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Solingen
Metall-Firmen gehen von Streik aus

Solingen: Metall-Firmen gehen von Streik aus
Horst Gabriel ist erneut zum Vorsitzenden des Solinger Arbeitgeberverbandes gewählt worden. Mit der Auftragslage seines Unternehmens Ernst Ludwig Emde GmbH ist der 58-Jährige zufrieden. FOTO: Martin Kempner (Archiv)
Solingen. Der 58-jährige Unternehmer Horst Gabriel ist für weitere drei Jahre zum Vorsitzenden des Arbeitgeberverbandes Solingen gewählt worden. Am 28. April tagen wieder die Tarifpartner von Arbeitgeberverband und IG Metall. Von Uwe Vetter

In der laufenden Tarifrunde der Metall- und Elektrobranche sieht Horst Gabriel "eine Herausforderung für unsere Wettbewerbsfähigkeit". "Es gibt dieses Jahr keine Inflation und fast keine Produktivitätssteigerung, und dennoch fordert die IG Metall unverdrossen fünf Prozent mehr Lohn", sagte der alte und neue Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes (AGV) Solingen auf der Mitgliederversammlung im Kunstmuseum.

1,2 Prozent hatten die Arbeitgeber jüngst geboten, für den 58-jährigen Unternehmer und Chef der Walder Firma Ernst Ludwig Emde GmbH (Stanztechnik in Präzision) klingt das zwar niedrig, "das ist aber eine Reallohnerhöhung. In den vergangenen fünf Jahren gab es 20 Prozent Lohnzuwachs", rechnet Horst Gabriel vor.

Er ist auch stellvertretender Vorsitzender des Arbeitgebervebandes Metall NRW und somit nah an den Tarifgesprächen dran, die am 28. April fortgesetzt werden. Aus Erfahrung weiß der Solinger angesichts der noch weit auseinanderliegenden Spanne zwischen Angebot und Forderung: "Es wird Streik geben. Streik ist der beste Werbeblock für die Gewerkschaft, um weitere Mitglieder zu gewinnen."

Gabriel wirbt gleichwohl für "einen vernünftigen Tarifabschluss". Gelingt das nicht, würde das den Export von Arbeitsplätzen befördern. "Schon jetzt investieren unsere Unternehmen im Gegensatz zu früher mehr im Ausland als in Deutschland", sagt der AGV-Vorsitzende. Wenn der Einzelne mehr Geld bekomme, würden in gleicher Summe Arbeitsplätze auf der Strecke bleiben.

Gabriel ist aber auch Verfechter der Tarifbindung. "Alles andere wäre Irrsinn", so der Unternehmer. Früher seien viele Unternehmen wegen der Tarifbindung aus Unternehmensverbänden ausgetreten, um eben nicht die zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden vereinbarten (höheren) Löhne bezahlen zu müssen. "Die Tarifbindung bedeutet auch Sicherheit für die Firmen", sagt Horst Gabriel, der in seinem Unternehmen 27 Mitarbeiter beschäftigt und die momentane Auftragslage als gut bezeichnet.

"Der Zulauf zu den Verbänden ist heute wieder höher als der Abgang." Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes lobte in seiner Rede auch den Präsidenten der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK), Thomas Meyer. Den Bergischen Rat, den Meyer maßgeblich initiiert habe, führte Gabriel hier an. Auch die Vermittlerrolle des IHK-Präsidenten zwischen Wuppertal und Remscheid im DOC-Streit. Die Umwandlung der Clemens-Galerien in ein innerstädtisches Outlet-Center - für Gabriel ist das eine gute Idee. Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach ist beim AGV-Vorsitzenden und Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Wirtschaftsförderung ebenfalls gut gelitten: "Er hat offene Türen im Rathaus versprochen und Wort gehalten", lobte der Unternehmer mit Blick auf regelmäßige Treffen zwischen Stadt, Firmen und Gewerkschaften. Kommenden Montag steht hier eine zweite Gesprächsrunde auf dem Programm.

Quelle: RP
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