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Solingen
Mit Blutkonserven sparsam umgehen

Solingen. Das Städtische Klinikum erprobt ein neues Konzept mit dem Namen "Patient Blood Management". Von Benjamin Dresen

Blut ist eine endliche Ressource. Und sie wird in Zukunft knapper, denn durch die Alterung der Bevölkerung nimmt die Zahl der Spender ab und der Bedarf an Blutkonserven zu. Das Städtische Klinikum begegnet dieser Herausforderung mit einem neuen Konzept, das sich "Patient Blood Management" nennt. Es basiert auf dem Grundsatz, bei Operationen Blutarmut (Anämie) und Blutverlust eines Patienten gering zu halten und mit Blutkonserven sparsam umzugehen. Bis zu 20 Prozent der Blutkonserven könnten so eingespart werden.

Das Konzept des "Patient Blood Management" basiert auf drei Säulen: Erstens sollen Patienten nicht blutarm in eine Operation gehen, sofern diese planbar ist, etwa an Hüfte, Knie oder Wirbelsäule. Bei einer Hüftoperation liegt der Blutverlust laut Prof. Thomas Standl, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Operative Intensiv- und Palliativmedizin, bei 750 bis 1000 Millilitern, wodurch bei älteren Patienten schnell ein kritischer Wert erreicht ist. Die verbreitete Eisenmangelanämie kann im Vorfeld mit Eisenpräparaten beseitigt werden, so dass eine Bluttransfusion nicht nötig ist. Eine solche Vorbereitung ist bei akut zu behandelnden Tumor- oder Unfallpatienten nicht möglich.

Zweitens wird der Blutverlust des Patienten während und nach der Operation auf ein Minimum beschränkt. Dazu tragen effiziente Operationstechniken bei. "Die Zugänge werden minimiert", erklärt Standl. Bei einer Knieverletzung etwa wird nicht mehr mit großen Schnitten und starkem Blutverlust "offen" operiert. Hinzu kommt das "Cell-Saving"-Verfahren. Dabei wird das verlorene Blut während der Operation aufgefangen, gesäubert und dem Patienten wieder zugeführt.

Drittens soll die "Anämietoleranz" des Patienten ausgeschöpft und erhöht werden. Das heißt, eine gewisse Blutarmut nach einer Operation ist für gesunde Menschen verkraftbar. Sie sind selbst in der Lage, das verlorene Blut neu zu bilden, und sind nicht auf Transfusionen angewiesen. "Eine gesunde, junge Frau benötigt nach dem Kaiserschnitt keine Bluttransfusion", sagt Thomas Standl. Dieses Prinzip ist aber nicht neu, sondern seit 30 Jahren etabliert, wie Prof. Sascha Flohé, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie betont.

Nach Möglichkeit wollen die Ärzte vor und nach Operationen die Übertragung von Fremdblut ganz vermeiden. Denn hier können Abwehrreaktionen des Körpers auftreten. "Die Vermeidung von Bluttransfusionen ist immer besser", sagt Standl.

Am Klinikum wird das "Patient Blood Management" vorerst an den Kliniken für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie und für Anästhesiologie, Operative Intensiv- und Palliativmedizin erprobt. In Deutschland ist die Universitätsklinik Frankfurt Vorreiter des "Patient Blood Managements" und setzt das Verfahren flächendeckend ein.

Quelle: RP
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