| 00.00 Uhr

Solingen
Nach einem Knöllchen hat's gefunkt

Nach einem Knöllchen hat's gefunkt
Ein glückliches Trio: Claudia und Heike Eichhöfer mit ihrer Katze Lilly. FOTO: S. Köhlen
Solingen. Heike und Claudia Eichhöfer gingen am 7. Juli 2007 die eingetragene Lebenspartnerschaft ein - und gaben sich zehn Jahre später noch einmal das Ja-Wort. Von Laura Mertens

Nachdem die "Ehe für alle" 2017 von der Politik beschlossen wurde, sind Heike und Claudia Eichhöfer nun auch auf dem Papier Eheleute. Dabei sind die beiden schon seit über elf Jahren ein eingespieltes Team. Obwohl ihre erste richtige Begegnung eher eine unschöne Begebenheit zum Anlass hatte.

Claudia bekam damals ein Knöllchen und Heike arbeitete bei der Bußgeldstelle des Ordnungsamtes in Solingen. Beim Telefonat stellte sich schnell heraus, dass die beiden sich eigentlich schon kannten. Claudias Großcousine ist nämlich Heikes Schwägerin. Nachdem sie nur per SMS Kontakt hatten, trafen sie sich am 29. Juli 2006 das erste Mal, um zu einer Frauenparty in Düsseldorf zu gehen. Als Claudia dann die Tür aufmachte, war es für Heike "Liebe auf den ersten Blick. Ich war so aufgeregt, ich dachte mir nur; Boden tu dich auf und lass mich versinken".

Beide hatten in ihrem Leben zuvor auch Beziehungen mit Männern gehabt, jedoch gemerkt, dass etwas nicht stimmte. "Ich hatte schon immer so ein Gefühl gehabt, wollte es mir aber lange nicht eingestehen." Claudia war sogar verheiratet und hat zwei Töchter. Heike merkte es erstmals bei ihrer besten Freundin, für die sie auf einmal mehr als nur Freundschaft empfand.

Ihre Mutter unterstützte sie in allen Lebenslagen. ",Hauptsache du bist glücklich', hat sie immer zu mir gesagt", erzählt die 53-Jährige stolz. Auch bei Claudia reagierten Familie und Freunde mit viel Unterstützung auf das Outing. "Alle sind locker damit umgegangen und freuen sich für mich." Ihre Töchter sehen auch keine Schwierigkeit darin, dass ihre Mutter nun mit einer Frau zusammenlebt. Sie nennen die beiden sogar liebevoll "Mama 1" und "Mama 2".

Am 7. Juli 2007 gingen Heike und Claudia die eingetragene Lebenspartnerschaft ein. Zehn Jahre später, am 17. Oktober 2017, gaben sie sich erneut das Ja-Wort bei der Eheschließung. Die besondere Zahl sieben ist auf dem Autokennzeichen verewigt.

Auch die Haustiere verstanden sich von Anfang an. So war das Zuhause von Claudia und Heike, in das sie am 27. Oktober 2007 einzogen, "ein kreischender Zoo mit sechs Vögeln, zwei Katzen und einem Hund", erklärt Claudia lachend. "Und dazu noch meine jüngere Tochter." Mittlerweile ist diese aber auch ausgezogen und studiert. "Es geht einfach nicht ohne Haustiere", erklärt Heike schmunzelnd. Nun leben die vier Katzen Tom, Twin, Lilly und Nani bei ihnen.

Neben den Tieren ist die Nordsee eine weitere gemeinsame Leidenschaft der beiden Frauen. Besonders angetan hat es ihnen Sankt Peter-Ording in Schleswig-Holstein. Dort verbringen sie jedes Jahr ihren Urlaub. "Es ist wie eine zweite Heimat für uns. Dort anzukommen fühlt sich an, wie nach Hause zu kommen", erklärt Claudia. "Wir lieben diese Stille und die Weite dort", erzählt die 52-Jährige weiter. Wenn sie in Rente gehen, dann wollen sie dorthin ziehen. "Und dann kaufen wir uns einen Hund", überlegt Heike.

Der Skiurlaub darf bei den beiden aber auch nicht fehlen. Und da haben die Frauen einen guten Kompromiss gefunden: Heike trinkt einen Kaffee in der Sonne oben auf der Alm, während Claudia die Piste hinab wedelt. Die gebürtige Düsseldorferin ist nämlich leidenschaftliche Skifahrerin. "Die ist schon mit Skiern auf die Welt gekommen", erzählt Heike lachend. Gemeinsam Sport treiben die zwei aber auch: "Mit den Augen. Wir schauen uns jede Meisterschaft und jede Olympiade an. Ich weiss noch, einmal wollten wir mit dem Hund vor ein paar Jahren raus, und da musste Claudia vorher unbedingt noch die Abfahrt von irgendeinem bei einer Skimeisterschaft anschauen." Beide Frauen lachen.

Was sie besonders aneinander schätzen? "Claudia kann so super kochen. Deswegen habe ich auch 30 Kilo zugenommen." Und Claudia Eichhöfer sagt: "Heike schafft es immer wieder, mich mit Handballkarten, Konzerten oder Kurzurlauben zu überraschen."

Die Eheschließung war für sie die Abrundung ihrer Beziehung. "Wir waren schon seit 2007 miteinander verheiratet. Jetzt ist es endlich auch auf dem Papier so. Das war das i-Tüpfelchen", erklärt Heike. Deswegen waren sie auch alleine mit der Standesbeamten und haben nicht wie bei ihrer eingetragenen Lebenspartnerschaft groß gefeiert. Bis heute tragen sie beide Ringe.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Nach einem Knöllchen hat's gefunkt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.