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Solingen
Nach dem Überfall direkt in die Spielhalle

Solingen. Vor dem Wuppertaler Landgericht begann gestern der Prozess gegen einen Mann, der vier Kaufpark-Filialen ausraubte. Von Annemarie Kister-Preuss

Ein Grund, warum Solingen als Tatort attraktiv ist, sind allein drei Spielhallen, die rund um die Uhr geöffnet haben. So jedenfalls hat es gestern vor dem Landgericht Wuppertal ein 44-Jähriger beschrieben, dem Raubüberfälle auf Kaufpark-Filialen in Solingen, Leichlingen und Wuppertal vorgeworfen werden. Der Mann, der stets maskiert und mit einer Gaspistole bewaffnet war, hat mehr als 85.000 Euro erbeutet - und gleich wieder verspielt.

Seine Spielsucht hat den Familienvater und Schreinermeister zum Verbrecher werden lassen. Wie der Angeklagte schilderte, hatte er sein Glücksspiel zunächst über sein gutes Einkommen finanzieren können. Auch Geld für den Konsum von Heroin und Amphetaminen war drin, bis er nach einem Arbeitsunfall mit anschließendem monatelangem Krankenhaus-Aufenthalt seine Stelle verlor. Als Arbeitsloser hatte er zunächst seine komplette Familie angepumpt und später sogar das Geld für den Schulausflug seiner Tochter gestohlen. Um vor der Familie seine prekäre Situation zu verheimlichen, kam der 44-Jährige auf die Idee mit den Überfällen.

Am 8. März 2014 bei seiner ersten Tat überfiel der Mann eine Kaufpark-Filiale in Wuppertal und machte dort mit 18.000 Euro mehr Beute, als er erwartet hatte. Doch zehn Monate später hatte er das Geld verspielt. Es folgte ein zweiter Überfall in Wuppertal, ein weiterer in Leichlingen, und zuletzt überfiel er am 12. September vorigen Jahres den Kaufpark an der Werderstraße in Solingen. Dabei ging der geständige Täter immer ähnlich vor: Er kam von seinem Wohnort Düsseldorf mit der Bahn, hatte ein Fahrrad dabei, mit dem er zum Tatort fuhr. Dann wartete er, bis die Supermärkte schlossen (nur in einem Fall kam er morgens vor der Öffnung), bedrohte die Angestellten mit einer Gaspistole, raubte das Geld und versteckte sich dann erst einmal in Kellern nahegelegener Häuser. Er habe niemandem Schaden zufügen wollen. Es sei ihm nur ums Geld gegangen, sagte der zuckerkranke Mann vor Gericht.

Diesen Eindruck hatte auch eine gestern als Zeugin gehörte Kaufpark-Angestellte aus Wuppertal: "Ich hatte das Gefühl, dass er uns nichts getan hätte", sagte die 29-Jährige. Sie sei zwar durch die Tat heute ängstlicher, habe den Überfall aber insgesamt ganz gut verkraftet. Anders als ihre Kollegin. Sie ist bis heute arbeitsunfähig, leidet unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und Panikattacken.

Auf die Spur des Angeklagten kam die Polizei durch ein Überwachungsvideo, das im Solinger Kaufpark aufgenommen wurde und den Täter ohne Maskierung beim Betreten des Geschäftes zeigt. Auch eine Kamera, die er in einem Keller zurückgelassen hatte, half den Ermittlern. Auf dem Chip war das Foto eines auf ihn zugelassenen Fahrzeugs zu sehen. Der Prozess ist auf vier Verhandlungstage angesetzt.

Quelle: RP
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