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Solingen
Mit Leidenschaft und tollen Stimmen

Solingen. Im voll besetzten Saal des Gemeindehauses Tersteegenstraße ließ der Jugendchor "Young Voices" das Publikum jubeln. Von Jan Crummenerl

Engagement lohnt sich. Noch vor nicht allzu langer Zeit sah es ziemlich zappenduster für die Kirchenmusik in der evangelischen Gemeinde Ketzberg aus. Auch an der Kirchenmusikerstelle musste die kleine Gemeinde sparen. Das betraf besonders die drei Chöre: Klassikchor, Gospelchor "Unisono" und den Jugendchor "Young Voices". Dank des privaten Fördervereins "Wir Stimmen für Ketzberg" und seiner Sponsoren kann diese bemerkenswerte Arbeit weitergehen.

Davon konnte man sich am Wochenende in zwei Konzerten überzeugen, die der Jugendchor "Young Voices" gegeben hat. Das war eine mitreißende Veranstaltung, die die Münder offen stehen ließ - und natürlich auch die Ohren. Fast jede Nummer wurde im vollbesetzten Saal des Gemeindehauses an der Tersteegenstraße lautstark bejubelt. Und das ganz zu Recht. Denn das, was unter der Leitung einer quirligen und sichtlich strahlenden Chorleiterin Elisabeth Szakacs geboten wurde, war schon fast profireif.

Alleine die Eröffnung zeigte, wo die Reise hinging: "On fire - Jesus lässt mein Herz schlagen und meine Füße tanzen." Und sicher hätte mancher gerne mitgetanzt, so zündend sprang der musikalische Funke über. Die rund 30 jungen Sängerinnen und fünf Sänger - alle im Alter von 13 bis 27 Jahren - ließen das Stück regelrecht schweben, bis ins kleinste Pianissimo und überzeugten auch mit gekonnten Glissando-Effekten.

Schwingend mit der Musik mitgehend und mit gelungener Gestik wurde das Konzert beinahe auch zur richtigen Show. Zusammengedrängt im Dunklen begann der reine Frauenchor etwa mit "Take me to heaven": nonnenhaft verhalten in betender Stellung. Dann wechselte das Stück effektvoll ins poppig Freche, und das musikalische Temperament der jungen Sängerinnen brach sich Bahn. Egal ob großer Chor oder wechselnde kleine Besetzungen: "Young Voices" verstand es mit Energie, die verschiedensten Facetten der Stücke zum Strahlen zu bringen: moderne Gospelmusik mit jeder Menge Einschlag von Pop, Rock, Jazz und Soul. Fast gezwitschert hob das Unisono in "Just the way you are" an, über das sich dann die beiden Stimmen der Solosängerinnen schoben. Überhaupt hatte man den Eindruck, dass bei den Soloeinlagen der ganze Chor nur aus Solisten bestand.

Da ist die warme, soulige Stimme von Nadine Müller, der kraftvoll strahlende Gesang von Lisa Platz. Und auch alle anderen Solisten beeindruckten durch Können, Leidenschaft und tolle Stimmen: Inga Hücheler, Eva und Caro Vesper, Iris Korte, Isabell Jablonowski und Vanessa Schilling. Hier fand sich die ganze Bandbreite stimmlichen Ausdrucks, von sanft schwingend bis erdig kraftvoll. Da konnten dann auch die Herren der Schöpfung nicht nachstehen. Ein einfühlsames und ebenfalls umjubeltes "Halleluja" von Leonard Cohen servierten Marc Hertzer und André Korte den Fans.

Serviert wurde auch in der Pause. Vom Chor selbst gebackene Pizzateilchen stärkten sowohl das Publikum wie auch die Kasse des Fördervereins. Anteil am großen Erfolg der Konzerte hatte natürlich auch die Mannschaft im Hintergrund, die für eine perfekte Ton- und Lichtregie sorgte. Fast jede Nummer wurde ganz passend zu ihrem Charakter ausgeleuchtet, mal strahlend orange, mal sanft violett. Überzeugte schon der Jugendchor durch seine akzentuierte Rhythmik und seinen swingenden Sound, so galt das auch besonders für die begleitende Band, die sich schon im Intro cool jazzig einführte. "Willst du etwas ändern, fange mit der Person im Spiegel an", hieß es im Song "Man in the mirror." Das kann man fast als Motto über die Chorarbeit von "Young Voices" setzen: Engagierte, tolle Sänger und ein ebenso engagiertes Team im Hintergrund können etwas bewegen - nicht nur musikalisch.

Quelle: RP
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