| 00.00 Uhr

Interview
Neuer Trend zur privaten Geflügelzucht

Interview: Neuer Trend zur privaten Geflügelzucht
Christian Hankammer mit einem Barnefelder Hahn: Der Geflügelzuchtverein der Fauna Ohligs setzt sich auch dafür ein, gefährdete Rassen, die auf der Roten Liste stehen, zu erhalten. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Skandale verhelfen der Geflügelhaltung im heimischen Garten zur Renaissance. Der Vorsitzende des Geflügelzuchtvereins der Fauna Ohligs beobachtet jedenfalls wieder ein steigendes Interesse, Hühner auch zur Selbstversorgung zu halten.

Haben Sie eigentlich einen familiären Bezug zur Geflügelzucht?

Hankammer Ja, durch meinen Großvater. Er hatte als Selbstversorger Volièren mit Hühnern und Fasanen. Damit bin ich groß geworden. Noch heute macht es mir sehr viel Spaß, zu sehen, wie die Küken aus den Eiern schlüpfen. Das ist für mich eine sinnvolle Art der Freizeitbeschäftigung.

Und wie steht es mit dem Versorgungsaspekt? Spielt der denn überhaupt noch eine Rolle?

Hankammer Inzwischen geht der Trend wieder in diese Richtung. Wir haben zwar auch viele Mitglieder, die Zwerghühner und Tauben aus reinem Hobby züchten. Viele neue Mitglieder haben sich aber bewusst zur Geflügelzucht entschieden, weil sie keine Lust auf mit Antibiotika verseuchtes Hühnerfleisch und Eier aus der Legebatterie haben.

Gibt es denn nicht vielfältige Schwierigkeiten, etwa mit Nachbarn, die sich über Geräusche beschweren oder diversen Verordnungen?

Hankammer Nein. Die Resonanz von Seiten der Nachbarn und der Behörden ist in Solingen sehr positiv. Andere haben eben einen Hund, der bellt. Die Gesetzeslage erlaubt es auch, im Wohngebiet Geflügel zu halten. Die Zeit von den frühen Abendstunden bis zum Morgen verbringen die Tiere in der Regel im Stall, so dass es keine störenden Geräusche für die Anwohner gibt. Ich habe zum Beispiel eine Zeitschaltuhr, durch die sich morgens um 9.30 Uhr, wenn ich bei der Arbeit bin, die Tür öffnet, so dass die Hähne ins Freie kommen.

Wie wirkt sich die Tatsache, dass Ihre "Bergische Schau" zuletzt nicht mehr stattfand, auf den Erhalt gefährdeter Rassen aus?

Hankammer Das ist ein Problem, weil diese Veranstaltung immer auch Dritte auf die Tiere aufmerksam machte und das Interesse der Besucher weckte, zum Erhalt der auf der Roten Liste stehenden Rassen beizutragen. Wie sollen wir solche Begehrlichkeiten wecken, wenn wir uns nur im stillen Kämmerlein zusammensetzen? Leider war es uns seit 2014 nicht mehr möglich, die Schau auszurichten. Schon in den Vorjahren konnten wir nicht mehr in den Walder Stadtsaal und die Ohligser Festhalle, weil die Mieten nach der Privatisierung der Räume zu hoch waren. Seitdem auch der Bergische Hof geschlossen ist, sehen wir keinen adäquaten Schauplatz mehr für die Veranstaltung.

Aber Sie gehen andere Wege - zum Beispiel durch eine Kooperation mit einem Kindergarten.

Hankammer Ende des letzten Jahres haben uns die Verantwortlichen der Kita Lindenhof angesprochen. Sie wollen eine kleine Hühnerzucht aufbauen. Das Projekt soll am 30. März offiziell starten. Wir werden es fachlich begleiten und finanziell unterstützen. So können die Kinder die Entwicklung vom Ei über das Küken bis zum Huhn miterleben und kommen der Natur wieder ein Stückchen näher.

Welche weiteren Höhepunkte stehen in den nächsten Monaten an?

Hankammer Am 23. April von 11 bis 17 Uhr sind wir wie im Vorjahr am Tieraktionstag im Solinger Coppelpark mit einem Infostand vertreten. Das wird sicher wieder ein schöner Tag rund um das Thema Tier werden. Ebenfalls beteiligt sind wir an der Kreistierschau des Kreises Mettmann, die am 29. Mai von 11 bis 17 Uhr an der Straße Linde in Rupelrath stattfindet.

ALEXANDER RIEDEL FÜHRTE DAS GESPRÄCH MIT CHRISTIAN HANKAMMER.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Interview: Neuer Trend zur privaten Geflügelzucht


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.