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Solingen
Musikalischer Dialog: Aufeinander hören, miteinander reden

Solingen. Es war ein ganz besonderer emotionaler Moment im Konzert von Michael Wollny und Heinz Sauer zum Auftakt der 19. Walder Theatertage, als die beiden Musiker in der vollbesetzten Walder Kirche zu ihre Hommage an den jüngst verstorbenen "Prince" ansetzten: "Nothing compares to you". Allerdings spielten der Pianist und der Saxophonist keine sofort erkennbare Version des berühmten Songs, sondern vielmehr begannen Wollny und Sauer um die Melodie herum einen musikalischen Dialog über das Stück, das sie in freier Improvisation bis auf ein funkelndes Skelett reduzierten - das die ganze Schönheit der Musik offenbarte. Womit gleichzeitig auch das musikalische Konzept des Duos deutlich wurde. "Wir hören aufeinander und kommunizieren miteinander", erzählte Sauer zu Beginn des Konzertes. Dabei dienen Songstrukturen - auch Klassiker wie etwa "All Blues" von Miles Davis - eben nur als Karten, die den Weg mit Anfang und Ziel grob vorzeichnen. "Die Kontrolle aus der Hand geben und sehen, was passiert", hat Michael Wollny das Geheimnis des Zusammenspiels mit Sauer einmal charakterisiert.

Dass bei diesem Kommunizieren der beiden international bekannten Musiker mittlerweile der Jazz nur noch ein Baustein des Ganzen bildet, das macht einen zusätzlichen Reiz aus. "Wir entfernen uns davon und finden immer wieder zurück", erzählte Sauer. Bei diesen Reisen und Reden mittels Instrumenten trifft in dem Duo Geschichte auf Zukunft, denn Heinz Sauer ist bekanntlich ein Urgestein des Jazz. Als der 1932 geborene Saxophonist in den 60er Jahre begann, mit Albert Mangelsdorff zu spielen, galt das freie Spielen, also der Free Jazz, noch als Ausdruck von Protest. Dagegen sind die klassischen Wurzeln des 37-jährigen Michael Wollny unüberhörbar. Auch wenn der Pianist im Spiel mit Sauer weit zupackender am Flügel agiert, als auf den Einspielungen mit seinem Trio, aktuell "Nachtfahrten" (ACT). Wollny bearbeitet - und da steht er ganz in der Free-Tradition - im wahrsten Sinne des Wortes sein Klavier. Er greift nicht nur mit Ganzkörpereinsatz in die Tasten, sondern bearbeitet auch ausgiebig die Saiten des geöffneten Instruments. In der Walder Kirche bediente er sich in manchen Stücken zudem eines Glases, das er, um den Sound zu manipulieren, auf die Saiten seines Flügels legte. Doch es gibt auch einen anderen Wollny, denn der Pianist ist eigentlich ein großer Romantiker, der mit wenigen lyrischen Tönen die Atmosphäre eines ganzen Raumes beruhigen und versöhnen kann.

Am Ende gab es für die Musiker großen Applaus für einen großartigen Konzertabend zum Auftakt der Walder Theatertage.

(mit)
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