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Solingen
Metaller kündigen massive Warnstreiks an

Solingen. Die Zeichen stehen auf Streik, und nächste Woche werden auch die Solinger Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie auf die Straße gehen. Das kündigt der erste Bevollmächtigte der IG Metall Remscheid-Solingen, Marko Röhrig, an. Von Uwe Vetter

"Das Angebot der Arbeitgeber ist eine weitere Provokation", sagt der Gewerkschafter, nachdem am Donnerstag die Tarifverhandlungen in Neuss auch für NRW ergebnislos verlaufen waren. Erste Warnstreiks hatte es bundesweit bereits in der Nacht zu gestern gegeben. Um Mitternacht war die Friedenspflicht abgelaufen.

Fünf Prozent mehr Lohn fordert die IG Metall für die Beschäftigten. Die Arbeitgeber hatten jetzt Einkommensverbesserungen in zwei Stufen angeboten, die sich bei einer Laufzeit von zwei Jahren auf insgesamt 2,1 Prozent summieren. Überdies eine Einmalzahlung von 0,3 Prozent über zwölf Monate. "Das ist ein realistisches Angebot", sagt Unternehmer Horst Gabriel, "jetzt ist es Zeit für die Gewerkschaft, sich zu bewegen".

Der Vorsitzende des Solinger Arbeitgeberverbandes, der die Warnstreiks als "völlig unnötig" verurteilt, sieht nämlich nicht alle Firmen der Metall- und Elektrobranche "auf Rosen gebettet". "Es gibt zwar Unternehmen, die vor Kraft kaum laufen können. Aber auf die vielen kleinen und mittleren Betriebe trifft das nicht zu. Als Arbeitgeberverband müssen wir die breite Masse sehen", sagt Horst Gabriel.

Er erinnert an die satten Einkommenszuwächse für die Beschäftigten in den vergangenen fünf Jahren. "20 Prozent - das ist Wahnsinn", so der Unternehmer, "für dicke Erhöhungen ist jetzt der falsche Zeitpunkt." Von daher müsste nun ein Ergebnis erzielt werden, das beiden Seiten gerecht wird. "Wenn beide Seiten guten Willen zeigen, gelingt das. Am Ende steht ein Kompromiss", weiß Gabriel, "und bei diesem Kompromiss müssen beide Seiten unzufrieden sein - und nicht nur die Arbeitgeber wie im vergangenen Jahr." Gewerkschafter Marko Röhrig hat zunächst die Mobilisierung der Beschäftigten in den Unternehmen im Blick - in Solingen und in Remscheid. "Das läuft hervorragend", sagt er, "es wird massive Warnstreiks geben". Auch bei den 1. Mai-Kundgebungen am morgigen Sonntag werden die Gewerkschaften sich für deutliche Lohnerhöhungen einsetzen, bevor es zurück an den Verhandlungstisch geht. Wann das sein wird, steht noch nicht fest: "In den nächsten 14 Tagen werden die Tarifpartner wohl wieder an den Verhandlungstisch kommen", schätzt Horst Gabriel und hebt eine Aussage des Präsidenten des Arbeitgeberverbandes Metall NRW, Arndt Kirchhoff, hervor: "Kluge Lösungen werden am Verhandlungstisch vereinbart und nicht auf der Straße." Warnstreiks, so Gabriel, machen einen Tarifabschluss nicht leichter.

Quelle: RP
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