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Solingen
Museum zeigt Ausstellung über Wanderarbeiter

Solingen. Im LVR-Industriemuseum in Merscheid ist die Wanderausstellung "Gesichter einer neuen Arbeiterklasse" zu sehen.

Noch bis Ende August sind in der Schmiede des LVR-Industriemuseums an der Merscheider Straße 26 großformatige Fototafeln zu sehen. Die Ausstellung "Wanderarbeit - Gesichter einer neuen Arbeiterklasse" zeigt das Leben der modernen Nomaden, die oft in bitteren Lebensumständen arbeiten müssen. In unterschiedlichen Reportage- und Portraitserien bekommt der Betrachter einen Eindruck von der Lebenswelt der Arbeitsmigranten. "Viele Branchen bieten Arbeit für Wanderarbeiter in den eigenen Ländern an, aber der Existenzdruck führt die Menschen auch in fremde Länder, während in ihrer Heimat wieder andere Emigranten nachrücken", erklärte Museumschef Dr. Jochem Putsch bei der Eröffnung der Ausstellung, die von der NRW-Arbeitsgemeinschaft "Arbeit und Leben" konzipiert wurde.

Die renommierten Fotografen Mauricio Bustamante, Andrea Diefenbach, Ingar Krauss, Mischa Kuball, Wolfgang Müller und Oliver Tjaden haben die unterschiedlichen Reportagen und Portraits erstellt, die ein eindringliches Bild der Wanderarbeiter in vielen Ländern zeigen. "Auch bei uns sind Wanderarbeiter tätig, man sieht sie kaum, aber ohne die Erntehelfer aus Ost-Europa hätten wir keinen Spargel und keine Erdbeeren auf dem Tisch", sagte Gabriela Schmitt von "Arbeit und Leben NRW".

Die Bilder im Industriemuseum ziehen den Besucher sofort in ihren Bann. Schuftende Kinder sind bei den Wanderarbeitern keine Ausnahme, ein Foto zeigt ein total erschöpftes Kind. Cargonauten nennt man die Arbeiter auf den riesigen Containerschiffen, die oft ihr Leben bei der Arbeit auf See wagen. "Wanderarbeiter sind keine Erscheinung in den armen Ländern der Welt", erzählte Dr. Jochem Putsch. Und er erinnerte an die Hausierer, die noch vor wenigen Jahrzehnten an die Türen klopften und ihre Ware feilboten. "Etwa 500.000 Menschen sind in Deutschland für Jobs unterwegs, es gibt einen großen grauen Markt der Arbeit", weiß Jan Sudhoff, Regionalleiter von "Arbeit und Leben" im Bergisch-Märkischen Raum. Die Zahl der Wanderarbeiter in Europa erreicht 14 Millionen, unglaubliche 270 Millionen Menschen sind in China auf der Suche nach einem Job unterwegs. In der Organisation "Arbeit und Leben" arbeitet der Deutsche Gewerkschaftsbund mit den Volkshochschulen und dem Land NRW zusammen. In Dortmund und Düsseldorf bietet der Verband Beratungsstellen für Beschäftigte aus Osteuropa an. "Wir helfen und beraten kostenlos und anonym die Wanderarbeiter bei ihren Problemen", sagte Catalina Guia. Sie arbeitet bei der Beratungsstelle.

(wgü)
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