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Solingen
Neue Unterkünfte entlasten Schulen und Sportler

Solingen: Neue Unterkünfte entlasten Schulen und Sportler
FOTO: Kempner, Martin (mak)
Solingen. Die Einrichtung für Flüchtlinge im Hallenbad Sauerbreystraße ist fast bezugsfertig. So entspannt sich die Lage andernorts. Es gibt inzwischen viele, auch private Hilfen. Von Martin Oberpriller und Alexander Riedel

Rund 2500 Flüchtlinge leben derzeit in Solingen - Tendenz weiter steigend. So gehen die Verantwortlichen im Rathaus davon aus, dass auch in Zukunft etwa 300 Neuankömmlinge pro Monat untergebracht werden müssen. Doch nachdem der Zuzug von Menschen, die meist aus Bürgerkriegsländern wie Syrien stammen, die Stadt - wie andere Kommunen - anfangs vor große Probleme stellte, erscheint nun zumindest zwischenzeitlich das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels in Sicht.

So wurden zu Beginn der Woche jene Flüchtlinge, die zunächst in der Sporthalle des Gymnasiums Schwertstraße untergebracht waren, in das neue "Henry-Dunant-Dorf" in Ohligs verlegt. Und auch das ehemalige Hallenbad Sauerbreystraße ist bald bezugsfertig, so dass die Stadt nach Informationen unserer Redaktion bis auf Weiteres nicht mehr auf Turnhallen zur Einquartierung von Flüchtlingen zurückgreifen muss.

FOTO: mak

Eine gute Nachricht für Schulen und Vereinssportler - zumal an der Sauerbreystraße die Arbeiten gestern weiter voranschritten. Arbeiter begannen damit, Betten für 117 Menschen aufzustellen. Zuvor waren bereits die sanitären Anlagen hergerichtet sowie das alte Schwimmbecken mit einem Holzboden abgedeckt worden.

Tatsächlich beschäftigen die Flüchtlingskrise und die mit ihr einhergehenden Herausforderungen weiterhin viele Menschen in der Stadt. Das wurde einmal mehr auch am Montagabend deutlich, als rund 500 Bürger einer Einladung der Stadt in die Festhalle Ohligs gefolgt waren, um sich über die Situation der Flüchtlinge in Solingen zu informieren.

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen

Wie macht man die Neuankömmlinge mit den Gepflogenheiten in der neuen Umgebung vertraut? Wie wirkt sich die derzeitige Situation auf den Wohnungsmarkt aus? Und was ändert sich für die Anwohner der Sauerbreystraße, wenn die neue Flüchtlingsunterkunft ihren Betrieb aufgenommen hat?

Zu Fragen wie diesen nahmen sowohl Mitarbeiter der städtischen Verwaltung als auch ehrenamtliche Helfer Stellung. Kämmerer Ralf Weeke als augenblicklicher Leiter des städtischen Krisenstabes betonte beispielsweise noch einmal, ein Sicherheitsdienst werde in dem alten Hallenbad rund um die Uhr für die Bewachung sorgen.

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai

Damit allein ist es indes nicht getan. Denn während die Menschen, die nun bald zur Sauerbreystraße umsiedeln, bereits registriert sind und wohl länger in Solingen leben werden, gilt es nach wie vor, die Flüchtlinge, die im Rahmen der Nothilfe kommen, ebenfalls zu erfassen.

Ein Prozedere, das zu Beginn der Flüchtlingskrise noch nicht richtig funktionierte, inzwischen aber besser läuft. Zuletzt wurden Menschen aus der Unterkunft Zweigstraße zur Registrierung ins ostwestfälische Herford gebracht, hieß es gestern aus dem Rathaus - was wiederum eine Voraussetzung dafür ist, die Frauen, Männer und Kinder in längerfristigen Einrichtungen unterzubringen sowie mit der eigentlichen Integrationsarbeit zu beginnen.

Diese Arbeit macht in Solingen inzwischen Fortschritte. Zurzeit befinden sich 1300 zugewiesene Flüchtlinge in städtischen Unterkünften, für die ein enges Netzwerk geknüpft wurde. So bieten Ehrenamtler Sprachkurse an. Es gibt Freizeitaktivitäten mit Flüchtlingen. Und Bürger können Patenschaften übernehmen, um die Neuankömmlinge bei Alltagsproblemen zu unterstützen.

Darüber hinaus ist auch die Stadt aktiv - etwa in Sachen Wohnen. Um die Verweildauer in Sammelunterkünften zu begrenzen, sucht die Verwaltung Wohnungen, wie Jürgen Albermann vom Stadtdienst Wohnen bei der Infoveranstaltung in Ohligs berichtete.

Gleichzeitig wollen die Verantwortlichen im Rathaus jedoch der Befürchtung entgegentreten, die Flüchtlinge könnten auf dem Wohnungsmarkt in Konkurrenz zu einheimischen Geringverdienern treten. Deshalb kündigte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) an, man werde wieder verstärkt in den sozialen Wohnungsbau investieren, während Dirk Wagner vom Jobcenter betonte, man bemühe sich, Praktika für Asylsuchende zu vermitteln. Angebote, die nach Ansicht von Saskia Frings (Flüchtlingshilfe Solingen) gerne angenommen werden.

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Quelle: RP
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