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Interview
Nordstadt: Kneipenmeile mit Kultpotenzial

Interview: Nordstadt: Kneipenmeile mit Kultpotenzial
Volker Brandt hinter dem Tresen im "Brandy's": Zu ihm kommen Gäste im Anzug genauso wie Fußballfans. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Seit 15 Jahren führt Volker Brandt das "Brandy's" an der Potsdamer Straße. Für ihn besitzt das Viertel die richtige Mischung.

Herr Brandt, als Sie im September 2000 im "Brandy's" anfingen - haben Sie damals daran gedacht, dass Sie 15 Jahre später hier immer noch hinterm Tresen stehen würden?

Volker Brandt (lacht) Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich daran damals keine Gedanken verschwendet. Aber inzwischen haben wir schon lange ein festes Stammpublikum, das aus der ganzen Stadt zu uns kommt. Unsere Gäste stammen genauso aus Wald und Ohligs wie aus Mitte.

Die Leute gehen ausgerechnet in der Nordstadt ein Bier trinken? Normalerweise hat das Viertel in Solingen ja nicht den besten Ruf.

Brandt Was jedoch vollkommen ungerechtfertigt ist. Hier stimmt die Mischung. Bei uns treffen sich zum Beispiel ganz unterschiedliche Leute. Es kommt häufig vor, dass Fußballfans mit Schals und Trikots bei uns ein Spiel anschauen. Und später kommen dann noch Leute im Anzug, die gerade im Theater oder im Konzert waren.

Zwei Welten, die eigentlich nicht zueinander passen.

Brandt Von wegen. Wer sagt denn, dass sich Liebhaber von klassischer Musik nicht für Fußball interessieren. Das Umgekehrte gilt im Übrigen auch. Bei uns im "Brandy's" sitzen jedenfalls alle ganz friedlich zusammen und unterhalten sich. Die Mischung macht es eben.

Was ja auch für das Angebot außerhalb Ihrer Kneipe gelten sollte. Aber da sieht es eher mau aus. Früher gab es rund ums "Brandy's" zum Beispiel noch mehr Kneipen als heute. Die Nordstadt war eine echte kleine Ausgehmeile.

Brandt Das ist richtig. Und es stimmt auch, dass wir der einzige Gastronomiebetrieb sind, den es noch von früher gibt. Doch ansonsten leidet unser Viertel wirklich unter Vorurteilen. In den vergangenen Jahren hat sich in der Nordstadt viel getan. Und wenn jetzt noch eine richtige Fußgängerüberführung für die Konrad-Adenauer-Straße den alten Tunnel ersetzt, ist wieder ein Schritt nach vorne gemacht. Die Gegend hat Potenzial.

Das klingt alles ganz positiv. Ansonsten hört man Gastronomen ja eher klagen.

Brandt Die Situation ist allgemein auch nicht einfach. Wir merken selbst, dass den Leuten das Geld lange nicht mehr so locker sitzt wie früher. Und dazu kommen dann noch andere Probleme. Denken Sie nur an das Rauchverbot. Das macht beispielsweise in Eckkneipen keinen Sinn.

Aber Sie haben doch als einer der ersten in ganz Solingen auf absolute Rauchfreiheit umgestellt.

Brandt Das stimmt. Und die allermeisten Gäste haben das auch akzeptiert. Nur sind wir eben keine Eckkneipe, sondern Kneipe und Restaurant.

Zumal Sie mit dem Rathaus in der Nähe einen Standortvorteil besitzen.

Brandt Das ist nicht von der Hand zu weisen. Viele Rathausmitarbeiter kommen bei uns mittags vorbei, um zu essen.

Also alles ganz gediegen?

Brandt (lacht) Da hätten Sie mal bei unserer 15-Jahr-Feier da sein müssen. Im Ernst: Wir sind eine Kneipe, in der die Gäste nett zusammensitzen und sich unterhalten können. Bei uns gibt es eine familiäre Atmosphäre. Gleichzeitig ist bei uns aber auch richtig gute Stimmung. Und wenn's passt, wird die Musik auch mal lauter gedreht. Wie gesagt: Die Mischung muss stimmen.

MARTIN OBERPRILLER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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