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Solingen
Nostalgische Zeitreise in der Reiderei

Solingen: Nostalgische Zeitreise in der Reiderei
Die Reiderei Lauterjung an der Schaberger Straße ist wieder regelmäßig geöffnet. Hartwig Lutter (r.) führt die Besucher durch die historische Werkstatt. FOTO: kempner
Solingen. Die Saison in der kleinen Außenstelle des Rheinischen Industriemuseums hat begonnen. Besucher sind willkommen. Von Sandra Grünwald

In dem winzigen Kotten an der Schaberger Straße wurden einst die Taschenmesser zusammengesetzt. Das war die Aufgabe des Reiders, dem die geschmiedeten, gestanzten und polierten Klingen-Rohlinge angeliefert wurden. Mit Stiften steckte er dann die Einzelteile zu Taschenmessern zusammen.

Es dürfte Ende des Jahres 1906 gewesen sein, als Carl Lauterjung seine Werkstatt einrichtete. Ein noch gut erhaltenes Dokument vom November 1906 zeugt vom Kaufangebot der Einrichtung. Drei Generationen arbeiteten seither in dem Kotten, dessen Werkstatt kaum größer als ein Wohnzimmer ist. Die Familie Lauterjung lebte nebenan und betrieb zusätzlich noch ein wenig Landwirtschaft. Dann wurde die Reiderei aufgegeben.

"Das Industriemuseum in Merscheid wurde aufmerksam", erinnert sich Hartwig Lutter, "und meinte, dieser Kotten müsse erhalten werden". Natürlich musste erst einmal viel getan werden. "Hier sah es aus wie Kraut und Rüben", sagt Lutter, der den Betrieb noch aus seinen Kindertagen kennt. "Ich bin hier oben aufgewachsen, das war mein Revier." Mit kindlicher Neugier wurde schon mal ein Blick in den Kotten geworfen. Hartwig Lutter, von Haus aus Ingenieur, überlegte sich, als er in Rente ging, was er nun mit seiner Zeit anfangen sollte. "Da habe ich mir einige ehrenamtliche Pöstchen zugelegt", verrät er mit einem Schmunzeln. Einer davon sind die Führungen, die er in der Reiderei Lauterjung macht. Seit zehn Jahren schon erklärt er den Besuchern, wie der große Hammer bedient wurde, was es mit den Werkzeugen auf sich hat, die noch überall auf den Werkbänken herumliegen. "Dort ist auch noch eine Schleifmaschine und ein Schleifstein", erzählt er, "denn Lauterjung war nicht auf Taschenmesser beschränkt. Er konnte auch noch ein paar andere Sachen machen."

Ein Videogerät steht ebenfalls zur Verfügung, mit dem die Filme "Taschenmesserreiderei Lauterjung" und "Taschenmesserreider Horst Rüttger" von Dieter Hennig vorgeführt werden können, die Einblicke in das Handwerk geben. Von April bis Oktober ist das kleine Museum jeden ersten Mittwoch im Monat von 15 bis 17 Uhr geöffnet (Eintritt: ein Euro). Für Gruppenführungen können Sondertermine vereinbart werden. "Es kommen auch immer Kindergärten und erste Schulklassen zu Besuch", freut sich Lutter über das Interesse der Kleinen. Auch gibt es für Kinder die Möglichkeit, in einem Kurs ein Taschenmesser selbst herzustellen. "Mit Hammer, Stiften und Zange", so Lutter. "Das wird an einem Tag gemacht." Das Ergebnis dürfen die kleinen Reider dann mit nach Hause nehmen. Termine für den Kinderkurs und die Gruppenführungen können im Rheinischen Industriemuseum nachgefragt werden.

Quelle: RP
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