frage liegt auf der Hand: Warum sollte ein Kind, das seit Jahren in der städtischen Musikschule ausgebildet wird und regelmäßig bei Jugend musiziert dabei ist, in Klasse 10 seinen Musikunterricht nicht gleich in der Flurstraße erhalten. Stattdessen könnte der Zehntklässler in der Schule zusätzlich den Technikkurs belegen. Doch die Stundentafel, die den Schulen vorgegeben ist und nach denen sie die Stundenpläne für die Schüler zusammenstellen, ist zuweilen zu starr, um die Lernzeit den Begabungen und Interessen der einzelnen Kinder anzupassen.

"Wir brauchen mehr Querdenken", appellierten die Rektoren im Sprecherat der Schulleiter jetzt. Damit meinten sie freilich weniger die musikalischen Kinder, sondern vielmehr neue, zusätzliche Freiräume bei der Schulentwicklung. Kreative Freiräume, die sowohl von den Lehrern, aber auch von Eltern, Bildungspolitikern und Schulverwaltung mitgestaltet werden könnten.

Mit standardisierter Bildung kommen wir nicht entscheidend voran; innovative Schulentwicklung in Solingen braucht mehr Selbstständigkeit - so der Appell des Sprecherrates. Immerhin: Gabriele Stobbe-Dibbert (Berufskollegs), Klaus Blasberg (Sprecher der Gymnasien), Ute Dorfmüller (Hauptschulen), Birgit Weise und Rainer Eckel (Grundschulen), Joachim Blümer (Realschulen), Rainer Semmler (Förderschulen), Andreas Tempel (Gesamtschulen) sowie Peter Wirtz (Sprecher im Lenkungskreis der Bildungskonferenz) vertreten alle Schulen und Schulformen der Stadt mit zusammen gut 20 000 Schülern - vom i-Dötzchen bis zu den jungen Erwachsenen in Oberstufen beziehungsweise Berufskollegs.

"Wenn wir mehr Freiheiten hätten, das Profil der Schulen weiter zu entwickeln, könnten wir mit den vorhandenen Mitteln mehr erreichen", ist Klaus Blausberg überzeugt. Doch Rainer Eckel sieht manchmal "Fußfesseln", die das bremsen. "Mehr Mut für mutige Entscheidungen" wünscht sich der Grundschulleiter. "Wir sehen eine Menge Möglichkeiten, die möchten wir gerne nutzen."

Einen Impuls dazu geben soll Professor Klaus Klemm, einer der renommiertesten Schulforscher, der am morgigen Samstag beim ersten Schuljahresempfang der Solinger Schulen spricht. Sein Vortragsthema: " Die Kunst der Entfesselung: Selbstständige Schule als Motor der regionalen Schulentwicklung". Bei der Premiere des vom Rektoren-Sprecherrat organisierten Empfangs, der am Samstag um 11 Uhr in der Mensa der Friedrich-Albert-Lange-Schule beginnt, soll es nicht bleiben.

Vielmehr soll das große Bildungsforum mit allen Schulen und Schulpflegschaften, Bildungspolitikern, Schulverwaltung und Ministeriumsvertretern zur jährlichen Tradition werden. Über Vernetzung seien Stadt- und damit auch Schulentwicklung am allerbesten zu schaffen, erklärte Peter Wirtz. So dürften sich bei dem Empfang zahlreiche Möglichkeiten für Gespräche eröffnen.

Realschulrektor Joachim Blümer sieht derzeit jedenfalls eine Aufbruchstimmung in der Solinger Schullandschaft. Die gelte es zu nutzen, um Bildung als Standortfaktor in der Stadt zu entwickeln und junge Familien sowie kreative Köpfe für Solingen zu gewinnen.

Perspektive für den Rektoren-Sprecherrat ist, die Quote der Abiturienten auf 40 Prozent zu steigern sowie die Zahl der Jugendlichen, die ohne Hauptschulabschluss dastehen, zumindest zu halbieren.

Quelle: RP
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