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Solingen
Nicht für jede Brücke kommt einen Neubau

Solingen: Nicht für jede Brücke kommt einen Neubau
Der Zahn der Zeit nagt an der Brücke Papiermühle, die seit zwölf Jahren stillgelegt ist. FOTO: Kempner Martin
Solingen. Anders als jetzt in Strohn hat die Stadt in der Vergangenheit Brücken ersatzlos abgerissen oder dauerhaft gesperrt.Karsten Ditscheid, Brücken-Experte der Technischen Betriebe Solingen, erklärt die Gründe an drei Beispielen. Von Benjamin Dresen

Die marode und seit kurzem komplett gesperrte Strohner Brücke über die Wupper soll durch einen Neubau ersetzt werden - darüber besteht im Rathaus und bei den Stadtwerken Solingen als Eigentümer des Bauwerks Konsens. Bis Ersatz geschaffen ist, müssen Radfahrer und Wanderer Umwege in Kauf nehmen. Aber nicht jede betagte Brücke kann die Stadt sanieren oder ersetzen, wie Karsten Ditscheid erklärt, der als Abteilungsleiter bei den Technischen Betrieben (TBS) für die Instandhaltung von Brücken zuständig ist.

Denn wie viele andere Kommunen stehe Solingen vor dem Problem, wegen knapper Finanzen nicht alle städtischen Brücken mit Mängeln ersetzen oder erhalten zu können. Mit einer "Entbehrlichkeitsprüfung" stellt die Stadt fest, ob eine Brücke ohne gravierende Auswirkungen für die Bevölkerung abgerissen werden kann. Schulwege, eine Erschließungsfunktion für Ortslagen und die Länge des dadurch entstehenden Umwegs fließen in die Überlegungen mit ein.

Ditscheid nimmt Stellung zu drei konkreten Beispielen, für die kein Neubau in Frage gekommen ist.

Brückenstraße

Die Brücke über die Bahngleise an der Brückenstraße an der Grenze der Stadtbezirke Mitte und Burg/Höhscheid riss die Stadt wegen ihres schlechten Zustandes 2010 ab. Fußgänger, Rad- und Autofahrer können die Schienen stattdessen am Haltepunkt an der Grünewalder Straße wie auch an der Katternberger Straße überqueren. Neben den nahen Ausweichmöglichkeiten hat eine Rolle gespielt, dass sich die Bahn nur dann finanziell am Abriss beteiligen wollte, wenn auf einen Neubau verzichtet würde. "Die Bahn hat ein Interesse, dass die Trassen frei von Bauwerken sind", erläutert Karsten Ditscheid. "Zum Beispiel, um Strecken später leichter ausbauen oder elektrifizieren zu können".

Holunderweg

Ähnlich verhielt es sich bei der Brücke am Holunderweg in Ohligs: Zu hohe Kosten für Sanierung oder Neubau und dieselben Bedingungen der Bahn über die Beteiligung an den Abrisskosten gaben den Ausschlag, das Bauwerk 2010 zu entfernen. Die Entscheidung hatte für einen Aufschrei der Anwohner gesorgt, schließlich war die Brücke für sie zu Fuß oder mit dem Rad die kürzeste Verbindung nach Ohligs und ins Waldgebiet westlich der Bahnstrecke. Hier sollte die Befestigung der Wanderwege entlang der Bahnstrecke zur Unterführung Pohligshof Abhilfe schaffen.

Im September 2010 wurde die Bahnbrücke am Holunderweg abgerissen. FOTO: Stephan Köhlen

Papiermühle

Anders gelagert ist der Fall der seit zwölf Jahren gesperrten Brücke Papiermühle am Soterweg. Die Stadt ist zwar für die Pflege der Wanderwege auf beiden Seiten der Wupper zuständig, die Brücke selbst ist aber in Privatbesitz und war früher Zuweg der Papierfabrik. Die Stadt entschloss sich, die Brücke wegen ihres schlechten Zustandes am 26. Juli 2004 zu schließen. Der Stadtdienst Natur und Umwelt habe zwar "Überlegungen für eine neue Wegeverbindung" angestellt, doch um hier voranzukommen, müssten mehrere Nüsse geknackt werden: Der Besitzer müsste Abriss und Neubau der Brücke zustimmen, und die Stadt müsste dafür zugleich Geld übrig haben. "Ich sehe nicht, dass beide Bedingungen in Kürze zutreffen werden", räumt Karsten Ditscheid ein.

Weil sich die Deutsche Bahn nur den Abrisskosten beteiligen wollte, gab es keinen Ersatz für das Bauwerk an der Brückenstraße. FOTO: Kempner Martin
Quelle: RP
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