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Solingen
Metallbetriebe fordern moderate Tarifrunde

Solingen. Bis Ende April herrscht in der Metall- und Elektrobranche noch Friedenspflicht, eine Forderung der IG Metall liegt noch nicht auf dem Tisch. Geschäftslage der Unternehmen gut bis befriedigend. Von Uwe Vetter

Eine gute beziehungsweise befriedigende Geschäftslage hat die Mehrheit der Betriebe der Solinger Metallindustrie zu Beginn des Jahres. 50 Prozent sprechen von einer guten Lage, 20 Prozent vergaben die Note befriedigend. Rund ein Drittel hat dagegen mit einer schlechten Geschäftslage zu kämpfen. Dies ergab eine Umfrage des Arbeitgeberverbandes Solingen (AGV). "Die Herausforderungen im weiteren Jahresverlauf nehmen aber signifikant zu", sagt der Vorsitzende des Verbandes, Horst Gabriel.

Der Unternehmer sieht auf der Ertragsseite "für die meisten Firmen in diesem Jahr keine positiven Impulse". Nur ein knappes Drittel der Befragten geht von einer Verbesserung der Erträge aus, 20 Prozent kalkulieren mit sinkenden Erträgen. Dies sei ein Zeichen für steigende Kosten. "Jetzt ist es wichtig, dass die Belastung der Unternehmen nicht durch ausufernde Forderungen in der anstehenden Tarifrunde oder durch weitere bürokratische Hürden wie Regelungen zur Zeitarbeit und Werkverträgen erhöht wird", ergänzt Horst Gabriel.

Der Vorsitzende des Solinger Arbeitgeberverbandes fordert von daher "nach den üppigen Vorjahren jetzt eine Tarifrunde, die die Kirche im Dorf lässt". Das wäre angemessen. Eine Anhebung wie im vergangenen Jahr, als Löhne und Gehälter in der Metall- und Elektroindustrie um 3,4 Prozent ab April 2015 angehoben worden waren - für März gab es eine Einmalzahlung von 150 Euro - dürfe es jetzt nicht geben. "Wir haben keine Inflation und auch keine Erhöhung der Produktivität", sagt Horst Gabriel, "aber wir leben momentan schon über unsere Verhältnisse".

Noch herrscht in der Metall- und Elektrobranche aber Friedenspflicht. Bis Ende April, so der Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes, Dr. Klaus-Peter Starke. Zu Ende März könne der Tarifvertrag gekündigt werden, eine Forderung der Industriegewerkschaft Metall gebe es zurzeit noch nicht.

Immerhin die Hälfte der befragten Metallunternehmen geht von einem Fortbestand ihrer Geschäftslage aus, 20 Prozent erwarten gar eine Verbesserung, 30 Prozent, die eine schlechte Geschäftslage haben, erwarten keine Änderung. Immerhin melden 60 Prozent der Metallunternehmen einen gleichbleibend guten Auftragseingang oder eine Zunahme der Auslastung. Auch im Unternehmen von Horst Gabriel: "Wir nehmen mit einigen schönen Projekten Schwung nach vorne auf." Der Rest der Befragten plant indes mit weniger Aufträgen in diesem Jahr.

Die Ausbildungsbereitsschaft der klingenstädtischen Betriebe ist aber unverändert: 60 Prozent werden in diesem Jahr ihre Ausbildungsquote beibehalten, 20 Prozent planen eine Ausweitung ihres Ausbildungsangebotes. Die Beschäftigung bleibt ebenfalls stabil. Zwei Drittel der befragten Firmen gehen von einem unveränderten Personalbestand aus. Mehr als jedes fünfte Unternehmen plant sogar Neueinstellungen, elf Prozent der Metallbetriebe muss wohl Personal abbauen, teilt der Arbeitgeberverband Solingen mit.

In dem sind rund 70 Firmen mit etwa 5000 Beschäftigten organisiert. Darunter auch die Grossmann Stahlguss GmbH, die Insolvenzantrag stellen musste. Das Verfahren wurde vergangenen Freitag eröffnet.

Der Verband mit Sitz im Industriehaus an der Neuenhofer Straße in Höhscheid ist rechtlich zwar selbstständig, doch seit 2005 gehört der Solinger AGV der Vereinigung Bergischer Unternehmerverbände (VBU) an.

Quelle: RP
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