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Solingen
Mit Fahrrädern die Freiheit zurückerobern

Solingen: Mit Fahrrädern die Freiheit zurückerobern
Mit dem Fahrrad mobil: Verkehrssicherheitsberater Uli Schmid hilft den Flüchtlingen, sich im Verkehr zurechtzufinden. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Die evangelische Kirchengemeinde Ohligs, Stadtteilzentrum Interju sowie Polizei setzen sich gemeinsam für Flüchtlinge ein. Von Sandra Grünwald

Zuerst war da die Idee, ein Fahrrad-Projekt für und mit Flüchtlingen auf die Beine zu stellen. Jörn Küppers vom Stadtteilzentrum InterJu hatte bereits ein Wuppertaler Projekt kennengelernt. Da war der Schritt nicht weit, für Solingen etwas Ähnliches zu organisieren. Zeitgleich dachte auch die evangelische Kirche in Ohligs über ein Fahrrad-Projekt nach. "Wir betreuen ja auch die Flüchtlinge hier in Ohligs", erzählt Jürgen Schiemann. Was lag da näher, als eine Kooperation zwischen evangelischer Kirche und InterJu. So kam es dann auch. Das Fahrrad-Projekt wurde in der Gemeindeversammlung vorgeschlagen und beschlossen.

Im vergangenen Dezember wurde bei der Stadt ein Zuschuss beantragt und bei den Flüchtlingen gefragt, wer denn gerne ein Fahrrad haben möchte. Zeitgleich rief man zu Fahrradspenden auf. "Von 40 Jahre alten Schätzchen bis zum unbenutzten Mountainbike ist alles dabei", sagt Schiemann, der gemeinsam mit Dirk Fischer ehrenamtlich die Fahrräder wieder auf Vordermann bringt. "Manche musste man reparieren, bei manchen hat es gereicht, die Reifen einfach nur aufzupumpen", sagt Schiemann. Rund 40 Fahrräder wurden eingesammelt, begutachtet und dann in den großzügigen Räumen des Gemeindezentrums repariert.

Doch natürlich soll das Projekt nicht nur dafür sorgen, dass die Flüchtlinge mobil sind und "sich die Stadt erschließen können", wie Jörn Küppers sagt, sondern es soll auch ein Integrationsprojekt sein. "Die Fahrräder werden gemeinsam mit den Leuten repariert, die das Rad dann später einmal fahren wollen", so Küppers. Und die Flüchtlinge legten kräftig Hand an. "Es gab keinen, der sagte, das kann ich nicht", freut sich Schiemann. Fünf Tage die Woche wurde gearbeitet. "Das macht viel Spaß, die Flüchtlinge lernen immer besser Deutsch", sagt Dirk Fischer begeistert. Und nicht nur die Sprache wird beim Schrauben geübt. "Es ist auch unser Interesse, dass sie die Verkehrsregeln hier in Deutschland kennenlernen", so Fischer. Hierzu wurde bereits ein Videofilm gezeigt, den die Polizei zusammen mit einem Flüchtling gedreht hat. Außerdem wurde schon mal eine kleine Runde mit den Fahrrädern gedreht.

Das Stadtteilzentrum InterJu rief zu Geldspenden auf, wovon Helme, Schlösser und Ersatzteile gekauft wurden und die Firma Zweirad Bernhard stellte hochwertige gebrauchte Ersatzteile zur Verfügung. So wurden über 30 Fahrräder verkehrstauglich gemacht. 13 davon konnten nun an Flüchtlinge übergeben werden.

Doch vor dem Start auf dem Zweirad gab es erst einmal eine ausführliche Schulung von den Polizisten Ulrich Schmidt und Katrin Grastat von der Verkehrsunfallprävention. So können sich die Flüchtlinge mit ihren Fahrrädern künftig ein Stück Freiheit zurückerobern. Es werden weiterhin Fahrradspenden gebraucht.

Quelle: RP
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