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In der Straßen
Neu-Hotelier im Ein-Mann-Betrieb

Solingen. Nach drei Jahren Leerstand hat Andreas Heibach im Mai 2015 das Hotel-Restaurant "In der Straßen" bei einer Zwangsversteigerung erworben. Seit zehn Tagen können Gäste in einem der 13 Zimmer des Gästehauses übernachten. Von Guido Radtke

Freunde erkennen Andreas Heibach kaum wieder. Viele Jahre war der Gastronom als Chef des "Al B'Andy" gezwungenermaßen ein Nachtmensch, der nach einem langen Dienst hinter dem Tresen gerne lange ausgeschlafen hat. Auch nachdem er die Kultkneipe im Stadtteil Wald verpachtet hatte, um sich auf das Projekt "Walder Stadtsaal" zu konzentrieren, war der 48-Jährige alles andere als ein Frühaufsteher.

Seit zehn Tagen jedoch klingelt fast jeden Morgen um 5.30 Uhr sein Wecker, weil er für die Gäste im Hotel "In der Straßen" das Frühstück vorbereiten muss. Im Mai vorigen Jahres hatte Andreas Heibach den Gebäudekomplex des traditionsreichen Restaurants und Gasthauses in Oberburg ersteigert, um ihn nach und nach in Eigenregie und mit tatkräftiger Unterstützung von Freunden und Familie wieder auf Vordermann zu bringen. Ein Biergarten wurde eingerichtet. Und nach drei Jahren Leerstand wurden zudem zwei Säle für private Feiern aus dem Dornröschenschlaf erweckt, nach denen vereinzelt die 13 Zimmer im Gästehaus für Übernachtungen genutzt wurden. An einen regelmäßigen Hotelbetrieb jedoch hatte Andreas Heibach bis vor wenigen Wochen nicht gedacht.

Neues Leben im Haus "In der Straßen"

Irgendwann aber hat er sich entschlossen, es einfach mal auszuprobieren. "Weil im Stadtsaal derzeit kein Betrieb ist, habe ich die Zeit, es anzugehen." Wo früher rund 30 Angestellte beschäftigt waren, arbeitet Heibach seit dem 22. Februar ganz alleine - an der Rezeption, in der Küche, an der Waschmaschine, an der Mangel. Heibach bezieht die Betten, putzt die Toiletten. "Ich habe mir gedacht, dass mit einem nur geringen Einsatz von Personal ein Pensionsbetrieb möglich ist."

Für die zweimonatige Testphase hat der Walder seinen Lebensmittelpunkt nach Oberburg verlegt und selbst eines der Zimmer bezogen, um jederzeit für seine Gäste als Ansprechpartner da zu sein. Von der Zahl der bisherigen Buchungen ist Andreas Heibach überrascht. Gestern erst haben sich Gäste aus Saudi-Arabien und Indien über "Booking.com" für mehrere Tage angemeldet. Die Fotos im Internetportal zeigen den tatsächlichen Ist-Zustand der jeweils unterschiedlich eingerichteten Räume und Badezimmer mit dem eigenwilligen Charme der siebziger und achtziger Jahre. "Dieses Objekt hat viel Vergangenheit, die erhalten bleiben muss", sagt der Neu-Hotelier im Ein-Mann-Betrieb.

Es hat sich nicht viel verändert in den Zimmern des traditionsreichen Gästehauses "In der Straßen", die Andreas Heibach seit dem 22. Februar offiziell vermietet. FOTO: Kempner, Martin (mak)

Andreas Heibach bietet seinen Übernachtungsgästen an, sich zum Abendessen mit an den Tisch im ehemaligen Restaurant des Haupthauses zu setzen. "Ich koche ohnehin für meine Freunde, die mir beim Umbau helfen. Und dann mache ich einfach nur eine Portion mehr." Am offenen Kamin wird geplaudert, bei den Getränken ist Selbstbedienung angesagt. "Würde ich alleine unterwegs sein, wäre ich lieber hier als in einem Hotel einer Kette." Heibach genießt diese familiäre Atmosphäre, in der er auch erfährt, was sich die Gäste für eine Übernachtung im "In der Straßen" wünschen würden. "Die nächsten Renovierungsstufen werden sich ganz nach diesen Ansprüchen richten."

Quelle: RP
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