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Sabine Stamm
"Nicht nur der Beitragssatz zählt"

Sabine Stamm: "Nicht nur der Beitragssatz zählt"
Seit Anfang des Jahres leitet Sabine Stamm "Die Bergische". FOTO: Martin Kempner
Solingen. Die Bergische Krankenkasse ist "klein, aber fein", sagt Vorstand Sabine Stamm und setzt auf kurze Wege zu Kunden.

Mit rund 53.000 Mitgliedern und etwa 74.000 Versicherten zählt die Bergische Krankenkasse nicht zu den großen. Wie gut behauptet sie sich gegen die Marktführer?

Stamm Größe alleine gibt heute keine Sicherheit mehr. Unsere Devise ist: klein, aber fein - und ein bisschen exklusiv. Damit bestehen wir gut am Markt. In den letzten beiden Jahren haben wir ein sehr stetiges und sehr gutes Wachstum erleben dürfen. 2015 etwa stieg die Zahl der Versicherten um fast sieben Prozent. Der Trend hält auch in diesem Jahr an, während viele andere Kassen Verluste erleiden.

Was macht "Die Bergische" attraktiv für neue und alte Mitglieder?

Stamm Uns kommt die regionale Ausrichtung zugute. Alle unsere Aktivitäten beziehen sich auf Nordrhein-Westfalen. Hier kennen wir die Vertragspartner und die Kunden. Trotzdem bleiben uns auch sehr viele Mitglieder treu, wenn sie aus NRW wegziehen.

Wo wohnen diejenigen, die bleiben? Ihr Logo zeigte von 1998 bis 2005 neben einem Fachwerkhaus und der Müngstener Brücke auch die Schwebebahn.

Stamm Unsere Schwerpunkte liegen tatsächlich in Solingen und Wuppertal. 1998 hat sich die BKK geöffnet, die vorher Mitarbeiter der Firmen Kortenbach & Rauh sowie Rasspe betreute. Damals gewannen wir auch viele Mitglieder in Wuppertal. In Elberfeld liegt unser größtes Kundenzentrum, das am 1. April in neue moderne Räume umgezogen ist. Weitere Kundenzentren gibt es in Bergisch Gladbach und an der unteren Hauptstraße in Solingen.

Wird das Internet nicht immer mehr zum "Kundenzentrum"?

Stamm Sicher ist das Internet unser größtes Kundenzentrum - nicht nur für junge Menschen. Das Medium gehört heute dazu. Wir sind bei Facebook und Twitter aktiv, bieten beispielsweise Online-Expertenchats an. Sozialdaten unterliegen aber einem besonderen Schutz; wir dürfen nicht alle Geschäfte übers Internet abwickeln. Wir arbeiten auch nicht mehr mit externen Call-Centern zusammen. Unsere Devise ist, auf eigenes Know-how zu setzen. Wir wollen grundsätzlich so viele Leistungen wie möglich durch eigenes Personal sicherstellen. Die Bearbeitung im Haus sorgt für eine bessere Qualität.

Mit welchen Leistungen wollen Sie sich von anderen Anbietern abheben?

Stamm Wir haben ein sehr gutes Zusatzpaket, den Flexibonus. Die Versicherten entscheiden, wie sie 300 Euro pro Jahr einsetzen wollen. Beliebt sind beispielsweise die professionelle Zahnreinigung, Leistungen aus dem Bereich der Osteopathie, besondere Vorsorgeuntersuchungen und ein Zuschuss zur neuen Brille, den man alle drei Jahre in Anspruch nehmen kann. Der Beitragssatz ist nicht mehr das alleinige Kriterium, an dem sich Kunden orientieren.

Trotzdem dominiert er immer wieder die Debatten. Wagen Sie eine Prognose, wohin sich der Beitrag 2017 entwickelt?

Stamm Die Politik hat noch keine Parameter vorgegeben. Es gibt Ankündigungen, etwa zu Sonderausschüttungen, aber keine konkreten Zahlen - wohl auch wegen des Wahljahrs. Unser Zusatzbeitrag liegt in diesem Jahr bei einem Prozent und damit 0,1 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der anderen Kassen. Sicher ist nur: Die Kosten im Gesundheitswesen werden weiter steigen. Wenn wir die Vorgaben aus der Politik haben, können wir den neuen Prozentsatz bis November bestimmen. Noch halten wir uns sehr zurück und beobachten, was passiert.

Wie zufrieden sind Sie trotz dieser Unsicherheit mit der Lage der Kasse?

Stamm Wir sind stolz darauf, einen Top-Service bieten zu können. Bei uns wartet keiner lange. Stolz sind wir auch auf die guten und sehr guten Ergebnisse unserer Auszubildenden. Aus diesem Grund bilden wir auch in diesem Jahr wieder angehende Sozialversicherungsfachangestellte im Haus aus.

FRED-LOTHAR MELCHIOR FÜHRTE DAS GESPRÄCH MIT SABINE STAMM.

Quelle: RP
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