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Solingen
Missbrauchsfall: Gericht schlägt Vergleich vor

Solingen. Als sie vor fast drei Jahren eine Geschäftsreise in den Schwarzwald antraten, ahnten wohl weder der 25-jährige Werkzeugmechaniker noch sein 42-jähriger Chef, dass der Trip eine Prozesslawine auslösen würde: Zwei Instanzen verurteilten Letzteren inzwischen wegen schweren sexuellen Missbrauchs. Er soll seinen jüngeren Begleiter unter falschem Vorwand in sein Hotelzimmer gelockt und sich an ihm vergangen haben. Das Wuppertaler Landgericht wandelte zuletzt im Berufungsverfahren die ursprünglich verhängte Gefängnis- in eine zweijährige Bewährungsstrafe um. Ein Ende des Verhandlungsmarathons ist das jedoch nicht: Der Angeklagte hat bereits Revision beantragt.

Auch vor dem Arbeitsgericht ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Gestern trafen dort einmal mehr das mutmaßliche Opfer und der Rechtsbeistand seines Ex-Arbeitgebers aufeinander. Der hatte dem Mitarbeiter während des laufenden Strafverfahrens gekündigt - der Mechaniker soll dem Geschäftsführer der Firma eine Falschaussage zugunsten seines angeklagten Vorgesetzten unterstellt haben.

Seinen Widerstand gegen die Kündigung hat der junge Solinger mittlerweile aufgegeben. "Es ist eindeutig, dass man sich mit aller Macht von ihm trennen will und somit auch keine Zukunft mehr besteht", sagte die Anwältin des Mannes. Offen ist jedoch, unter welchen Bedingungen der Abschied besiegelt wird. Das Arbeitsgericht schlug gestern eine einvernehmliche Beendigung des Arbeitsvertrages zum Juli 2015 sowie eine Abfindung in Höhe von 12.000 Euro und ein qualifiziertes Arbeitszeugnis vor. Der entlassene Mitarbeiter stimmte dem zu. Nun ist die Geschäftsleitung des Unternehmens am Zug. Sie soll sich bis 9. Februar äußern.

Der Richter äußerte Kritik an der Firma. Sie habe sich in der juristischen Auseinandersetzung um den Missbrauch nicht neutral verhalten, sondern dem Nebenkläger vorgeworfen, einen sozialen Vernichtungskampf gegen den Vorgesetzten zu führen. In einem früheren Verfahren am Arbeitsgericht hatte der jüngere Mann versucht, die Entlassung seines Vorgesetzten zu erwirken und war damit gescheitert. Inzwischen jedoch ist auch der Angeklagte im Strafverfahren seinen Job los - die Firma entließ ihn, nachdem eine Boulevardzeitung ihren Namen veröffentlicht hatte.

(rdl)
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