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Solingen
Neuer Anlauf zum Freizeitpark

Solingen. Die letzte Badesaison im Strandbad Aufderhöhe liegt 25 Jahre zurück. Eine Zeit, nach der Ehepaare ihre Silberne Hochzeit feiern, sagt Manfred Heim vom Förderverein. Doch jetzt wird der neue Bebauungsplan-Entwurf konkret. Von Günter Tewes

Das Getreide steht gut im Josefstal. "Wir nehmen schon die ersten Bestellungen entgegen", sagt Manfred Heim einer interessiert fragenden Aufderhöherin, die ihr Kind aus der Wald-Kita "Die Kleinen Baumhirten" auf dem Gelände des alten Freibades abholt. Nein, Heim und die anderen Mitstreiter vom Förderverein Freizeitpark Aufderhöhe sind inzwischen nicht unter die Landwirte gegangen. Doch nach der erfolgreichen Aktion im vergangenen Jahr, als sie auf der Wiese zwischen den vor einigen Jahren errichteten Kita-Hütten und den stehengebliebenen Drei- und Fünfmeter-Sprungtürmen Senfkörner ernteten und 150 Gläser füllten, haben sie nun Roggen gesät.

"Im Herbst backen wir Josefstaler Landbrot", kündigt Heim an. Bestimmt hilft auch diesmal wieder die Rupelrather Kirchenjugend bei der Ernte.

Senf, Roggen, Freizeitpark - diese Fruchtfolge erhofft man sich jetzt im Förderverein mit seinen gut 90 Mitgliedern. Und es könnte funktionieren.

"Wir kämpfen weiter und geben nicht auf. Es passiert etwas." 25 Jahre nach der letzten Badesaison im Josefstal hat der 76-Jährige, der schon allein aus den alten Zeiten als Trainer beim Schwimmverein TSV Aufderhöhe eine Menge mit dem Traditionsfreibad verbindet, die Hoffnung nicht aufgegeben; im Gegenteil. Anfang Juni wollen Förderverein und Verwaltung über den neuen Bebauungsplan sprechen. Wenn alles gut läuft, könnte, so die Erwartung, das geänderte Konzept vielleicht schon nach den Sommerferien öffentlich ausgelegt werden.

Das wäre dann der zweite Versuch zum Freizeitpark für junge Familien, Jugendliche und Senioren mit Beachvolleyball, Boule und Co., nachdem das Oberverwaltungsgericht Münster auf die Klage eines Anwohners hin den ersten Bebauungsplan für das Freizeitgelände für unwirksam erklärt hatte. Dies geschah schon vor über drei Jahren. Seitdem wird an dem neuen Konzept gefeilt.

Jetzt wird es konkret. "Wir werden versuchen, den von Grund auf neu gefassten Bebauungsplan-Entwurf in die Juni-Sitzungen der Bezirksvertretung und des Planungsausschusses einzubringen", sagt Stadtsprecherin Birgit Wenning auf Anfrage unserer Redaktion.

Auch der Flächennutzungsplan wird dabei parallel geändert. Dem Vernehmen nach handelt es sich diesmal um einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan, zugeschnitten auf die Belange des Freizeitparks. Hinzugezogen wird ebenso ein Lärmgutachter. Dabei wird den Anwohnern entgegen gekommen. Ihre Belange würden noch einmal genauer berücksichtig, erklärt Stadtsprecherin Wenning. In punkto Lärmbelastung wird ein reines Wohngebiet zugrunde gelegt. Dies schränkt die Aktivitäten von vornherein ein.

"Unser Ziel können wir nur gemeinsam mit allen Bürgern umsetzen", wirbt Heim für den Konsens. Fraglich ist aber dennoch, ob diesmal alle Anwohner mitziehen und Klagen ausbleiben. Die Politik ist bereits in den Startlöchern. "Wir warten händeringend auf den neuen Bebauungsplan und wollen, dass endlich etwas passiert", sagt Bezirksbürgermeister Marc Westkämper.

Auch er ist Mitglied im Förderverein. Am neuen B-Plan fürs Josefstal hängt freilich nicht nur das Freizeitpark-Projekt, sondern auch die Bebauung des alten Union-Stadiongeländes in Ohligs. Denn die kann erst starten, wenn der Ersatz-Kunstrasenplatz auf der Höher Heide im Bereich Josefstal kommt.

Für den Bezirksbürgermeister von Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid hat das Projekt jedenfalls strukturpolitische Bedeutung, die weit über das Josefstal hinausgeht: "Wir sind der zuzugsstärkste Stadtteil mit immer mehr Familien. Deshalb wäre ein solches Freizeitgelände wichtig." Bis es soweit ist, wollen die Mitstreiter des Fördervereins das umwaldete Areal des alten Strandbades, dessen Anfänge bis 1923 reichen, weiterhin im Gespräch halten, und sei es durch Roggen, aus dem im Herbst "Josefstaler Landbrot" gebacken wird.

Manfred Heim erlebt inzwischen nämlich bei Vorträgen vor Schülern, dass die mit einem Freibad in Aufderhöhe schon nichts mehr verbinden und überrascht reagieren. "Deshalb", sagt er, "müssen die Sprungtürme auch stehenbleiben."

Quelle: RP
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