| 00.00 Uhr

Solingen
Musikalische Begegnung der besonderen Art

Solingen. Die Orgel - die Königin der Instrumente. Das Saxophon - ein melodisches Chamäleon, das klagen, singen, brüllen und seufzen kann. Was, wenn beide zusammenfinden? Beim letzten Solinger Orgelpunkt der Saison begegneten sich mit Heinz Terbuyken und dem Saxophonisten Romano Schubert zwei Meister ihres Fachs zur kammermusikalischen Plauderstunde. Der Konzertsaal war fast voll, die Stimmung top. Wie immer führte Orgelpunkt-Leiter Roland Winkler detailreich durchs Programm. Von Cyrill Stoletzky

Was herauskam, war ein faszinierender Abend mit alter und höchst hörbarer neuer Musik. Und die beiden Musiker machten mit jedem Takt klar, dass sie erfahrene, sensitive Instrumentalisten sind. Terbuyken war von 1982 bis 2011 Kantor der Düsseldorfer Altstadtkirche St. Lambertus, wo er internationale Orgelkonzerte etablierte. Schubert studierte Saxophon in Köln, ist Musikpädagoge, Arrangeur, Komponist, Bigbandleiter, spielte mit den Düsseldorfer Symphonikern und dem Symphonieorchester Wuppertal. Dieser Fundus an Erfahrung war hör- und spürbar. Da saß jeder Ton, jedes crescendo, jede Nuance; beide inspirierten sich gegenseitig, waren exzellent aufeinander abgestimmt, ihr Dialog rund und organisch. Dass Terbuyken dem Melodieinstrument oft den Vortritt ließ und meist durch feinziselierte Figuren und schwebende Harmonien, durch Crescendi und Phrasierungen, Einleitungen, Zwischenspiele und stark inszenierte Schlüsse gestalterische Akzente setzte, lag in der Natur der Sache. So ließ sich bei Hans André Stamms "Unter dem Sternenhimmel" die Melodie des Saxophons von der fein gewebten Orgelfigur ins Unendliche hinein tragen. Da lebte mit N. Chedevilles seinerzeit frech unter Vivaldis Namen veröffentlichter 6. Flötensonate der Zauber des italienischen Barocks auf - mit einem markanten, nicht zu raschen Kopfsatz, einer klaren Fuge, dem feierlich-ernsten Largo und einem stringenten, leichtfüßigen Allegro. Wie selbstverständlich hatte das Saxophon den Part der Flöte gespielt, sensitiv getragen von der Orgel anstelle des Basso Continuo.

Mit den Epigrammen des Ungarn Zoltán Kodály erklangen neun kurze Miniaturen, die das Duo zum Kaleidoskop der Stimmungskontraste verwob: da fanden Orgel und Saxophon im ersten Stück zur klagenden Elegie zusammen, die von einem melancholischen Allegretto abgelöst wurde; da gab es das akzentuierte, von starken Orgelregistrierungen getragene Frage-Antwort-Spiel im fünften Stück, gefolgt vom fast esoterischen sechsten bis hin zu den kühnen harmonischen Modulationen des siebten Stücks mit seinem markantem akkordischen Schluss. Diese großartige Musik zeigte, wie ästhetisch moderne Klänge sein können - und wie der Dialog von Orgel und Saxophon Atmosphäre erzeugen kann.

Mit B. Marcellos Sonate op. 2 Nr. 2 ging es zurück zum Barock, bevor mit der ersten Sonate des 1950 geborenen D. Bédard ein für Saxophon und Orgel komponiertes Original erklang: mit kraftvollem, auch im Durchführungsteil klar artikulierten Kopfsatz, einer léger im 3/8-Takt dahin rudernden Barcarole und einer energiereichen Humoreske mit effektvoll von der Orgel vorbereitetem Finale. Zum Dank für verdienten Applaus flogen Orgel und Sax mit Kenny G.s "Songbird" in jazzige Gefilde. Danke für den tollen Abend.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Solingen: Musikalische Begegnung der besonderen Art


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.