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Solingen
Mit dem Frühstücksmesser fängt es an

Solingen. Seit Anfang Mai ist Dr. Isabell Immel die neue Direktorin des Deutschen Klingenmuseums. Von Jan Crummenerl

Es ist noch etwas ungewohnt. Bestimmt für alle. Geht man über den langen Korridor auf der Etage der Verwaltung, findet man an einer Tür das Schild "Dr. Isabell Immel". Aber der Raum dahinter ist verwaist. Man muss eine Tür weiter gehen, in das ehemalige Büro der Direktorin des Deutschen Klingenmuseums. Nach 25 Jahren ist Dr. Barbara Grotkamp-Schepers in den Ruhestand gegangen. Hier findet man nun ihre Nachfolgerin.

Seit Anfang des Monats leitet Isabell Immel diese deutschlandweit einmalige Einrichtung. Unbekannt aber ist sie nicht. "2003 habe ich hier im Museum angefangen", sagt die promovierte Kunsthistorikerin. Ähnlich wie ihre Vorgängerin hatte sie anfangs mit Klingen und Besteck gar nichts am Hut. "Ich habe in Bonn und Marburg studiert und meine Doktorarbeit über mittelalterliche Buchmalerei geschrieben." Angefangen hat sie beim heute nicht mehr existierenden Archiv- und Museumsamt in Brauweiler. Die Museen im Bereich des Landschaftsverbandes Rheinland wurden betreut und beraten. "Hier habe ich vielfältige Einblicke in die zahlreichen großen und kleinen Museen bekommen, und es wurde mein Wunsch, in einem solchen arbeiten zu können."

2003 kam dann die Chance in Solingen für die gebürtige Krefelderin. "Ich bekam einen Werksvertrag mit dem Auftrag, das Kindermuseum aufzubauen." Das befindet sich bis heute im Haus neben dem Klingenmuseum. Hier gilt es nun ein neues Konzept zu finden. "Denn in den zwölf Jahren hat sich die Welt der Kinder sehr verändert." Mit dem Offenen Ganztag bleibt den Kleinen kaum Zeit. "In der Woche kommen nur Schulklassen, so dass wir nur am Wochenende oder in den Ferien richtig klotzen können." Hier gilt es das Profil zu schärfen. Immel hat die Idee zu einer Schulküche. "Kinder können hier schnippeln und lernen auch noch Tischmanieren." Beides hat mit Klingen und dem "großen" Museum zu tun. "Das Klingenmuseum ist ein Goldfass, ein Pfund, mit dem man wuchern kann." Breit gefächert geht es um das Thema Klinge und die Kultur des Schneidens, was die 45-Jährige besonders interessiert. "In der Klinge findet sich die Kulturgeschichte der Kulinarik, der Arbeit, aber auch des Kampfes. Diese ganze Ambivalenz ist das Spannende. Da steckt alles drin." Das Thema fängt schon im Alltag an, wenn man morgens früh zum Frühstückmesser greift. Es geht weiter über die weltweit einzigartige Sammlung bis hin zum durchaus Skurrilen. "Zudem zeigt das Museum auch Heimatgeschichte. Die Klinge ist für Solingen wie ein Stempel." Und wenn Menschen etwas darüber wissen wollen, kommen sie ins Klingenmuseum - Fachleute wie Interessierte. Das ist Isabell Immel wichtig: ein Museum, mit dem der Bürger etwas anfangen kann und das für Auswärtige spannend ist - und in der Fachwelt hat man eh einen sehr guten Ruf.

In diesem Sinne sollen auch die Sonderausstellungen weitergehen. "Für die nächsten zwei Jahre steht das Programm schon fest." Das hat ihre Vorgängerin noch ausgearbeitet. "Denn um eine Ausstellung vorzubereiten braucht es mindestens ein Jahr." So geht es in diesem Jahr noch um asiatische Blankwaffen. 2017 gibt es unter anderem eine Kabinettausstellung mit finnischen Messermachern. "Wir wollen eine Plattform für die Wissenschaft bieten und relevant für die Museumsbesucher sein." So hatte etwa die Ausstellung "Erzähl mir was vom Tod" rund 8000 Besucher ins Gräfrather Kloster gelockt. Vielleicht mehr für die Fachleute ist die Ausstellung über die Ulfberth-Schwerter, die Immel gerne machen möchte. "Das waren um das Jahr 1000 sehr beliebte Schwerter und ein frühes Beispiel für ein Markenprodukt." Eine Marke ist auch das Klingenmuseum. Deshalb Isabell Immels Wunsch: noch mehr Solinger für das Museum zu begeistern.

Quelle: RP
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