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Die letzte Fahrt mit dem roten RE 7

Die letzte Fahrt des RE7
Solingen. Um 22.15 Uhr am Samstagabend hat der letzte Doppelstockwagen der DB Regio NRW den Hauptbahnhof in Solingen in Richtung Krefeld verlassen. Ein persönlicher Abschied. Von Guido Radtke

Ich bin bekennender Nutzer des Öffentlichen Nahverkehrs. Seit Grundschulalter, als ich regelmäßig mit einem Linienbus von Düsseldorf zu meiner Großmutter nach Mettmann gefahren bin. Alleine. Ein kleines Abenteuer für einen kleinen Jungen. Die Begeisterung für Fahrten mit Bus und Bahn, sie ist nie verflogen. Wenn es machbar ist, bleibt der Wagen in der Garage oder zumindest am Bahnhof stehen.

So auch am Samstag, als mich eine Ansetzung als Basketball-Schiedsrichter nach Hagen führte. Die Hinfahrt gehörte zur Kategorie "Muss ich nicht haben". Der Regionalexpress der Linie RE 7 aus Köln war überfüllt. Stoßzeit rückkehrender Einkaufsbummler und Weihnachtsmarktbesucher. Man nimmt das Gedränge hin ähnlich wie ein Pendler, der täglich im Stau steht.

Der letzte Regionalexpress der "DB Regio NRW" auf der Linie RE 7 von Münster nach Krefeld war am Samstagabend mit einer besonderen Anzeige unterwegs. FOTO: Radtke

Der besondere Tag auf den rheinisch-bergischen Schienen wird mir bewusst, als ich auf der Rückfahrt in Schwelm aus der S-Bahn S 8 aussteige und auf meinen Anschluss warte. Mein plötzlicher Gedanke: Ich steige in den allerletzten RE 7 der Deutschen Bahn. Bekanntlich hat zum Fahrplanwechsel am gestrigen Sonntag das britische Privatunternehmen National Express die Strecken des "Rhein-Münsterland-Express" zwischen Krefeld und Münster / Rheine sowie der "Rhein-Wupper-Bahn" (RB 48) zwischen Bonn und Wuppertal übernommen.

Aus dem Dunkel der Nacht tauchen die Scheinwerfer des roten Doppelstock-Steuerwagens auf, dessen Anzeige keinen Aufschluss über den Zielbahnhof gibt. Dort wo sonst "RE 7 Krefeld" leuchten müsste, steht nur "DB Regio NRW". Warum, lässt sich aus nächster Nähe erklären, während der Zug am Bahnsteig abbremst. Auf zwei zusammen geklebten und von Innen an die Scheibe gehefteten Zetteln im A4-Format ist provisorisch gedruckt: "Letzter Tag der DB auf dem RE 7". Mit einem wehmütigen Gefühl steige ich ein. Eine leere Wodkaflasche und zwei Bierdosen liegen auf dem Boden, die Spuren von Getränkeresten sind noch nicht getrocknet. Das Party-Volk ist zum Glück nicht mehr da. Nur ein halbes Dutzend Fahrgäste sitzt auf der oberen Etage im vordersten Wagen, fast alle tippen auf ihrem Smartphone herum. Ich schaue lieber aus dem Fenster und genieße letztmalig den Blick von oben, den die neuen Triebwagenzüge von National Express des Typs "Talent 2" nicht bieten können. Es sind die angenehmen Momente einer Zugfahrt, wenn es derart still ist in dem abgetrennten Großraumbereich wie an diesem Samstagabend.

Diese Doppelstockwagen werden in Solingen nicht mehr halten. Weiß und Blau sind ab sofort die Farben auf den Strecken der RB 48 und des RE 7, die seit gestern National Express betreibt. FOTO: Radtke, Guido (gra)

Die Anzeige im Zug wechselt zwischen Datum und Uhrzeit sowie "DB Regio NRW". Den nächsten Halt kündigt der Lokführer über Lautsprecher an. Ich warte darauf, dass ein dem Anlass entsprechender Spruch die nüchterne Ansage der Hauptbahnhöfe Wuppertal oder Solingen ergänzt. Es bleibt bei "Ausstieg in Fahrtrichtung rechts". Vermutlich wird er es sich kurz vor dem Endbahnhof Krefeld nicht nehmen lassen, sich würdig von seinen letzten Fahrgästen auf dieser Strecke zu verabschieden.

Pünktlich um 22.04 Uhr setzt sich der sonst so für Verspätungen anfällige RE 7 in Wuppertal wieder in Gang. Zehn Minuten später - pünktlich um 22.14 Uhr - öffnen sich in Solingen die Türen. Der Zugführer klappt sein Fenster auf und beobachtet das Ein- und Aussteigen. Ob es ein komisches Gefühl sei ? Der Krefelder nickt und schaut etwas traurig. Die Zugkilometer von seinem Wohnort über Neuss, Köln, Opladen, Solingen, Wuppertal und Hagen bis nach Münster waren schließlich die seiner Hausstrecke. "Ich stelle den Zug gleich ab - und das war's dann." Künftig beginnt sein Dienst in Düsseldorf auf einer der anderen Regionalexpress-Linien, die die Deutsche Bahn noch in Nordrhein-Westfalen betreibt.

Ich bleibe am Bahnsteig stehen, während der Zug Fahrt aufnimmt, und warte, bis die roten Leuchten hinter der Berliner Brücke nicht mehr zu sehen sind.

Quelle: RP
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