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Solingen
Mühlenplatz: Von der Mühle zum Outlet

Solingen. Dr. Beate Battenfeld von der Abteilung Solingen des Bergischen Geschichtsvereins berichtete auf der Mitgliederversammlung aus der wechselvollen Geschichte des innerstädtischen Zentrums. Von Benjamin Dresen

Die Mühle ist noch da, zumindest im Namen: Dort, wo am Mühlenplatz im Herbst dieses Jahres das Solinger Outlet-Center eröffnet, entstand vor 500 Jahren die erste Windmühle. Sie befand sich dort, wo in den Clemens-Galerien die ovale Hoffläche ist. Dr. Beate Battenfeld vom Bergischen Geschichtsverein blickte am Montagabend im Veranstaltungsraum der Stadt-Sparkasse zurück auf die Geschichte dieses Platzes.

Die erste, hölzerne Bockwindmühle an diesem Ort wurde wohl um 1516/17 errichtet. Ihr Vorteil war: Sie konnte arbeiten und Getreide mahlen, wenn die Solinger Wassermühlen bei Trockenheit oder Frost stillstanden. Die Mühle befand sich nördlich der Altstadt vor dem Neutor. Das Grundstück gehörte dem Kloster Altenberg, an das die Solinger Tribute zu entrichten hatten.

Beate Battenfeld nannte die Mühle das "früheste bekannte städtische Wirtschaftsunternehmen". Denn durch den geltenden "Mühlenzwang" mussten alle Bürger ihr Getreide dort mahlen lassen. Das bescherte der Stadt Einnahmen und ermöglichte es, die Lebensmittelversorgung zu regulieren.

Da das Umland der Mühle nicht bebaut werden durfte, entwickelte sich nördlich der Altstadt keine Vorstadt. Ein Sturm zerstörte 1778 die Windmühle, die 1793 als steinerne Holländermühle neu entstand. Auf einem Stadtplan von 1768 ist erstmals vom "Mühlenplätzchen" die Rede.

Anfang des 19. Jahrhunderts änderte sich die seit dem Mittelalter geltende Rechtsordnung. Die französischen Besatzer hoben die Klöster auf, die damit ihren Besitz verloren. 1811 endete der "Mühlenzwang" und 1817 erwarb eine Bäckergemeinschaft die Mühle. Das Mühlenplätzchen war zu dieser Zeit dort, wo heute Hauptstraße und Kasinostraße aufeinandertreffen.

1856 wurde die Mühle stillgelegt und 1860 abgerissen. Danach begann auf der noch unbebauten Fläche eine rege Bautätigkeit. Nach der Zerstörung der Innenstadt im Zweiten Weltkrieg 1944 eröffnete 1949 am Mühlenplatz ein Einkaufsviertel mit 38 eingeschossigen Ladenlokalen. Als die Innenstadt wieder aufgebaut war, wurde das Einkaufszentrum 1961 abgerissen. Wegen der Zunahme des Autoverkehrs entschied die Stadt, die Fläche nicht wieder zu bebauen. Mitte der 60er Jahre entstand die neue Verkehrsführung, die bis Ende der 90er Jahre galt: Die Kölner Straße verlief nun schräg über den Mühlenplatz bis zur Konrad-Adenauer-Straße. Die verbleibende Fläche nutzten der Wochenmarkt oder Demonstranten. 1995 fasste die Stadt den Beschluss, den Mühlenplatz zur neuen Stadtmitte zu machen.

1998 wurde der Mühlenplatz geräumt und wenig später begannen die Bauarbeiten für die Clemens-Galerien.

Quelle: RP
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