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Solingen
"Menschen sind nun einmal keine Mäuse"

Solingen: "Menschen sind nun einmal keine Mäuse"
Das speziell gestaltete "Mausmobil" machte gestern Station in der Ohligser Fußgängerzone, um über Tierversuche zu informieren. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Der Verein "Ärzte gegen Tierversuche" informierte in der Ohligser Fußgängerzone über den - aus seiner Sicht - geringen medizinischen Nutzen von Tierversuchen. An Tieren erprobte Medikamente seien beim Menschen häufig wirkungslos. Von Benjamin Dresen

Tierversuche galten in der Wissenschaft jahrzehntelang als "notwendiges Übel" zur Erprobung von Medikamenten - wollte man nicht Experimente direkt am Menschen durchführen. "Früher herrschte die Annahme, dass sich die Erkenntnisse aus Tierversuchen auf den Menschen übertragen lassen", erklärt Neurobiologe Christian Ott (26) vom Verein "Ärzte gegen Tierversuche", der gestern mit dem Stand "Mausmobil" in der Düsseldorfer Straße informierte.

Dieser Ansatz sei aber mittlerweile widerlegt: "Für die Heilung menschlicher Krankheiten sind Tierversuche irrelevant und irreführend. Menschen sind nun einmal keine Mäuse." Mit seiner deutschlandweiten Kampagne möchte der Verein ein kritisches Bewusstsein für das Thema in der Öffentlichkeit schaffen und so die Basis für ein Handeln der Politik legen. Partner des Mausmobils in Ohligs war der Verein "Vegan in Solingen".

Laut der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zeigen 92 Prozent der in Tierversuchen erprobten Medikamente beim Menschen keine Wirkung oder sogar Nebenwirkungen. Deshalb sind laut Ott auch Fachärzte der Auffassung, dass Tierversuche der falsche Weg seien, um die Sicherheit von Medikamenten gewährleisten zu können.

Die Botschaft von "Ärzte gegen Tierversuche" lautet daher: "Tierversuche sind kein notwendiges Übel, sie sind nicht sicher, und es gibt bessere Methoden", wie Christian Ott sagt. Die Wissenschaft könne heute mit menschlichen Zellen und funktionsfähigen Organen experimentieren, ohne am Menschen selbst testen zu müssen.

Vor allem Mäuse werden in Deutschland medizinischen Experimenten unterzogen. Mit 2,2 Millionen von drei Millionen Tieren, die jährlich in deutschen Laboren getötet werden, machen sie den Großteil aus. Zu Versuchszwecken werden bei ihnen Krebs, Alzheimer, Schlaganfall oder Diabetes künstlich hervorgerufen. Anschließend versuchen die Forscher, die Tiere zu wieder zu heilen.

Tierversuche werden aber nicht nur zur Erforschung von Medikamenten durchgeführt, sondern auch für viele alltägliche Produkte wie Kosmetik, Wasch- und Putzmittel sowie für jegliche neuen Chemikalien. Die Tests reichen von der Verabreichung hoher Mengen oder mehrjährigen Langzeittests zur Giftigkeit bis zu Genmanipulationen und Verhaltensexperimenten für Grundlagenforschung und Medizin.

Für Verbraucher, die auf Produkte aus Tierversuchen verzichten wollen, gibt es zwei Logos, die gewährleisten, dass ein Unternehmen von unabhängiger Seite überprüft wurde. Dies ist zum einen die "Kosmetik-Positivliste des Deutschen Tierschutzbundes" sowie "Das Springende Kaninchen" (Humane Cosmetic Standard, HCS), so wurde gestern am "Mausmobil" in der Ohligser Fußgängerzone informiert.

Quelle: RP
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