| 00.00 Uhr

Frank Balkenhol
Neue Firmen ab 2018 auf Rasspe-Gelände

Frank Balkenhol: Neue Firmen ab 2018 auf Rasspe-Gelände
Der Landmaschinen-Hersteller Rasspe ist längst nach Wermelskirchen umgezogen. Die Industriebrache in Stöcken soll nun innerhalb der nächsten drei Jahre für neue Unternehmen entwickelt werden. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung geht davon aus, dass für die Sanierung und Erschließung der 60 000 Quadratmeter großen Gewerbefläche mindestens fünf Millionen Euro investiert werden müssen.

Was ist zunächst erforderlich, um das rund sieben Hektar große Rasspe-Gelände für Neuansiedlungen zu entwickeln?

Balkenhol Nachdem wir uns im "Wettbewerbsverfahren zu Stöcken/ früher Rasspe" erfolgreich mit unserem von der Stadt bestätigten Konzept und unserem Höchstgebot durchgesetzt haben, müssen wir, um endgültig Eigentümer werden zu können, zunächst noch mit den Banken als Grundpfandrechtsgläubigern eine Einigung erzielen. Dies werden wir aller Voraussicht nach im August erreichen. Die notwendige Förderung für die Sanierungsuntersuchungen, Sanierungsplanung, Abbrüche und die Altlastenbeseitigung ist bereits beantragt und bewilligt, für die Erschließungsmaßnahmen ist das Antragsverfahren mit dem zuständigen Wirtschaftsministerium geklärt. Der entsprechende Antrag zur Vorlage bei der Bezirksregierung wird derzeit vorbereitet. Die notwendigen Beschlüsse unserer Gremien haben wir ebenfalls schon vorliegen, so das wir nunmehr startklar sind.

Wie lange wird das dauern?

Balkenhol Wenn alles nach Plan läuft, können die Sanierungsuntersuchungen bereits dieses Jahr begonnen werden. Darauf aufbauend wird die Sanierungsplanung entwickelt und zur Genehmigung vorgelegt. Wir gehen nach jetzigem Kenntnisstand davon aus, dass die daraus abzuleitenden Maßnahmen zu den Gebäudeabbrüchen und Bodensanierungen in den Jahren 2016 und 2017 umgesetzt werden können. Im Jahr 2018 erfolgt dann die Erschließung und parallel dazu die Vermarktung.

Wofür braucht es überhaupt einen neuen Bebauungsplan, schließlich wird das Gelände in Stöcken doch seit Jahren gewerblich genutzt?

Balkenhol Auch die zukünftige Nutzung wird wieder eine Gewerbliche sein. Aber neben den bereits bisher gewerblich genutzten Bereichen werden zusätzliche Bauflächen im Bereich der früheren Betriebsdeponie hinzugewonnen. Darüber hinaus gibt ein neues Bebauungsplanverfahren zunächst allen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, Einfluss auf den Bebauungsplan zu nehmen und Bedenken und Anregungen vorzutragen. Wir sind der Überzeugung, dass dieser Weg zeitgemäß ist. Ein vom Rat beschlossener Bebauungsplan gibt dann allen späteren Nutzern die entsprechend notwendige Rechtssicherheit.

Wie umfangreich schätzen Sie die Altlasten im Boden ein?

Balkenhol Das Rasspe-Gelände wurde fast 200 Jahre industriell genutzt. Die vorliegenden Gutachten zeigen deutlich auf, dass durch diese Nutzung umfängliche Verunreinigungen bei Gebäuden und Böden entstanden sind. Das genaue Ausmaß kann erst nach ergänzenden Sanierungsuntersuchungen festgestellt und der Umgang damit im Rahmen der Sanierungsplanung beschrieben werden. Dabei werden dann auch genauere Kosten ermittelt.

Wie viel Geld muss insgesamt in die Hand genommen werden, um dort neue Firmen anzusiedeln?

Balkenhol Wir gehen davon aus, dass das Gesamtprojekt mindestens fünf Millionen Euro umfassen wird.

Gibt es Fördergelder?

Balkenhol Ja, sowohl für die Sanierungsuntersuchung und -planung, die Abbrüche und die Altlastensanierung sowie für die Erschließungsmaßnahmen.

Wird das ehemalige Rasspe-Gelände allein von Solingen entwickelt oder interkommunal, also zusammen mit Remscheid und Wuppertal?

Balkenhol Da das Rasspe-Gelände vollständig auf Solinger Stadtgebiet liegt und wir als Wirtschaftsförderung in Solingen die Finanzierung einschließlich Fördermittel eigenständig darstellen können, macht es Sinn, dass wir es auch eigenständig umsetzen. Ein interkommunales Projekt kann bei diesen Voraussetzungen keine weiteren nennenswerten Vorteile für Solingen schaffen. Aber selbstverständlich ist das Projekt in der Region abgestimmt und prioritärer Bestandteil des Regionalen Gewerbeflächenkonzeptes.

Welche und wie viele Unternehmen könnten auf der bisherigen Brachfläche zum Zuge kommen und wer trifft die Auswahl?

Balkenhol Wir gehen davon aus, dass etwa 60 000 qm an Gewerbeflächen entwickelt werden können, auf denen ab 2018 bis zu zwölf Unternehmen eine neue Heimat finden können. Die Wirtschaftsförderung wird dies in Abstimmung mit ihren Gremien im Einzelfall festlegen.

Bevor die Stadt beziehungsweise die Wirtschaftsförderung im Bieterverfahren des Bau- und Liegenschaftsbetriebes NRW den Zuschlag für das Rasspe-Gelände bekam, hatte ein Investor zwei türkische Unternehmen für das brachliegende Gelände konkret benannt. Wie steht es um deren Chancen?

Balkenhol Der betreffende Investor, Herr Cetin Ay, ist ein von uns sehr geschätzter Solinger Unternehmer, mit dem wir auch in der Zukunft gerne entsprechende Gespräche führen werden.

Anfang des Jahres verfügte die Stadt über ihre Tochtergesellschaft Wirtschaftsförderung Solingen noch über rund 13 Hektar sofort vermarktbare und planungsrechtlich gesicherte Gewerbeflächen. Wie lange reicht das noch aus? Sind in dieser Zeit neue Flächen in Sicht?

Balkenhol Wir müssen uns alle darüber bewusst sein, dass das derzeitige und zukünftige Gewerbeflächenangebot in Solingen begrenzt ist. Die Reaktivierung von Brachflächen wie Rasspe wird uns helfen, das Angebot an entsprechenden Gewerbeflächen weiter zu entwickeln. So werden wir zusätzlich auch mit dem Instrument des Flächenpool NRW andere Brachflächen aktivieren wollen. Wenn es uns darüber hinaus gelingt, weitere Gewerbeflächen zu entwickeln, wird dies die Angebotssituation für die interessierten Unternehmen zusätzlich verbessern, was aus unserer Sicht erstrebenswert ist.

UWE VETTER FÜHRTE DAS GESPRÄCH MIT FRANK BALKENHOL.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Frank Balkenhol: Neue Firmen ab 2018 auf Rasspe-Gelände


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.