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Solingen
Missbrauch: Prozess gibt Rätsel auf

Solingen. Der Richter reagierte zunehmend gereizt auf einige Äußerungen während der Befragung: "Wer weiß hier überhaupt irgendetwas?", schimpfte er. In der Tat gestaltet sich die Wahrheitsfindung im Prozess um sexuellen Missbrauch schwierig, da die 4. Strafkammer am Wuppertaler Landgericht Vorfälle abklären muss, die sich vor zwölf Jahren ereignet haben und für die es außer dem Angeklagten und seinem mutmaßlichen Opfer keine Augenzeugen gibt. So gilt es für die Verfahrensbeteiligten, ein Puzzle aus diversen Zeugenaussagen zusammenzusetzen.

Gestern etwa äußerte sich die heute 20-jährige jüngste Tochter des Angeklagten. Der soll an ihrer drei Jahre älteren Schwester in deren Kindesalter sexuelle Handlungen vorgenommen haben. Entsprechende Andeutungen hatte das junge Mädchen während einer Ferienfreizeit geäußert. Was genau jedoch damals vorfiel, konnte das Gericht bislang aus keinem der Zeugen herausbekommen - auch nicht aus der Schwester. Die hatte den Vorwürfen ohnehin keinen Glauben geschenkt. Nur einmal sei das Thema in ihrer Gegenwart kurz zur Sprache gekommen, erklärte die 20-Jährige.

Auch einem anderen jungen Mädchen soll der dreifache Familienvater vor etlichen Jahren zu nahe gekommen sein. Erst nachdem sie sich im Erwachsenenalter offenbart hatte, kam es zur Anzeige. Seinen damals ebenfalls minderjährigen Sohn soll der Mann überdies dazu animiert haben, ihn mit einer Freundin in sexuell eindeutiger Pose zu fotografieren.

Zu den Zeugen gehören eine Sozialarbeiterin und eine Erziehungshilfe, die sich um die Familie kümmerten. Doch auch sie kannten die Vorwürfe gegen den heute 50-jährigen Familienvater nur vom Hörensagen. Auch für die nächsten Prozesstage sind zahlreiche Zeugen vorgeladen. In Kürze soll dabei auch die Betreuerin aus dem Feriencamp aussagen, die als erste von den Missbrauchsvorwürfen berichtete.

(rdl)
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