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Solingen
Missbrauchsprozess: Gericht hört viele Zeugen

Solingen. Wer wusste vom Missbrauch des Vaters an der Tochter, der sich zwischen 2001 und 2004 ereignet haben soll und der zurzeit am Landgericht Wuppertal verhandelt wird? Um dies zu klären, befragte das Gericht gestern Zeugen aus dem Umfeld der heute 23-Jährigen.

Diese hatte ihren Vater 2013 angezeigt und unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt. Die Familie lebte in Solingen, bis sich die Eltern 2001 trennten und der heute 50-jährige Vater auszog. Die drei Kinder wohnten weiter bei der Mutter, verbrachten aber alle 14 Tage das Wochenende beim Vater in Düsseldorf. Dort soll es zu sexuellen Handlungen zwischen dem Vater und seiner ältesten Tochter gekommen sein.

Eine Freundin der jungen Frau berichtete, diese habe um 2003 erste Andeutungen gemacht. Die damals 11- und 12-Jährigen riefen bei der Jugendseelsorge an. Dort soll man empfohlen haben, mit der Mutter zu sprechen und zur Polizei zu gehen. Die Mädchen trauten sich aber nicht, einen Erwachsenen einzubeziehen. Eine damalige Mitschülerin der Tochter schilderte eine Szene, die sich 2004 bei einer Ferienfreizeit abspielte. Die eigentliche "Quasselstrippe" verhielt sich sehr still, woraufhin die Zeugin nachbohrte. "Mein Vater hat mich angefasst", soll es aus dem Mädchen herausgeplatzt sein. Danach habe das Mädchen geschrien, die Freundin solle dies für sich behalten.

Der Wutausbruch machte die Betreuer der Freizeit aber aufmerksam. Nach den Ferien konfrontierte das Jugendamt die Mutter mit dem vermuteten Missbrauch. Die Tochter wollte jedoch weiter nicht darüber reden. Die heute 50-jährige Mutter sagte aus, sie könne sich "an nichts erinnern", was auf einen Missbrauch hingedeutet habe. Zwar habe die Tochter betont, nicht zum Vater zu wollen, aber keine Gründe genannt. Danach gab es für den Vater kein Besuchsrecht mehr.

Den Anstoß zur Anzeige gab erst 2013 eine heute 27-jährige Zeugin, deren Familie mit der des Angeklagten befreundet war. Um 1999/2000 übernachteten die Solinger Freunde bei ihrer Familie. Als der Mann bei den Kindern auf dem Dachboden übernachtete, soll er sich der Zeugin genähert haben. 2013 sprach sie mit einer Mitschülerin über die Vorfälle. Diese wusste von einer Freundin, der Ähnliches passiert war, und stellte den Kontakt zur Tochter des Mannes her. Die Frauen stellten fest, dass es um denselben Mann, den jetzt Angeklagten, ging.

(bjd)
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