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Solingen
Noch gibt es Schulplätze für Flüchtlinge

Rund 130 Flüchtlinge erreichen Düsseldorf mit Zügen
Rund 130 Flüchtlinge erreichen Düsseldorf mit Zügen FOTO: Kai Jürgens
Solingen. Täglich rechnet die Stadtverwaltung mit einem neuerlichen Amtshilfeersuchen des Landes, weitere Asylsuchende aufzunehmen. Viele Kinder und Jugendliche sind schulpflichtig. Heute tagt der Sonderkrisenstab im Rathaus. Von Uwe Vetter und Günter Tewes

Die Sporthalle des Gymnasiums Schwertstraße ist seit dem Wochenende mit 120 Flüchtlingen voll belegt, das Schulgebäude inklusive Turnhalle an der Zweigstraße in Höhscheid mit 250 Personen ebenfalls. Beide Einrichtungen betreibt die Stadt auf Hilferuf des Landes beziehungsweise der Bezirksregierung - von der Erstaufnahme bis hin zur Betreuung kümmern sich hier städtische Mitarbeiter.

Auch in der allein vom Land betriebenen Notunterkunft im alten Finanzamtsgebäude an der Goerdelerstraße sind die Kapazitäten ausgereizt. Fieberhaft sucht die Stadt deshalb nach weiteren Möglichkeiten, Flüchtlinge unterzubringen. "Alles ist in der Prüfung, eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen", hieß es gestern aus dem Rathaus.

Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft FOTO: Bernd Schaller

Die Belegung von Turnhallen soll indes nur eine vorübergehende Notfallmaßnahme sein. Überlegt werden derweil aber auch Zeltstädte auf städtischen oder aber noch zu kaufenden Grundstücken. Bei letzterer Variante müssten allerdings der Finanzausschuss und der Haupt- und Personalausschuss mit eingebunden werden. Sind ausgeguckte Flächen geeignet? Stimmen Infrastruktur und Bodenbeschaffenheiten? Mit diesen Fragen wird sich stets beschäftigt, wenn es gilt, kurz- oder aber mittelfristige Lösungen zu finden. "Wirtschaftliche Erwägungen spielen ebenfalls eine Rolle", sagt Lutz Peters, der städtische Pressesprecher.

Ebenfalls in den Überlegungen sind mobile Container-Heime. Auch leerstehende Discounter und Fabrikgebäude werden untersucht mit dem möglichen Ziel, dort vorübergehend Flüchtlinge unterzubringen. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, angemessene Unterkünfte zu schaffen", sagt Oberbürgermeister Norbert Feith. Jetzt müssten Entscheidungen getroffen werden, mit denen noch vor wenigen Wochen nicht zu rechnen gewesen sei.

Fotos: Große Hilfsbereitschaft am Dortmunder Hauptbahnhof FOTO: dpa, mjh

Allerdings sind Zelte oder aber mobile Container nicht von heute auf morgen zu bekommen und stellen somit eher eine mittelfristige Lösung dar. Sofort verfügbar und mit Duschen und Toiletten ausgerüstet sind dagegen Sport- beziehungsweise Turnhallen - wenn das Land wieder darum bittet, eine Notfallunterkunft bereitzustellen. Das wissen auch die Mitglieder des Sonderkrisenstabes, der heute erneut tagt. Jeden Dienstag und Freitag kommt er zusammen, zumal weitere Flüchtlinge erwartet werden. "Wir richten uns täglich auf ein weiteres Amtshilfeersuchen des Landes ein", sagt Lutz Peters.

Die steigende Zahl von jungen Flüchtlingen stellt die Schulverwaltung vor zusätzliche Herausforderungen. "Etwa ein Drittel sind Kinder und Jugendliche, der Großteil von ihnen ist schulpflichtig. Darauf müssen wir reagieren," heißt es. Stadtdirektor Hartmut Hoferichter erwartet derzeit, dass pro Monat eine oder sogar zwei neue Seiteneinsteigerklassen für diese Kinder einzurichten sind. Höchstens 20 Kinder lernen in jeder dieser Klassen.

"Wir arbeiten an Lösungen", erklärt Ralf Zinsenheim von der Schulverwaltung im Gespräch mit unserer Redaktion. Die 21 Grundschulen, die nach Hoferichters Worten sehr kooperativ agieren, halten 300 Plätze für Flüchtlingskinder vor. Diese sind offenbar noch nicht belegt. Bis vor vier Wochen wurden sogar nur die Hälfte dieser Plätze in Grundschulen gebraucht. "Es besteht aktuell kein Handlungsbedarf", erklärt der Stadtdirektor.

Dortmunder applaudieren Flüchtlingen am Bahnhof

Die weiterführenden Schulen haben derzeit 15 Klassen für Seiteneinsteiger eingerichtet. "Wir werden mit dieser Zahl nicht auskommen", sagt Zinsenheim mit Blick auf die zu erwartende Entwicklung. Die eine oder andere zusätzliche Klasse für Flüchtlingskinder könnte nach seinen Worten in Schulgebäuden eingerichtet werden. "Es gibt noch ein bisschen Potenzial." Zinsenheim von der Schulverwaltung sowie Stadtdirektor Hoferichter sehen allerdings nicht mehr viel Spielräume für zusätzliche Klassenzimmer. Sind diese ausgereizt, müsste die Stadt Räume an Schulen anmieten oder Container aufstellen, um die Kinder zu unterrichten. Zusätzliche Schwierigkeit für Schulen: Es ist schwer, Lehrer für die Vorbereitungsklassen zu finden.

Schulpflicht besteht indes vorerst noch nicht für Flüchtlingskinder in den Erstaufnahme-Einrichtungen Sporthalle Gerichtstraße, Schulgebäude Zweigstraße sowie altes Finanzamt Goerdelerstraße. Die gilt erst, wenn die Aufnahmeverfahren abgeschlossen und sie einer Stadt zugewiesen sind. Das freilich ist nicht zwangsläufig Solingen.

Quelle: RP
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