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Solingen
Neues vom Bananensprayer im Art Eck

Solingen: Neues vom Bananensprayer im Art Eck
Thomas Baumgärtel in seiner neuen Ausstellung im Gräfrather Art Eck. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Thomas Baumgärtel zeigt Street Art und aktuelle politisch-satirische Arbeiten in der Galerie in Gräfrath. Von Güdny Schneider-Mombaur

Es gibt wohl kaum einen Künstler, der so eindeutig mit einer Frucht in Verbindung gebracht wird wie Thomas Baumgärtel. Seit mehr als 30 Jahren hat er sich der Banane verschrieben. Sie ist sein Markenzeichen geworden und zur Kultmarke in der Kunstszene avanciert. In den 80er Jahren gehörte der in Rheinberg im Ruhrgebiet geborene Baumgärtel zur Sprayerszene, studierte dann in Köln freie Kunst und Diplom-Psychologie und hat sich wie nur wenige der anonymen Street-Art-Künstler bis in die etablierte Kunstszene katapultiert. Dies haben vergleichbar nur der Schweizer Sprüher Harald Naegeli (*1939) und der britische Stencil-Graffiti-Künstler Banksy (*1974) geschafft.

Auch der 1960 geborene Baumgärtel sprüht mit Hilfe von Schablonen, die schnelle serielle Bildzeichen ermöglichen. Seine Bananen-Graffitis markieren seit 1986 Tausende von Kunstorten, Galerien und Museen in der ganzen Welt. Die zunächst illegalen Spray-Aktionen riefen unterschiedlichste Reaktionen hervor, was den studierten Psychologen besonders interessierte. Die auf Wände und Fassaden gesprühten Bananen wurden als Sachbeschädigung geahndet, übertüncht, eliminiert oder mit Stolz erhalten und zum Markenlogo eines aufgeschlossenen Kunstbetriebs erhoben. "Immer basierend auf eigener Auswahl und Entscheidung und immer ohne Honorar", betont Baumgärtel, der die Freiheit des Künstlers und der Kunst über alles stellt.

Auch die Galerie Art-Eck schmückt sich seit 2012 mit einer Banane. Dirk Balke zeigt die Arbeiten des Kölners zum zweiten Mal in seiner Galerie. Zudem hat er bereits mehrere Messebeteiligungen und Ausstellungen für Baumgärtel arrangiert. "Schnell baute sich zwischen uns eine intensive Beziehung auf", betont der Galerist, der neben dem Spaßfaktor der Street-Art-Bilder die politische Dimension in den aktuellen Arbeiten des Künstlers hervorhebt. Auf einer Galeriewand präsentiert Balke typische Metallschilder Baumgärtels, bearbeitete Fundstücke aus dem öffentlichen Raum. Hier kann der Betrachter amüsiert über den neuen Bedeutungskontext schmunzeln, sei es über die gelben Bengel des Bananen-ADAC oder über verfremdete Verkehrs- und Straßenschilder. Vom Spaßfaktor zur Bildsatire ist es beim Bananensprayer oft nur ein winziger Schritt, wie das Schild mit Bezug zu "Herrn Erdogan" zeigt. Ebenfalls als politischen Kommentar versteht Baumgärtel seine Donald-Trump- Karikatur, die erst kurz nach Bekanntgabe der amerikanischen Wahlergebnisse in dieser Woche fertig geworden ist. Dabei ist das Porträt des neuen amerikanischen Präsidenten sicher weniger provokativ als das Erdogan Bild aus der vor kurzem vorzeitig beendeten Ausstellung beim Langenfelder Kunstverein. Es erregte besonders die Gemüter der Erdogan-Anhänger und rückte Baumgärtel in die Schusslinie von Hass und Bedrohung. "Auch wenn ich am Anfang aus Rücksicht auf meine Familie gezögert habe: Das ist für mich die Funktion von Kunst", erklärt der Künstler seine Solidarität mit dem Fernsehsatiriker Jan Böhmermann, dessen juristische Probleme Ausgangspunkt für die Erdogan-Karikatur waren. "Wir Künstler müssen den Finger in die Wunde legen, die Freiheit der Kunst verteidigen gegen Zensur und Unterdrückung."

Eigentlich hat Thomas Baumgärtel immer provokativ gearbeitet. "Ich habe den lauten Weg gewählt, sonst wird man nicht gehört. Und die Banane ist dabei zu meinem Werkzeug geworden." Ob er anonym als Sprayer unterwegs war, als Street-Art-Künstler im öffentlichen Raum agierte oder wie heute in einer Galerie ausstellt, für Baumgärtel macht dies keinen Unterschied. Kunst kann für ihn überall wirken. Ihre Wirkungsgewalt geht auch im Galerieraum nicht verloren, wie die Ausstellung im Langenfelder Kunstverein im September gezeigt hat.

Wer sich weiter mit dem Werk von Baumgärtel beschäftigen möchte, dem sei ein Ausflug ins Hagener Osthaus Museum empfohlen, das einen Überblick über "30 Jahre Bananensprayer" zeigt. Eine interessante Erweiterung der intensiven Eindrücke, die Dirk Balke ab heute dem Publikum präsentiert.

Quelle: RP
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