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Solingen
Müller gewählt, Neuhaus wirft hin

Solingen. Mit 52 zu 37 Stimmen entschied Routinier Ulrich G. Müller auf der Mitgliederversammlung der Solinger FDP gestern Abend den Machtkampf um den Posten des Parteichefs gegen Jörg Neuhaus für sich. Der warf nach der Niederlage alles hin. Von Andrea Röhrig

Es war eine bittere Niederlage für Jörg Neuhaus. Wie vor zwei Jahren verlor er die Kampfabstimmung um den Posten des Solinger FDP-Parteichefs gegen einen Routinier, 2008 war es Heinz-Eugen Bertenburg, gestern Ulrich G. Müller. Nach der Auszählung, die ihm die Gewissheit brachte, dass auf dem Konto des Siegers 52 Stimmen und auf seinem nur 37 Stimmen stehen, beendete Neuhaus das Kapitel FDP in Solingen: "Ich lege mit sofortiger Wirkung alle Ämter und Mandate nieder" und verschwand – nach der Gratulation an den Wahlsieger – umgehend durch die Tür des Forums Produktdesign. Der 42-Jährige war bis dato Ortsverbandsvorsitzender in Burg.

Nicht mit "Brechstange"

Für Wahlsieger Müller (68) ein Verhalten, das er scharf verurteilte und das auch bei der Mehrzahl der Liberalen auf wenig Gegenliebe stieß: Er hätte sich bei einer Niederlage als Stellvertreter wählen lassen, kritisierte er Neuhaus' Abgang, um seinem unterlegenen Kontrahenten gleich noch mit auf den Weg zu geben, was dieser falsch gemacht hatte: "Neuhaus hätte sich vor zwei Jahren zum Stellvertreter wählen lassen sollen; dann hätte ich hier und heute nicht gegen ihn kandidiert." Es gehe ihm um einen "geordneten Übergang". Müller versteht darunter: "Man darf nicht gleich alles mit der Brechstange ändern wollen."

Für Neuhaus war es hingegen ein Ringen um "ein Stück weit mehr Demokratie in die Partei". Er wolle die Mitglieder stärker einbinden, hatte er in seiner Rede für Zustimmung geworben. Wie es derzeit laufe, sehe man ja daran, dass vor zwei Jahren die Fraktionsvorsitzende Gabi Reimers eine Unterstützungsrede für ihren Wunschkandidaten Heinz-Eugen Bertenburg habe halten können, und das gleiche Andreas Zelljahn, der für ihn habe sprechen wollen, per Abstimmung untersagt worden sei, sagte Neuhaus im Anschluss an die Abstimmung.

Und so wird nun aus Müllers Sicht der Weg frei gemacht für einen Generationenwechsel, aber ganz geordnet in zwei Jahren, dann wohl mit seinem neuen Stellvertreter Patrick Lauterbach. Der wurde gestern mit Volker Klein zum Vize gewählt. Lauterbach bekam 58 von 82 Stimmen.

Alle Befriedungsversuche im Vorfeld der Mitgliederversammlung waren übrigens gescheitert. Die Telefondrähte hatten im Vorfeld heiß geglüht. Am Freitag im Hauptwahlausschuss hatte es einen Vorschlag gegeben: Müller zieht zurück und wird mit Lauterbach Neuhaus' Vize. Doch das sei für ihn kein Vergleich gewesen, sagte der neue FDP-Parteichef, der dieses Amt bereits von 2002 bis 2006 inne hatte: "Ich habe gefragt, warum so rum und nicht anders herum?

Darauf gab es keine plausible Antwort." Ob die Gräben, die sich gestern bei der FDP aufgetan haben, so schnell zuschüttbar sind, das bezweifelte gestern der ein oder andere Liberale. Auch die Arbeit in der Fraktion mit ihren zwei Lagern wird nach gestern nicht eben einfacher.

Quelle: RP
 
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