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Solingen
Mit Herzdruckmassage zum Lebensretter geworden

Solingen. Im Jahr erleiden rund 70.000 Menschen in Deutschland einen Herzstillstand. Im Jahr 2012 haben bei 18 Prozent Menschen mit einer sogenannten Laienreanimation geholfen. Durch die Einführung der "Woche der Wiederbelebung" konnte diese Zahl auf 31 Prozent erhöht werden. Trotzdem ist Deutschland damit noch weit abgeschlagen. In Schweden sind es 80 Prozent. "Es besteht Aufklärungsbedarf", sagt Simone Hoch vom Deutschen Roten Kreuz Solingen. Deshalb findet derzeit im Hofgarten zum zweiten Mal die "Woche der Wiederbelebung" statt. Hier informieren das Deutsche Rote Kreuz, das Klinikum Solingen, die Feuerwehr und der Malteser Hilfsdienst über die Wichtigkeit der Reanimation. Von Sandra Grünwald

Am eigenen Leib erlebt hat das Joachim Kürten. Kurz vor seinem 63. Geburtstag bekam er Kammerflimmern. Sein Sohn Tobias (33) hat ihm mit der Herzdruckmassage das Leben gerettet. "Meine Mutter hat mich gerufen, und da lag mein Vater schon bewusstlos auf der Couch", erinnert Tobias Kürten sich. Er begann mit der Herzdruckmassage. "Ich habe gefühlt eine dreiviertel Stunde auf ihn eingedrückt, aber in Wirklichkeit war der Rettungsdienst nach zehn Minuten da." Conny Weck-Stephan und Frank Streib von den Maltesern übernahmen. Nach zehn Tagen im künstlichen Koma erwachte Joachim Kürten wieder. Heute hat er einen Herzschrittmacher. "Es geht mir gut", freut er sich und ist all seinen Rettern dankbar.

Das Wichtigste ist: Jeder kann in einem solchen Fall handeln. "Erst Hilfe rufen, die 112 wählen. Dann prüfen, ob der Mensch ansprechbar ist, ob er regelmäßig atmet. Wenn nicht, sofort mit der Herzdruckmassage beginnen", erklärt Chefarzt Prof. Dr. Thomas Standl vom Städtischen Klinikum. Im unteren Drittel des Brustbeines, mittig, den Handballen auflegen, zweite Hand darüber und dann 100 Mal in der Minute den Brustkorb etwa fünf Zentimeter eindrücken - solange bis der Rettungsdienst übernimmt. "Man kann nichts falsch machen - außer man tut nichts", betont Dr. Standl.

Würden die Menschen mehr Zivilcourage aufbringen und mit einer Reanimation helfen, könnten 4800 Menschen mehr im Jahr gerettet werden. "Das sind wesentlich mehr, als es im Jahr Verkehrstote gibt", weiß Dr. Richard Dornbusch, Leiter des Rettungsdienstes. "Die ersten Minuten sind wichtig", betont Frank Streib. Wenn das erste Glied in der Rettungskette funktioniert, dann hat der Patient gute Chancen. "Der Einzelne ist wichtig, bis wir vor Ort sind", erklärt auch Herbert Wiets von der Berufsfeuerwehr Solingen.

Meist trifft es einen Bekannten oder ein Familienmitglied. So wie bei der Familie Kürten. Joachim Kürten kann nun ein zweites Mal im Jahr Geburtstag feiern. Dafür, dass dies in Zukunft noch mehr Menschen dürfen, setzt sich der Rettungsdienst mit seiner Aktion bis zum 25. September täglich ab 11 Uhr im Hofgarten ein.

Quelle: RP
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