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Solingen
Museumsbahnen: Hightech gegen Diebe

Solingen: Museumsbahnen: Hightech gegen Diebe
FOTO: Köhlen, Stephan (TEPH)
Solingen. Am Samstag begannen Mitglieder der Bergischen Museumsbahnen mit den Reparaturarbeiten an der Strecke. Um fortan Metalldiebstähle zu verhindern, setzt der Verein jetzt auf eine Mischung aus Technik und Abschreckung. Von Martin Oberpriller

Der Schaden ist immens. Auf rund 100.000 Euro schätzen die Verantwortlichen der Bergischen Museumsbahnen in der Kohlfurth inzwischen das sprichwörtliche Loch, das Metalldiebe in den zurückliegenden Monaten in ihre Kasse gerissen haben. Seit September suchten Kriminelle den gemeinnützigen Verein gleich viermal heim - zuletzt vor zwei Wochen, als Unbekannte rund 400 Meter Oberleitung stahlen.

Aus diesem Grund gehen die Museumsbahnen jetzt in die Offensive. Den Verantwortlichen schwebt dabei eine dreiteilige Strategie vor, wobei die historische Straßenbahnstrecke zwischen der Kohlfurth und dem Wuppertaler Stadtteil Cronenberg fortan auch mit moderner Technik vor Dieben geschützt werden soll.

Bis zum Start der neuen Saison am 10. April wollen die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder unter anderem eine elektronische Alarmanlage installieren und die Wege zur Bahn absperren. Doch der Clou wird ein System mit einer sogenannten künstlicher DNA sein, das den Tätern in Zukunft das Leben schwerer machen soll. "Dadurch ist es zum Beispiel möglich, die Diebe zu fassen, wenn sie später versuchen sollten, das Metall bei einem Händler zu verkaufen", sagte am Wochenende der stellvertretende Vorsitzende des Museumsvereins, Jörg Rudat.

Eine Wuppertaler Firma wird das Know-how liefern. Auf den Metallteilen an der Strecke, also auch an den Oberleitungen, soll eine synthetisch hergestellte Schicht aufgetragen werden, die bei Berührungen auf der Kleidung von Dieben sowie an deren Fingern haften bleibt.

Diese Methode hat den Vorteil, dass im Nachklang eines Diebstahls exakte Zuordnungen möglich sind. Wird beispielsweise die künstliche DNA von der Strecke der Bergischen Museumsbahnen später einmal an einem Verdächtigen festgestellt, ist dies ein sicherer Hinweis darauf, dass die betreffende Person etwas mit den Metalldiebstählen zu tun hat.

Gleichwohl setzen die Macher des Museumsvereins nicht allein auf die "künstliche DNA". "Diese würde ja nur dann helfen, wenn es bereits zu einer Tat gekommen ist", sagte Vizevorsitzender Rudat, der sich aus diesem Grund von den anderen Maßnahmen eine prinzipiellere Lösung des Diebstahlproblems verspricht.

Da die Metalldiebe bei den zurückliegenden Taten stets zwei nur schwer einsehbare Wege benutzten, um zu der versteckt im Wald liegenden alten Straßenbahnstrecke zu gelangen, werden diese nicht asphaltierten Zufahrten zum einen in den kommenden Wochen besser abgeriegelt. So ist vorgesehen, an den Einfahrten zu den Wegen jeweils zwei versetzte Riegel zu bauen, die eine Durchfahrt praktisch unmöglich machen. Zum zweiten vertrauen die Museumsbahnen aber auch auf das neue Alarmsystem, das immer dann anschlagen würde, wenn doch noch einmal einer Gruppe von Dieben der Zugang zur Strecke gelänge.

Tatsächlich jedoch ist es das Ziel aller Verantwortlichen, weitere Diebstähle in Zukunft tunlichst zu vermeiden. Aus diesem Grund hat die Polizei die Gegend zwischen der Kohlfurth und Cronenberg verstärkt in den Fokus genommen. "Die Kollegen, die Streife fahren, achten dort besonders auf verdächtige Personen", sagte jetzt ein Polizeisprecher auf Anfrage unserer Redaktion.

Von den Tätern der zurückliegenden Metalldiebstähle fehlt indes weiter jede Spur. Trotz intensiver Fahndungsmaßnahmen gelang es bislang nicht, der Kriminellen habhaft zu werden. Was wiederum die Vereinsmitglieder beunruhigt. Etliche von ihnen begannen am vergangenen Samstag mit ersten Reparaturarbeiten an der Strecke - wobei alle die Hoffnung haben, in Kürze nicht schon wieder wegen eines neuen Diebstahls bei Null anfangen zu müssen.

Unterkriegen lassen wollen sich die Hobby-Eisenbahner gleichwohl auf keinen Fall. "Der Start in die Saison Anfang April steht", versicherte Vereinsvize Rudat, der sich von der Hilfsbereitschaft der vergangenen Monate beeindruckt zeigte. So hätten viele Firmen, aber auch Privatpersonen gespendet.

Quelle: RP
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