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Solingen
Neue Gewerbegebiete im Ittertal

Solingen: Neue Gewerbegebiete im Ittertal
Seit Jahren setzt sich die Bürgerinitiative "Rettet das Ittertal" gegen neue Gewerbeflächen im Ittertal ein. Zumindest für die Bereiche Keusenhof und Buschfeld hat das funktioniert. Piepersberg-West und Fürkeltrath II könnten dagegen zu Gewerbeflächen werden. FOTO: martin Kempner (Archiv)
Solingen. Das Gesamtgutachten Ittertal liegt vor. Danach können in den Gebieten Piepersberg-West und Fürkeltrath II Gewerbeansiedlungen erfolgen, in den Bereichen Buschfeld und Keusenhof wird davon Abstand genommen. Von Uwe Vetter

Endlich liegt das Gesamtgutachten Ittertal auf dem Tisch, nachdem die Zusammenfassung bestehender Einzelgutachten und Untersuchungen zur Nachhaltigkeit und Ökologie von Gewerbegebieten im Ittertal verwaltungsintern noch abgestimmt und zu ökologischen und sozialen Aspekten eine Ergänzung erfahren hat. Unter dem Strich kommt das 115 Seiten starke Gutachten zu dem Ergebnis, dass Gewerbeansiedlungen in Piepersberg-West und Fürkeltrath II befürwortet werden.

Von den neun Hektar Fläche in Fürkeltrath II allerdings nur rund die Hälfte, und zwar die, die sich bereits in Besitz der Wirtschaftsförderung befindet. Das jedenfalls ist die Empfehlung des Planungsbüros BKR aus Aachen an die Kommunalpolitik. Durch diesen Vorschlag würde die Stadt - entgegen den bisherigen Planungen - großflächige Abstände und Korridore zum sensiblen Bachtal einhalten; so dass bei dieser Verkleinerung der Fläche nachteilige Auswirkungen auf die klimatische und ökologische Funktion des regionalen Grünzugs gemindert werden. Fürkeltrath II und Piepersberg-West böten aus ökonomischer Sicht günstige Voraussetzungen für die Weiterentwicklung zu Gewerbeflächen und wiesen im Vergleich eine mittlere ökologische Wertigkeit auf. Dies teilte die Stadt gestern mit.

Dagegen fallen Buschfeld und der Keusenhof in Ohligs durchs Sieb - letzteres Gebiet vor allem, weil die Entwicklung eines Gewerbegebietes dort zwar ökologisch, aber wirtschaftlich nicht vertretbar erscheint.

In der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Umwelt, Klimaschutz und Mobilität am 11. Februar im kleinen Konzertsaal wird sich die Politik erstmals mit dem Gesamtgutachten beschäftigen. Das wurde im Oktober 2014 in Auftrag gegeben. Neben dem Klimagutachten flossen hier auch Aspekte des Biotop- und Artenschutzes mit Flächenschutz in die Gesamtbetrachtung ein. "Wir erhalten mit dem Gutachten endlich eine klare, wissenschaftlich abgesicherte Empfehlung für das, was geht und das, was gar nicht geht, für das, was sinnvoll ist, und wovon wir lieber die Finger lassen sollten", sagt Oberbürgermeister Tim Kurzbach. Auf Grundlage der jetzt vorgelegten Expertise steht auch den weiteren Planungen für eine moderne "Arena Bergisch Land" an der Stadtgrenze von Solingen und Wuppertal nichts mehr im Weg. Die Mehrzweckhalle auch für den Handball-Bundesligisten BHC selbst wird in Solingen liegen, die Erschließung erfolgt über Wuppertaler Stadtgebiet. Insgesamt bietet Piepersberg-West eine Fläche von 6,1 Hektar.

"Das Ittertal ist der meistuntersuchte Bereich in ganz Solingen. Aber kein Gutachten zuvor hat den politischen Gremien so konkrete Empfehlungen für die parlamentarische Beratung mitgegeben". Hoferichter ist deshalb guter Hoffnung, dass das Gesamtgutachten "eine hilfreiche Unterlage für die politische Beratung bildet und eine Chance für den Abschluss der Diskussion". Das sieht auch der Vorsitzende des Planungsausschusses, Bernd Krebs (CDU), so: "Es wird neue Gewerbeflächen im Ittertal geben, und es wird sich dafür ein Kompromiss finden."

Für die Bürgerinitiative "Rettet das Ittertal" ist das Gesamtgutachten zumindest ein Teilerfolg. Sie hat sich in der Vergangenheit stets kritisch und ablehnend gegen die vier neuen Gewerbeansiedlungen im Ittertal geäußert. Das betrifft auch das Gebiet Fürkeltrath II. Acht Meter Höhenunterschied ist in diesem Gebiet zu verzeichnen, am Rande des Geländes ist seit dem Jahr 1020 ein landwirtschaftlicher Betrieb ansässig, seit den vergangenen Jahren ein Bio-Bauer. "Hier gehört kein Gewerbegebiet hin, zumal längst nicht alle Flächen der Stadt gehören. Allein, um die Höhenunterschiede auszugleichen, braucht es viel Geld", sagte Dr. Cornelius Arendt von der Bürgerinitiative beim Besuch von NRW-Umweltminister Remmel im September vergangenen Jahres.

Piepersberg-West ist der Bürgerinitiative ebenfalls ein Dorn im Auge. Durch Gebäude und versiegelte Flächen würde das Ittertal massiv in seiner natürlichen Funktion als Biotop-Verbund und Kaltluftentstehungsraum beeinträchtigt werden, heißt es bei "Rettet das Ittertal".

Quelle: RP
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