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Solingen
Sturm wirbelt Solingen durcheinander

Sturmtief "Niklas" fegt über NRW
Sturmtief "Niklas" fegt über NRW FOTO: dpa, fg
Solingen. "Niklas" richtet deutlich mehr Schaden an als sein Vorgänger "Mike" und bereitet der Feuerwehr reichlich Arbeit. Viele Bäume sind umgestürzt, zudem war der Hauptbahnhof vom Nah- und Fernverkehr abgeschnitten. Von Annemarie Kister-Preuss und Guido Radtke

Für die Profis bei der Feuerwehr war schon in der Nacht klar, dass ein arbeitsreicher Tag auf sie zukommt. Der direkte Draht zum deutschen Wetterdienst, ständiges Beobachten des Regenradars - für Lagedienstführer Oliver Wilkens war das gestern Hauptbeschäftigung. Mittags konnte er nach 15 Einsätzen, die er im Solinger Stadtgebiet koordiniert hatte, zumindest eine gute Nachricht verzeichnen: Die Warnung vor Starkregen war für die Region zurückgenommen worden. Auch was die Windstärken angeht, soll das Schlimmste überstanden sein, und auch die Kaltfront, die gestern Mittag die Klingenstadt überquerte, ist wieder abgezogen.

Von den 25 Einsätzen, die Feuerwehr-Einsatzleiter Dirk Otys am Vormittag gemeldet hatte, war keiner besonders spektakulär. Meistens waren es umgestürzte Bäume, die Straßen blockierten oder auf Autos gefallen waren. So war die Beethovenstraße für kurze Zeit voll gesperrt, während die Feuerwehr einen Baum zersägen musste, der auf ein Wohnhaus gestürzt war. Auch die Oberleitungen der Obusse mussten zum Teil von Ästen befreit werden. An der Grundschule Fürker Irlen zerlegte der Sturm eine Blechhütte, die anschließend von den Wehrleuten demontiert wurde.

Die erste Einsatzstelle erreichte die Feuerwehr gestern gegen 7 Uhr. Bis zum Nachmittag war zwar ein wenig Ruhe eingekehrt, doch blieb die Wehr weiter in erhöhter Alarmbereitschaft. Das war angebracht, wie der Einsatz im Vogelpark zeigte. Ein Baum stürzte auf den Zaun des Luchsgeheges. "Das war Kyrill 2.0", sagte Tierpflegerin Jeanette Heinrich. Bei dem Sturm im Jahr 2007 war schon einmal das gleiche Gehege von einem entwurzelten Baum verwüstet worden.

Wie viele Wehrleute sich wie lange bereithalten müssen, auch wenn sie keinen Dienst haben, hängt nach Angaben von Oliver Wilkens davon ab, wie viel Vorlauf solche immer wieder vorkommenden Naturereignisse haben. "In diesem Fall wussten wir am Montag schon, dass etwas auf uns zukommt. Führungskräfte und die Freiwillige Feuerwehr haben sich bereit gehalten", erklärt der Dienstführer aus der Leitstelle. Wie es in den nächsten Tagen aussehen wird, darüber möchte Oliver Wilkens nicht spekulieren. Verlässliche Vorhersagen könne man höchstens für einen Tag machen.

Im Vergleich zum übrigen Deutschland ist Solingen noch einmal glimpflich davon gekommen. Nicht aber, was den Bahn-Verkehr betrifft. Bereits bevor die DB Regio den kompletten Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen aufgrund des Unwetters von 11 bis etwa 18 Uhr einstellte, hielten am Hauptbahnhof in Ohligs nur ganz vereinzelt Züge mit erheblicher Verspätung. Fast eine Stunde lang stand beispielsweise ein Güterzug auf Gleis 1 und wartete darauf, seine Fahrt fortsetzen zu können. Der Grund: eine beschädigte Oberleitung zwischen Leichlingen und Opladen. Hier strandeten viele Fahrgäste, als Züge abgestellt wurden, als im NRW-Regionalverkehr nichts mehr rollen durfte. Die Informationslage war dünn - auch bei den Lokführern: "Ich wollte nach Münster, aber ... ?", sagte ein Bahner und lud alle ein, sich in seinen Regionalzug zu setzen, damit sie sich wenigstens wärmen konnten.

Nach Düsseldorf ging ebenfalls nichts. Die Strecke der S-Bahn "S 1" pendelte auf Düsseldorfer Stadtgebiet zwischen Eller und Unterrath, weil in Hilden Bäume auf die Gleise gefallen waren. Einzig das private Verkehrsunternehmen Abellio hielt den Fahrplan des "Müngsteners" zwischen Solingen über Remscheid nach Wuppertal aufrecht. An den Haltepunkten Schaberg, Mitte und Grünewald wurde jedoch versäumt, darauf hinzuweisen, dass vom Hauptbahnhof keine Anschlüsse bestehen.

Quelle: RP
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