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Solingen
Nach fast 50 Jahren Mumms in den Ruhestand

Solingen: Nach fast 50 Jahren Mumms in den Ruhestand
Kult-Wirt Franz Schwarz (3.v.r.) wurde mit einer großen Party verabschiedet. FOTO: Tinter; Anja (ati)
Solingen. Mit 78 Jahren ist Franz Schwarz seit dem 1. Juli offiziell in Rente. Mit einer großen Party haben sich am Wochenende Freunde und Weggefährten von dem Kult-Wirt verabschiedet. Von Maxine Herder

Es ist kein Abschied für immer, vielleicht nicht mal ein Abschied für länger: "Achja, natürlich komme ich wieder", sagt Franz Schwarz, zurück ins Mumms an der Mummstraße, das fast 48 Jahre sein Mumms war. Und doch: Wenn Franz Schwarz in Zukunft ins Mumms zurückkehrt, dann nicht mehr als Betreiber, Wirt und Chef - sondern als Gast, wenn auch als ein ganz besonderer Gast. Fast fünf Jahrzehnte nach der Gründung des Mumms wurde der 78-Jährige am Samstag mit einer großen Party mit Familie und Freunden, Weggefährten, Gästen und Mitarbeitern verabschiedet.

Und auch wenn es kein Abschied für immer ist, ist es einer, der schwer fällt: Franz Schwarz und das Mumms, sie sind eng verbunden. In Zukunft wird die Kult-Kneipe, wie bereits das Birkenweiher, von Tochter Berita und ihrem Lebensgefährten Miro Jelic geführt. Und Franz Schwarz ist seit dem 1. Juli offiziell in Rente. "Ich fand mich bis zum Schluss unentbehrlich", sagt Schwarz und schmunzelt - und fügt dann, ernster, hinzu, dass er in der letzten Zeit bereits jede Gelegenheit genutzt habe, nicht mehr im Vordergrund zu stehen. "Ich kann nicht riskieren, dass ich irgendwann gar nichts mehr machen kann", sagt Schwarz, jetzt sehr ernst. Der Eindruck eines Sturzes vor drei Monaten sitzt tief, "ich sehe einfach die Notwendigkeit, dass ich hier einen Schlussstrich ziehe."

55 Jahre hat Franz Schwarz die Solinger Kneipenlandschaft geprägt: Zunächst mit dem Jazz-Club Ritterstraße, für den er 1960 seinen Beruf als Schriftsetzer aufgab. Als der Hausbesitzer 1966 den Mietvertrag kündigte, musste Schwarz sich neu orientieren - und fand in der ehemaligen Milchbar Luna an der Mummstraße, was er suchte. Nach umfangreichen Umbauarbeiten eröffnete Schwarz sein Mumms am 31. Oktober 1967. Und eigentlich, erinnert er sich, sei es zumindest von der Musik als Fortsetzung seines Jazz-Clubs an der Ritterstraße geplant gewesen. "Doch das kam nicht so gut an." Stattdessen habe sich die Musik nach und nach verändert, Mitarbeiter und Gäste hätten ihre Platten mitgebracht, "aber immer samstags haben wir laute Jazz-Musik gemacht".

Es war eine bunte Mischung von Menschen, die im Mumms zusammenkamen: Studenten und Schüler, Arbeiter und Geschäftsleute, viele politisch Interessierte - "und viele Kommunisten", sagt Schwarz. "Hier konnte man sich unterhalten, hier konnte man auch mal laut werden, das hat denen Spaß gemacht und mir auch", sagt der ehemalige Wirt und lacht. Jahre später eröffnete er das Haus am Birkenweiher.

Es habe sich, sagt Franz Schwarz, mit den Jahren viel verändert: Die Musik beispielsweise; eine Zeit lang, als viele Jüngere kamen, auch die Gästestruktur; der Tresen im Mumms, den er mehrfach umbauen ließ; oder die schwere Büste Tulla, die seit Jahrzehnten über das Geschehen wacht und nach etlichen Stürzen mehrfach repariert werden musste.

"Aber ich bin immer gleich geblieben", sagt Franz Schwarz, und vielleicht macht genau das einen Teil seines Erfolgs aus. Den anderen Teil des Erfolgsgeheimnisses sieht Schwarz darin, dass er sich bei beiden Lokalen nie auf den Status quo verlassen habe. "Wir haben immer versucht, zu expandieren und uns nicht auf dem auszuruhen, was wir vorgefunden haben." Er sei, sagt der zweifache Großvater, froh, dass er all das genau so gemacht habe. Und doch würde er es nicht noch einmal wagen: "Mit dem Nichtraucherschutzgesetz sind zu viele Kneipen kaputt gemacht worden."

Die Geselligkeit wird ihm in Zukunft wohl am meisten fehlen. "Dass man zu einer bestimmten Zeit an einer bestimmten Stelle immer noch jemanden trifft, mit dem man sich auch nach Jahrzehnten noch unterhalten kann." Für seinen Ruhestand hat Schwarz keine Pläne gemacht. Er wird schauen, was passiert - und ganz bestimmt dann und wann noch mal in seinem Mumms vorbeischauen.

Quelle: RP
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