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Solingen
Menschenkenntnis an der Disko-Tür

Solingen: Menschenkenntnis an der Disko-Tür
Türsteher stehen im Dienste der Abendunterhaltung: "Wir sorgen für Sicherheit und haben eine Fürsorgepflicht", sagen Klaus und Marcel über ihren Job. FOTO: Köhlen, Stephan (TEPH)
Solingen. Als Türsteher sorgen Klaus und Marcel in der Diskothek Getaway für Sicherheit - und müssen sich einiges gefallen lassen. Beide Mitarbeiter eines Ratinger Unternehmens sind eher durch Zufall an ihren Job gekommen - und sind dabei geblieben. Von Maxine Herder

Die Sommernacht ist noch warm und Marcel und Klaus, beide 42 Jahre alt, Türsteher in der Ohligser Diskothek Getaway, haben ihren Arbeitsplatz von dem Stehtisch gegenüber der Kasse nach draußen gleich neben die Eingangstreppe verlagert. Es ist 23 Uhr und vor den beiden Männern liegt, so vermuten sie, eine ruhige Nacht. "In den warmen Monaten ist es ohnehin immer recht ruhig", sagt Marcel. Zudem ist an diesem Tag Ü30-Party - und da könnten sich die Gäste in der Regel benehmen.

Dennoch sind Klaus und Marcel, Angestellte der Ratinger Firma Protection Team und vom Getaway als Türsteher gebucht, aufmerksam, nehmen jeden Gast, der auf den kleinen Vorplatz vor der Eingangstreppe kommt, in Augenschein. "Wir achten darauf, ob die Leute nicht zu betrunken sind und dass das Alter zur Veranstaltung passend ist", sagt Klaus. Bei der Ü 30-Party sollten die Gäste zumindest an die 30 sein. Ausweiskontrollen müssen sie an diesem Abend jedoch so gut wie gar nicht machen. Bei Partys ab 16 sieht das anders aus: Dann werden die Ausweise der jüngsten Gäste nicht nur kontrolliert, sondern auch eingesammelt - um sicherstellen zu können, dass die unter 18-Jährigen die Disko bis Mitternacht verlassen. Es ist jede Menge Menschenkenntnis und Beobachtungsgabe, die die Männer an der Tür brauchen. "Jeder verhält sich anders, hat ein anderes Erscheinungsbild. Wenn Menschen getrunken haben, haben sie beispielsweise eine ganz andere Gestik", sagt der Kölner Marcel.

An diesem Abend sind Klaus und Marcel, die ihre Nachnamen lieber nicht in der Zeitung lesen wollen, mit einem weiteren Kollegen im Einsatz. Bei Veranstaltungen, zu denen viele Jugendliche kommen, bei Abi-, Charts- oder 90er-Parties, wenn sich bis zu 900 Gäste im Get tummeln, arbeiten sie zu siebt. An solchen Abenden, erzählen beide, werde der Ton auch mal rauher: Beleidigungen seien dann an der Tagesordnung, sie müssten sich einiges gefallen lassen, von Mädchen und Jungs, 16, 17 Jahre alt, die kräftig vorgetrunken haben. Der Respekt sei verloren gegangen, bedauern die Türsteher. Bei Beleidigungen hört Klaus schon längst nicht mehr hin. "Ich lasse auch alles, was bei der Arbeit passiert, hier. Ansonsten könnte man den Job nicht lange machen."

Zuallererst, sagen die Türsteher, versuchten sie, Auseinandersetzungen verbal zu klären. Wenn ein Gast jedoch körperlich aggressiv werde, müssten sie handeln. Kratz-, Beiß- und Platzwunden hätten sie sich schon eingefangen, einmal in den vergangenen sechs Monaten wurde Klaus körperlich in der Disko attackiert. Hier ist man auf derartige Vorfälle eingestellt: In der Nähe der Bars gibt es Sicherheitsknöpfe, kommt es zu Auseinandersetzungen, werden die Türsteher durch eine laute Klingel alarmiert.

"Immer nur Spaß ist der Job nicht", sagt Marcel, dennoch macht er ihn gerne. "Der Umgang mit Menschen macht mir Spaß, man lernt natürlich viele verschiedene Leute kennen." Der 42-Jährige ist schon lange im Sicherheitsgewerbe, Türsteher wollte er eigentlich nie werden. "Als ich vor sechs Jahren nach Köln kam, hat man mir angeboten, eine Disko in Solingen zu übernehmen, so bin ich hier gelandet." Auch Klaus ist eher zufällig zu seinem Job gekommen, er sei gefragt worden, ob er Interesse daran hätte, und es habe ihm Spaß gemacht, erzählt der Solinger. Mittlerweile ist er seit 15 Jahren dabei. Immer wieder, sagen die Türsteher, hätten sie mit Vorurteilen zu kämpfen, würden als Schläger bezeichnet, werde ihnen Schikane unterstellt. "Viele denken, wir wollten ihnen etwas Schlechtes. Aber wir sorgen hier für die Sicherheit, wir haben eine Fürsorgepflicht, der wir nachkommen."

Um kurz vor 12 biegt eine Gruppe von jungen Männern beim Junggesellenabschied um die Ecke, verkleidet als Schneewittchen und die sieben Zwerge. Einen der Zwerge hält Marcel auf, er muss seine Bierflasche abgeben, dann kann die Gruppe rein. Halb voll, schätzen die Türsteher, sei die Disko jetzt. "Da passt noch ein Schwung rein", sagt Marcel. "Die Leute gehen immer später los, da kommen auf jeden Fall noch ein paar."

Quelle: RP
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