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Solingen
Mittelaltertruppe freut sich aufs Burgfest

Solingen: Mittelaltertruppe freut sich aufs Burgfest
Drei Mannsbilder wie aus dem Mittelalter: (v.l.) Ritter Stephan von Ittre, Edelmann Herbord von Dönhoff und Kampfknecht Dietrich werden es beim Burgfest auf Haus Graven zum Spaß auch mit Kindern aufnehmen. FOTO: Andreas Voss
Solingen. In Wiescheid lagern demnächst die Ritter, erklingen Dudelsack und Laute, fließt der Met. Von Thomas Gutmann

Zusammen haben sie schon manche Schlacht geschlagen. Besonders an die von Worringen erinnern sie sich gut, obwohl die auch schon 728 Jahre her ist. "Klar haben wir gewonnen. Waren schließlich auf Seite der bergischen Bauern", sagt der dicke Dietrich (55). "Aber hallo", meint Stephan von Ittre (47). Und Herbord von Dönhoff (43) erklärt: "Auf der Siegerseite. Natürlich. Sonst hätte ich mich ja wohl kaum ein paar Jahre später gediegen an der Ruhr zur Ruhe setzen können!" Am letzten Juni-Wochenende schlagen die drei an der 1326 erstmals urkundlich erwähnten Wasserburg Haus Graven ihre Zelte auf. Zusammen mit etwa 20 weiteren Gefolgsleuten beehren der Kampfknecht, der Ritter und der Edelmann das Burgfest zu Wiescheid mit ihrer Anwesenheit.

"Leones Pugnae" nennt sich die Truppe, "kämpfende Löwen". Unter dem schwarz-blauen Banner mit dem weißen Brülltier lagern die Männer und ein paar Frauen jährlich auf zehn bis 15 Mittelalter-Märkten und -Festen im Rheinland und darüber hinaus. Liefern sich Schaukämpfe mit Schwert, Schild und Streitaxt, trinken Met und pflegen ihre Bärte. "Das Mittelalter ist unser Hobby", sagt Ritter Stephan, der normalerweise bei der Metro Fisch verkauft. "Wir sind da so eine Art Schauspieler - möglichst originalgetreu", ergänzt Edelmann von Dönhoff. "Aber man muss es natürlich auch nicht übertreiben", findet Kampfknecht Dietrich. So sind Pommes im Burgfest-Lager zwar tabu. Denn ohne Kolumbus kein Amerika, keine Kartoffel, keine Fritte. "Aber außerhalb meiner Rolle brauche ich meine Bratkartoffeln, das ist klar", sagt der schwergewichtige Dietrich. "Und auf dem nackten Boden schlafen wir auch nicht. Wir wollen ja keinen Hexenschuss bekommen."

Nach einem Mittelalter-Weekend gesund wieder zur Arbeit gehen zu können - diese Devise gilt auch für den Schwertkampf. "Die Mittelalter-Szene ist riesig", sagt "History and Event"-Manager Knut Schulz, der das Burgfest zusammen mit dem Förderverein Wasserburg Haus Graven organisiert. "In England zum Beispiel gibt es Wikinger-Truppen, die sich zur Schlacht bei Hastings (1066) treffen und sich dabei richtig wehtun." Für die "kämpfenden Löwen" mit Sitz in Düsseldorf ist derlei Hardcore-Traditionspflege nichts. "Ne, ne. Es soll ja Spaß machen das Ganze", sagt Ritter Stephan. Dazu gehört beim Burgfest zu Wiescheid auch ein mittelalterlicher Markt mit insgesamt 34 Ständen. "Imker, Räucherer, Schmuckhändler", zählt Knut Schulz das Angebot auf: "Bernsteinhändler, Perlenweber, Schneider, Glasbläser, Seifensieder, Schwerthändler und Hornschnitzer." Hinzu kommt ein Vornamenskundiger, der zu jedem Vornamen die passende Geschichte kennt, eine Hökerei ("Das ,Real' des Mittelalters"), ein Lederpunzierer, der Wappen auf Taschen und Schilde zaubert, eine Kräuterwerkstatt mit Mischungen "für jegliches Zipperlein" und eine Schneiderin, die auch Maßanfertigungen vornimmt.

Ein weiterer Stand hat alles, was der kleine Ritter braucht. Außerdem sollen neben Kinderschmied und Schminken das Eierknacken und das Mäuse-Roulette den Nachwuchs begeistern. Hungrige finden Fladen- und Stockbrot, Würste, Steaks und Pilzgerichte, Durstige am Bierstand und in der Taverne (Met, Wein, Schorle etc.), was sie suchen. Zur Unterhaltung tragen außerdem die Gauklerin Melania mit ihren flammenden Jonglagekeulen sowie der Hegering Langenfeld bei, der ausgestopftes Niederwild präsentiert. Eins auf die Ohren gibt's von der Gruppe "Angerspil", die Dudelsack und Laute zum Klingen bringt. In der Burg können sich Interessierte über die Geschichte des Baudenkmals informieren.

Quelle: RP
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